Zielvorgaben des Klimaschutzplans 2050 der Bundesregierung

Dienstag, 29.11.2016

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Hauptgeschäftsführer Michael Knipper:

  • Kostengünstiger Wohnungsneubau durch weitere Hürden im Klimaschutz erschwert
  • Zielkonflikte werden nicht ehrlich kommuniziert
  • Serieller Wohnungsbau kann schnell Wohnungen schaffen


„Immer mehr Menschen brauchen bezahlbare Wohnungen. Uns werden voraussichtlich in diesem – und in den kommenden Jahren – jeweils rund 60.000 Wohneinheiten fehlen. Aber anstatt jetzt schnell alle Hürden abzuräumen, werden weitere Auflagen obendrauf gesattelt, vor allem im Klimaschutz, mit denen das Wohnen noch teurer wird.“ Mit diesen Worten kommentierte der Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, RA Michael Knipper, die Zielvorgaben des Klimaschutzplans 2050 der Bundesregierung. Er sieht im Gebäude weitere CO2-Einsparungen in Höhe von acht Millionen Tonnen bis 2050 vor. 

„Im Wohnungsneubau offenbart sich, dass wir derzeit in vielen gesellschaftlichen Bereichen ökologische, ökonomische und soziale Zielkonflikte haben, mit denen wir nicht ehrlich umgehen“, erklärte Knipper. Ehrlich wäre es zu sagen, dass Klimaschutz nicht zum Nulltarif zu haben ist und schon heute durch hohe Auflagen der Energieeinsparverordnung (EnEV) den Wohnungsneubau und die Sanierung verteuert. Ehrlich wäre es auch zu sagen, dass wir mit jeder weiteren Erhöhung der Standards, wie wir sie ja bereits im Niedrigenergiehaus- oder Passivhausbereich haben, eine Grenze überschreiten, bei der Kosten und Nutzen nicht mehr im Einklang stehen. Knipper: „Mit anderen Worten: wer beim Klimaschutz bereits 90 Prozent erreicht hat, muss sich die letzten zehn Prozent teuer erkaufen. Aber wenn sich Investitionen nicht rechnen, entstehen auch keine neue Wohnungen.“

„Aus unserer Sicht ist insbesondere der serielle Wohnungsbau in der Lage, die aktuell zusätzlich benötigten 60.000 Wohneinheiten schnell und kostengünstig zu schaffen. Statt Unikate zu fertigen, sollten künftig stärker Prototypen geplant werden, die dann deutschlandweit in Serie umgesetzt werden“, ergänzte Knipper. Damit ließen sich notwendige Beschleunigungs- und Kostensenkungseffekte erzielen. „Genau dafür müssen wir jetzt die Hürden abräumen, das heißt, wir brauchen eine Entschlackung des Bauordnungs- und des Baunebenrechts der Länder wie auch der kommunalen Satzungen, günstiges Bauland und eine bundeseinheitliche Bauordnung. Hinzu sollte der Abbau weiterer Hürden, wie die Wohnimmobilienkreditrichtlinie, die Mietpreisbremse und die hohen Grund- und Grunderwerbsteuern, die den Wohnungsneubau erschweren. Wir brauchen positive Anreize. Ich erwarte hier eine konsistente Politik und eine vernünftige Abwägung im Sinne der Menschen, die kostengünstigen Wohnraum suchen“, erklärte Knipper.