Bauindustrie zur Wohnungsbauprognose

Auzug aus dem Sprechzettel der Pressekonferenz vom 31. Mai 2017 in Berlin
 
Der Neubau von Wohnungen hat 2016 weiter Fahrt aufgenommen: Die Zahl der Fertigstellungen ist um mehr als 12 % auf 278.000 Einheiten gestiegen. Der Baugenehmigungsschub des Jahres 2016 von 20 % auf 375.000 Wohnungen lässt vermuten, dass sich diese Dynamik noch verstärken wird.
 
Alle Wohnungsbedarfsstudien deuten heute darauf hin, dass bis zum Jahr 2020 zwischen 350.000 und 400.000 Wohnungen pro Jahr neu errichtet werden müssen. Das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) hat sich zuletzt auf 385.000 Einheiten festgelegt:
 
  • Knapp 160.000 Wohnungen allein in Folge der normalen Bevölkerungsentwicklung,
     
  • 71.000 Wohnungen zur Abdeckung des Ersatzbedarfs für die durch Abbruch, Umwidmung oder Zusammenlegung entstehenden Wohnungsabgänge,
     
  • 21.000 Wohnungen zum Abbau des Nachholbedarfs, der sich in den vergangenen Jahren aufgestaut hat, und
     
  • 132.000 Wohnungen infolge der anhaltenden Zuwanderung einschließlich des Familiennachzugs.
Bund, Länder und Gemeinden stehen heute vor der schwierigen Aufgabe, die Rahmenbedingungen für den Neubau so zu setzen, dass die richtigen Wohnungen am richtigen Standort zu angemessenen Mieten errichtet werden. Das heißt: 
 
  • Die Struktur des Wohnungsneubaus muss sich deutlich in Richtung Geschosswohnungsbau verlagern. Es gilt, bis 2020 Jahr für Jahr etwa 200.000 neue Wohnungen vorrangig als Mietwohnungen an den Markt zu bringen.
     
  • Der Wohnungsneubau muss sich noch stärker auf prosperierende Ballungszentren und attraktive Schwarmstädte konzentrieren. 124.000 Wohnungen sollten in Städten mit über 100.000 Einwohnern errichtet werden, davon fast 90.000 in den sieben sogenannten A-Städten.
     
  • Die neuen Wohnungen werden im Übrigen überwiegend für einkommensschwächere Haushalte gebraucht, sei es für junge Leute, die es zu Beginn ihres Berufslebens vom Land in die Ballungszentren zieht, aber auch für Studenten und für Migranten. Die etwa 40.000 bis 50.000 Wohnungen, die derzeit in diesem Segment gebaut werden, reichen bei Weitem nicht aus.
 
Für die Wohnungsbaupolitik in Deutschland bedeutet dies, dass sie sich neu ausrichten muss:
 
  • Mit der Novellierung des Baugesetzbuchs hat Bundesbauministerin Dr. Barbara Hendricks den Weg zu einer zeitgemäßen Nutzungsmischung und Nachverdichtung in unseren Städten geebnet. Die Ausweisung der neuen Gebietskategorie „Urbanes Gebiet“ allein reicht jedoch nicht; wir müssen - zumindest in einigen großstädtischen Innenstadtbereichen - auch darüber nachdenken, ob wir nicht wieder Wohngebäude jenseits der Hochhausgrenze errichten. In stark wachsenden Räumen müssen darüber hinaus neue Stadtviertel geschaffen werden – wenn nicht anders möglich, auch im Außenbereich.
     
  • Der Schlüssel zur Beseitigung der Wohnungsengpässe liegt aber in einer stärkeren Industrialisierung des Wohnungsbaus. Statt bedingungslos dem Leitbild der Einzel-fertigung zu folgen, sollten künftig stärker Prototypen geplant werden, die deutsch-landweit in Serie umgesetzt werden können. Die gewünschten Kosteneffekte ergeben sich dann aus der Optimierung der Planung (z. B. optimierte Grundrisse) und der Produktionsprozesse (z. B. stärkere Digitalisierung), aber auch der Standardisierung und den daraus resultierenden Economies of Scale.
 
 
Unser Fazit:
Fertigungszahlen von bis zu 400.000 Einheiten pro Jahr werden sich jedoch nicht von heute auf morgen realisieren lassen. Auch die Bauwirtschaft braucht Zeit, ihre Kapazitäten an das stark steigende Nachfrageniveau anzupassen. Wir rechnen deshalb für 2017 zwar mit einem weiteren Anstieg der Fertigstellungszahlen auf 320.000 Einheiten, dieser wird aber immer noch hinter dem Bedarf zurückbleiben. Erst 2018 ist mit etwa 350.000 Fertigstellungen die Untergrenze des Bedarfs erreicht. Die Umsätze im Bauhauptgewerbe werden entsprechend 2017 um 7,5 %, 2018 um weitere 7 % zunehmen.