Auslandsbaumärkte
Die Bezifferung des globalen Bauvolumens ist keine einfache Aufgabe, da die verfügbare Datenlage zu den nationalen Baumärkten nicht in allen Weltregionen so ergiebig ist wie in den Industrieländern. Einer Daumenregel zufolge beträgt das nationale Bauvolumen circa 10% des jeweiligen Bruttoinlandsprodukts (BIP). Da laut IWF das Welt-BIP im Jahr 2009 gut 61 Billionen US$ betrug, darf die Größe des Weltbaumarkts auf rund 6 Billion US$ (4,75 Billion €) taxiert werden. Von dieser Summe steht allerdings nur ein geringer Prozentsatz für den internationalen Baumarkt, d.h. für ausländische Baufirmen sowie deren lokale Tochter- und Beteiligungsgesellschaften, zur Verfügung. Im Jahr 2009 betrug der akkumulierte Auslandsumsatz der führenden 225 international aktiven Bauunternehmen rund 384 Mrd. US$ (290 Mrd. €).
Die international aktiven deutschen Baufirmen haben ihre Auslandsaktivitäten während der letzten drei Jahrzehnte zunehmend von den klassischen Bauexportmärkten in Asien, Afrika und Lateinamerika in die Baumärkte der Industrieländer verlagert und wickeln heute ca. 90 % ihres internationalen Geschäfts in den Industrieländern (Australien, Nordamerika und Europa) ab. Diese Entwicklung ist durch die Tatsache bedingt, dass die Bauindustrie in den Schwellenländern und den fortgeschrittenen Entwicklungsländern mittlerweile in der Lage ist, die herkömmlichen und risikoarmen Projekte selbst anzubieten; auf den internationalen Baumarkt kommen nur noch komplexe Großprojekte mit einem hohen Risikoprofil.
Außerhalb der Industrieländer konzentrieren die international aktiven Baufirmen ihr Engagement auf ausgewählte Kernmärkte, vor allem in der Golfregion. In Afrika stehen die Maghreb-Region, vor allem Libyen und Algerien, im Fokus, während sich die deutsche Bauindustrie aus Sub-Sahara-Afrika mit Ausnahme von Nigeria und Südafrika weitgehend zurückgezogen hat. In Lateinamerika konzentrieren sich die Aktivitäten derzeit auf Brasilien, Chile und Peru.
Etwa 95 % des Auftragseingangs und der Bauleistung werden heute über Tochter- und Beteiligungsgesellschaften im Ausland hereingeholt oder abgewickelt. Der traditionelle Auslandsbau, also die direkte grenzüberschreitende Bautätigkeit, beschränkt sich im Wesentlichen auf komplizierte Großprojekte. Allerdings ist der Übergang zwischen dem Bauexport- und dem Beteiligungsgeschäft fließend, da die Gründung einer Unternehmung im Zielmarkt auf Grund der lokalen Besonderheiten zwingend geboten sein kann, obgleich de facto ein Exportgeschäft besteht.
Mit der zum 1. Mai 2004 und 1. Januar 2007 vollzogenen Erweiterung der Europäischen Union um zwölf Staaten hat die EU eines der ehrgeizigsten Projekte ihres Integrationsprozesses in Angriff genommen. Infolge der Aufnahme von zehn mittel- und osteuropäischen Staaten sowie Malta und Zypern stieg die Zahl der EU-Mitgliedsstaaten um 80%, die Bevölkerung um 20 %, die Wirtschaftskraft jedoch nur um 8 %.
Die so genannte EU-Osterweiterung hat die Nachfrage nach moderner Verkehrsinfrastruktur sowie im Umweltsektor intensiviert und bietet somit gute Marktchancen für die deutsche Bauindustrie, insbesondere für leistungsfähige mittelständische Baufirmen. Der Hauptverband möchte den entsprechenden Informationsbedarf durch sein „Infoportal MOE“ abdecken und interessierten Mitgliedsverbänden und -unternehmen einen systematischen Überblick über die rechtlichen Rahmenbedingungen in den einzelnen Ländern zur Verfügung stellen.
Egänzende Links und Dokumente:
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Broschüre "Bauexport in die Nachbarstaaten: Branchenstruktur und Vergabepraxis"
Länderberichte zum Download:
Mitgliedsunternehmen können ein gedrucktes Exemplar der Broschüre kostenfrei bestellen. Bitte schicken Sie eine E-Mail an: nadja.teoharova@bauindustrie.de
