Technische Lösungen

Modul- bzw. Systembauweisen

Die qualitativ hochwertigen, aber dennoch kostengünstigen Wohneinheiten können maßgeblich zur schnellen Beseitigung von Engpässen bei der Erstunterbringung von Flüchtlingen in unseren Kommunen beitragen. Dies ist möglich, weil beim systematisierten Bauen Einzelelemente industriell vorgefertigt und anschließend auf der Baustelle montiert werden. Das sichert kurze Bauzeiten bei hoher Gebäudequalität. Eine spätere Nachnutzung der Unterkünfte, z. B. als Studentenwohnheim, ist möglich.

 

Fertigteilbauweisen

Auf längere Sicht könnte auch eine stärkere Nutzung von Wand- und Skelettbauweisen einen Beitrag zum kostengünstigen Bauen leisten. Voraussetzung dafür wären allerdings relativ große Serien, die auch über eine längere Zeit hinweg nachgefragt werden müssten.

 

Das „Kieler Modell“ stellte Helmut Knüpp, Vorstandsvorsitzender der Wankendorfer Baugenossenschaft für Schleswig-Holstein eG vor. Kennzeichen sei die sehr hohe Flexibilität in der Nutzung. Der Wohnraum wird so geplant, dass er sowohl für Familien als auch für Paare oder Einzelpersonen nutzbar ist. Gemeinschaftsflächen könnten ebenfalls dort eingerichtet werden. Auch in der Folgenutzung gibt es erhebliche Flexibilität in der Gestaltung der Wohneinheiten. Zudem kann der gesamte Baukörper an die städtebaulichen Gegebenheiten angepasst werden. Die Gebäude seien damit nachhaltig, wirtschaftlich und barrierefrei.

 

Dipl.-Ing. Klaus Pacher, Technischer Direktionsleiter NRW, Ed. Züblin AG, erläuterte den Ansatz seiner Unternehmung für den seriellen Wohnungsbau. Kosteneinsparungen seien laut Pacher vor allem durch die Optimierung der Planung und der Bauprozesse sowie durch die Hebung von Synergien zu erzielen. Dabei könnten durch Building Information Modeling (BIM) Bauprozesse durchgängig digitalisiert dargestellt und ein iterativer Verbesserungsprozess in Gang gesetzt werden. Die VOB stehe der integrativen Planung allerdings entgegen.

 

Den Lösungsansatz von Wolff & Müller stellte Dipl.-Ing. (FH) Steffen Schönfeld, Geschäftsführer der Wolff & Müller Partnering GmbH, vor. Es handele sich dabei um eine Tafelbauweise als Hybridkonstruktion. Dabei kämen Systemwandtafeln als Stahlbaukonstruktion oder Holzbauelemente zum Einsatz, die dann in standardisierte Gebäudegeometrien mit zentralem Treppenhaus eingefügt würden. Die Spannweiten könnten dabei optimiert werden, was die Nutzung flexibler mache. Die Produktion werde durch den Einsatz von BIM optimiert.

 

Max Bögl, Firmengruppe Max Bögl, erläuterte das maxmodul. Antrieb dieser Entwicklung sei die Arbeit auf der Baustelle gewesen: „Baustelle – das ist der Horror“, so Max Bögl. Diesem könne man nur entkommen durch die weitgehende Automatisierung des Bauprozesses, die Verlagerung der Bauleistung von der Baustelle ins Werk, die Prozesssicherheit und die Nutzung digitaler Werkzeuge. Dazu fertigt Bögl seine Wohnmodule auf „Linien“ an.

 

Dr. Mathias Duft, Goldbeck Ost GmbH, stellte ein Gebäudekonzept für temporäres Wohnen vor. Goldbeck habe dazu die Varianten Basis, Integration und Hybrid entwickelt. Grundlage aller Varianten sei das systematisierte Bauen mit industriell vorgefertigten Elementen. Duft forderte, dass die Ausschreibungen sowohl von privaten als auch öffentlichen Investoren die industrielle Bauweise auch vorsehen müssten. Zudem müssten Planung und Bauen aus einer Hand möglich sein.

 

Dr. Bernd Hunger, Kompetenzzentrum Großsiedlungen e.V., machte darauf aufmerksam, dass serielles Bauen kein neues Thema sei. Bereits in den 1920/1930er-Jahren habe es Großsiedlungen gegeben, wie etwa in Köln die Germaniasiedlung oder die Wohnstadt Carl Legien in Berlin. Schon damals habe es die Doppelstrategie gegeben: Typisierung und Optimierung der Bauprozesse. Der Wohnungsbau der Nachkriegsjahrzehnte habe vor dem Problem gestanden, eine große Anzahl an Menschen unterbringen zu müssen. Aus diesen Erfahrungen müsse man heute lernen, um die Fehler von damals zu vermeiden. Statt neue Stadtteile auf der grünen Wiese zu errichten, sei auch die Nachverdichtung und die Aufstockung ein gangbarer Weg. Hier sieht Hunger noch erheblichen Forschungsbedarf.

 

Alle Teilnehmer waren sich darin einig, dass nur durch die Optimierung der Planung und Prozesse und mehr Systembau bzw. Modularisierung der große Bedarf an Wohnraum gedeckt werden kann. Dipl.-Ing. Hans-Dieter Hegner, Ministerialrat BMUB (rechts zusammen mit Vizepräsident Marcus Becker), erläuterte den Investorenwettbewerb des Ministeriums, um die Entwicklung von Prototypen zu beschleunigen. Dabei sieht er die Landesbauordnungen als „größte Baustelle“.

 

Erforderlich wäre eine Typenprüfung für serielles Bauen auf Länderebene. Gedaschko pflichtete bei. Als Beispiel nannte er Bielefeld. Was dort möglich sei, gehe nicht in Gütersloh. Das behindere schnelle Prozesse massiv. Hilmar von Lojewski, Leiter Stadtentwicklung, Bauen, Wohnen und Verkehr, Deutscher Städtetag, wies darauf hin, dass Vorfertigung nicht gleich Planungsoptimierung sei, und forderte systemoffene Ausschreibungen. Becker bekräftigte, dass die deutsche Bauindustrie bereitstehe und diese Aufgabe zuverlässig erledigen könne.

 


Edmund von Thermann, GWG Städtische Wohnungsgesellschaft München mbH, stellte das Musterprojekt vor mit den Kernzielen: Wohnungsneubau (frei finanziert = keine Förderrichtlinien), konkret verortetes Beispielbauvorhaben mit Chance zur Wiederholung, Untersuchung auf erhebliche Kostenreduzierung und dadurch Mietenreduzierung = bezahlbare Miete unter 10 € pro m².

 


Wie sich durch den gemeinsamen Einkauf von Wohnungen in Typenhäusern durch mehrere wohnungswirtschaftliche Unternehmen bis 25 % der Kosten sparen lassen, erläuterte Jonas Högset, SABO – Schwedischer Verband der kommunalen Wohnungsunternehmen.

 

 

M. Eng. Jan Peter Hinrichs, Geschäftsführer Fraunhofer-Allianz Bau – Fraunhofer-Institut für Bauphysik (IBP), stellte die Entwicklung eines Systembaukastens für den industrialisierten sozialen Wohnungsbau vor. Hierbei handelt es sich um ein Forschungsprojekt mit Unterstützung durch das Förderprogramm „Zukunft Bau“. Es sieht die Nutzung vollständig digitalisierter Prozesse über den gesamten Lösungsweg vor.

 


Zur Prozessoptimierung, Vorfertigung und Serienbauweise referierte Dr.-Ing. Barbara Janorschke, IAB Institut für Angewandte Bauforschung Weimar. Ihr Fazit: kostengünstiges Bauen ist durch verbesserte Verfahren und Prozesse mit industrieller Fertigung realisierbar.

 
 

Dipl.-Ing. Helmuth Caesar, Technischer Geschäftsführer Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft mbH, stellte das Konzept für Systembauweise für Flüchtlinge vor (Beispiele: Stuttgart-Plieningen, Stuttgart-Münster) und formulierte die Erwartungen an Politik und Bauindustrie.
 

 


Dipl.-Ing. Joachim Brenncke, Vizepräsident Bundesarchitektenkammer
: „Serieller Wohnungsbau ist keine neue Erscheinung: Es waren Architekten, die vor dem Hintergrund akuter Wohnungsnot hierzu innovative Beiträge geleistet haben.“

 


Sebastian Merkle, Geschäftsführender Vorstand Familienheim Schwarzwald-Baar-Heuberg eG
, erläuterte das Konzept der „Mikrolofts“.