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Politische Flankierung

Die international aktiven deutschen Baufirmen bewegen sich in einem überaus schwierigen Umfeld. Trotz der weltweit großen Nachfrage nach Infrastruktur gibt es einen äußerst harten Wettbewerb gegen weltweite Konkurrenz. Die erzielbaren Margen stehen nur noch selten in einem vertretbaren Verhältnis zu den eingegangenen Risiken. Weltweit erteilen vor allem staatliche Auftraggeber immer wieder den Zuschlag auf ein unseriös kalkuliertes, niedriges Angebot, welches im Ergebnis die negative Konsequenz hat, dass die Bauleistung den vereinbarten Terminrahmen und/oder das beauftragte Budget überschreitet und/oder die geforderten Qualitätsanforderungen nicht erfüllt werden. Bei realistischer Bewertung der Gesamtkosten zum Zeitpunkt der Fertigstellung wäre das seriös kalkulierte, vermeintlich teure Angebot einer deutschen Baufirma die für den Kunden im Endeffekt preiswertere Lösung, da die Kosten für Nachbesserungen in der Regel deutlich höher sind als die Erstellungskosten der gleichen Qualität im laufenden Bauprozess. In einem seriösen Angebot sind die realen Erstellungskosten vollumfänglich abgebildet. 

Die deutsche Bundesregierung könnte die internationalen Aktivitäten der deutschen Bauindustrie durch die folgenden Maßnahmen unterstützen:

  • Bei den international hart umkämpften Großprojekten benötigt die deutsche Bauindustrie eine professionell koordinierte „Politische Flankierung aus einem Guss“;
  • Mit Blick auf die deutsche Außenwirtschaftsförderung fordert die deutsche Bauindustrie eine größere Bereitschaft des Bundes zur Absicherung der wirtschaftlichen und politischen Risiken in den Entwicklungsländern Afrikas, mehr Flexibilität in Bezug auf die Deckung von lokalen Kosten sowie ein wettbewerbsfähiges Instrument zur internationalen Projekt- und Exportfinanzierung;
  • Die deutsche Bauindustrie fordert ein stärkeres finanzielles Engagement der deutschen Entwicklungszusammenarbeit im Verkehrssektor. Mit einem Fördervolumen von lediglich 150 Mio. € im Transportsektor im Jahr 2013 für alle deutschen FZ-Partnerländer zusammen lassen sich keine für die Bauindustrie interessanten Projekte strukturieren. Soweit in anderen Infrastruktursektoren große Bauvorhaben durch die deutsche Entwicklungszusammenarbeit ausgeschrieben werden, plädiert die deutsche Bauindustrie für eine stärkere Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten bei internationalen Ausschreibungen.
  • Die Fördermittel aus den EU-Kohäsions- und Strukturfonds sollten an die einzelnen EU-Mitgliedsstaaten zukünftig nur unter der Voraussetzung abfließen können, dass die nationalen Vergabebehörden vor Ort faire und ausgewogene Bauvertragsbedingungen in den lokalen Ausschreibungen vorsehen. Dieser Grundsatz ist von der EU-Kommission und der EIB strikt zu kontrollieren und zu sanktionieren.
  • Im Bereich des öffentlichen Auftragswesens muss die Bundesregierung gemeinsam mit der Europäischen Kommission für mehr Symmetrie beim Marktzugang sorgen.