Bauhauptgewerbe im November 2016

Mittwoch, 25.01.2017

Presseinfo 02/17
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Bremst US-Wahl den Wirtschaftsbau? Nachfrage nach Wirtschaftsbauleistungen erstmals seit August 2015 im Minus. Steigende Wohnungs- und Infrastrukturnachfrage sorgt aber für Orderplus von 8 % zum Vorjahr.

Hat die Unsicherheit nach der US-Wahl bereits Auswirkungen auf das Investitionsverhalten der deutschen Wirtschaft? Wie der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie in der neuesten Ausgabe seines Aktuellen Zahlenbildes mitteilt, meldeten die Betriebe des Bauhauptgewerbes mit 20 und mehr Beschäftigten für November 2016 zwar ein Orderplus im Vergleich zum Vorjahresmonat von nominal 7,6 %, erstmals seit August 2015 ist jedoch die Nachfrage im Wirtschaftsbau zurückgegangen – und das gleich um 10,8 %. Die Nachfrage im Wohnungsbau und im Öffentlichen Bau ist dagegen mit + 24,9 % bzw. + 26,7 % ungebrochen. Der vom Statistischen Bundesamt berechnete preis-, saison- und arbeitstäglich bereinigte Rückgang des Auftragseingangs von 1,0 % zum Vormonat ist somit nicht Ausdruck einer schwächelnden Baukonjunktur, sondern nach wie vor nur die Folge des mittlerweile erreichten außergewöhnlich hohen Auftragsniveaus. Die Bauunternehmen meldeten für die ersten elf Monate immerhin ein Orderplus von nominal 15,3 %.

Entsprechend gut gefüllt sind die Auftragsbücher: Für Ende 2016 meldete das ifo Institut für die Branche eine Reichweite der Auftragsbestände von weit überdurchschnittlichen 3,2 Monaten - und das trotz reger Bautätigkeit. So erwirtschafteten die Baubetriebe mit 20 und mehr Beschäftigten im November ein Umsatzplus von nominal 6,2 %. In den ersten elf Monaten lag der Umsatz um 6,8 % über dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Entsprechend zufrieden zeigten sich die Bauunternehmen: 85 % der im Rahmen des ifo Konjunkturtests Befragten beurteilten ihre aktuelle Geschäftslage als gut bzw. befriedigend - so viele wie noch nie im Dezember.

Dank des „Investitionshochlaufprogramms“ des Bundes wurde im November 2016 das stärkste Orderplus für den Öffentlichen Bau ausgewiesen: Dieser legte im Vergleich zum Vorjahresmonat um 26,7 % zu - und damit abermals zweistellig (Jan.-Nov.: + 18,6 %), der Umsatz stieg um 9,5 % (Jan.-Nov.: + 7,5 %). Das starke Orderplus ist überwiegend auf den Straßenbau zurückzuführen, der um 50,2 % zugelegt hat (Jan.-Nov.: + 19,2 %). Damit kommen die zusätzlichen Bundesmittel langsam bei den Bauunternehmen an. Laut aktuellem Monatsbericht des Finanzministeriums lagen die Ausgaben des Bundes für den Straßenbau in den ersten elf Monaten um 10,3 % über dem Niveau des vergleichbaren Vorjahreszeitraums. Für Dezember wird auch ein deutliches Plus erwartet: Von den 8,8 Mrd. Euro, die der Bund für 2016 für den Bau von Straßen angesetzt hat, sind erst 84 % ausgegeben.

Auch die Nachfrage nach Wohnraum ist ungebrochen: Für den Wohnungsbau meldeten die Baubetriebe einen Anstieg des Auftragseingangs im Vergleich zum November 2015 um 24,9 % (Jan.-Nov.: + 18,2 %), der Umsatz lag um 6,2 % über dem vergleichbaren Vorjahresmonat (Jan.-Nov.: + 12,7 %). Auch die Baugenehmigungen für Wohnungen legten in den ersten elf Monaten zu: Es wurde der Neu- und Umbau von 340.000 Wohnungen genehmigt, 63.600 bzw. 23 % mehr als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Dabei wurde für den Neubau von Mehrfamilienhäuser ein höheres Wachstum ausgewiesen (+ 27,4 %) als für die Ein- und Zweifamilienhäuser (+ 3,2 %).

Lediglich der Wirtschaftsbau sorgte für eine negative Überraschung: Die seit über einen Jahr anhaltenden Steigerungsraten beim Auftragseingang hatten im November 2016 ein Ende – die Betriebe meldeten einen Rückgang von 10,8 % (Jan.-Nov.: + 10,9 %). Die Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes hielten sich offenbar - aufgrund der unsicheren Lage auf den Weltmärkten durch die US-Wahl im November - erst einmal mit Aufträgen zurück: Entsprechend stark sanken die Ordereingänge im Wirtschaftshochbau (- 15,2 %). Auf den Umsatz im Wirtschaftsbau hatte dies aber noch keinen Einfluss, er legte im November um 3,4 % zu (Jan.-Nov.: + 3,3 %).

 

Alle Angaben und Berechnungen beruhen auf Daten des Statistischen Bundesamtes.