Bauprognose 2011

Donnerstag, 09.06.2011

Presseinfo 35/11

Bauwirtschaft schafft Anschluss an gesamtwirtschaftlichen Aufschwung

  • Umsätze im Plus: 4,5% nominal
  • Beschäftigung zieht an: + 2%

Die deutsche Bauwirtschaft wird 2011 Anschluss an den gesamt­wirtschaftlichen Aufschwung finden. Diese Auffassung vertrat heute in Berlin der neue Präsident des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie Prof. Dipl.-Kfm. Thomas Bauer in seiner ersten Jahrespressekonferenz. Für das deutsche Bauhaupt­gewerbe erwartet Bauer 2011 ein Umsatzplus von nominal 4,5 %, was real einem Produktionsplus von etwa 2 % entspreche. Für die Beschäftigten im deutschen Bauhauptgewerbe sei dies eine positive Nachricht: Die Zahl der Beschäftigten werde im Jahres­durchschnitt um etwa 2 % auf 730.000 ansteigen.

Getragen werde der konjunkturelle Erholungsprozess von einer Renaissance des Wohnungsbaus, erläuterte Bauer. Begünstigt durch positive Einkommenserwartungen, ein wieder erwachtes Interesse der Anleger an Wohnimmobilien, aber auch anhaltend niedrige Zinsen sei die Nachfrage nach Wohnungsbauleistungen im 1. Quartal um nominal 29 % gestiegen. Für das Jahr 2011 erwartet Bauer deshalb einen Anstieg der Wohnungsbauumsätze um nominal 8 % (2010: + 6,6 %) sowie eine Zunahme der Zahl der fertig gestellten Wohnungen auf 190.000. Bauer: „Trotzdem werden wir auch 2011 die von vielen Experten als bestands­sichernde Untergrenze genannte Zahl von 200.000 fertig gestellten Wohnungen nicht erreichen."

Als „überraschend" bezeichnete Bauer die starke Belebung der Nachfrage im Wirtschaftsbau. Immerhin habe das Niveau der Auftragseingänge im 1. Quartal 2011 nominal um 19 % über dem Vorjahresniveau gelegen. Anders als im vergangenen Jahr hätten die Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes inzwischen nicht nur kleine Rationalisierungs- bzw. Erhaltungsmaßnahmen in Auftrag gegeben, sondern auch größere Erhaltungs- und Erweiterungsinvestitionen. Bauer rechnet deshalb mit einem Umsatzplus im Wirtschaftsbau von nominal 7 % (2010: - 4,3 %).

Sorgen bereitet Bauer jedoch der tiefe Einbruch der öffentlichen Baunachfrage im 1. Quartal von nominal 15,5 %. Für die nähere Zukunft sei nicht mit einer Trendwende zu rechnen. Zum einen gehe die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) nach wie vor von einem Rückgang der kommunalen Investitionen von 13 % aus. Zum anderen hätten der Bund, aber auch die Länder, ihre Haus­haltsansätze für Baumaßnahmen um 8 bzw. 11 % gekürzt. Wenn es dennoch 2011 nur zu einem Rückgang der Umsätze im Öffent­lichen Bau von nominal 2 % komme, sei dies allein auf die gute Frühjahrskonjunktur zurückzuführen.

Bei aller Freude über die augenblicklich günstigen konjunkturellen Rahmenbedingungen dürfe man aber auf keinen Fall die lang­fristigen strukturellen Probleme aus den Augen verlieren, warnte Bauer. Er sehe mit großer Sorge, dass die Widerstände gegen große Infrastrukturvorhaben in Deutschland zunähmen, die Finan­zierbarkeit der Infrastruktur in Frage gestellt sei und neue Formen der Zusammenarbeit zwischen Staat und privater Wirtschaft im Rahmen Öffentlich Privater Partnerschaften von verschiedensten Ideologen bekämpft würden.