SOKA-Bau Praktikertagung

Es gibt nicht nur die eine Lösung

„Es gibt nicht die eine Lösung bei den Rentenproblemen. Gearbeitet werden muss an allen Säulen des Rentensystems.“ Dies war das Fazit von Dipl.-oec. Andreas Schmieg, Vizepräsident des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, auf der Praktikertagung der SOKA am 8. Oktober in Wiesbaden. Unter dem Titel „Brückenbauer in die Zukunft – die tarifliche Altersversorgung der Bauwirtschaft“ diskutierten mehr als 100 Gäste aus der Bauwirtschaft, der Tarifvertragsparteien und der Politik. Gregor Asshoff, Vorstandsmitglied von SOKA-BAU, betonte, dass es ein Anliegen der Tarifvertragsparteien war, mit der Reform Stabilität gegen demographische Entwicklungen in der zusätzlichen Altersversorgung zu erreichen.

Dietmar Schäfers, Stellvertretender Bundesvorsitzender der IG BAU, und Harald Schröer, Stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbes, betonte, dass im neuen System mit deutlich höheren Rentenansprüchen zu rechnen sei. Schröer wies auf Studienergebnisse hin, die zeigen, dass die Altersvorsorge für Jugendliche zunehmend ein Auswahlkriterium bei der Jobwahl ist.

Sabine Holzem von der Johann Augel Bauunternehmung GmbH sowie Thomas Schmidt von der W. Markgraf GmbH & Co KG berichteten anschließend von ihren praktischen Erfahrungen mit der betrieblichen Altersvorsorge. Danach sei es oft auch eine Frage des Lohnniveaus, ob Arbeitnehmer sich für eine zusätzliche Altersvorsorge entscheiden würden. Dr. Ralf Himmelreicher von der Freien Universität Berlin berichtete von der Zunahme von Erwerbsminderungsrenten. Dabei zeigten Forschungsergebnisse, dass psychische Erkrankungen als Erwerbsminderungsgrund – im Gegensatz zu somatischen Erkrankungen – nicht mit Wirtschaftsfaktoren zu erklären und im gesamten Bundesgebiet verbreitet seien. Das Risiko der Erwerbsunfähigkeit werde von den Arbeitnehmern zudem systematisch unterschätzt.

Florian Swyter von der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände stellte in seinem Vortrag europa- und bundespolitische Initiativen zur betrieblichen Altersversorgung vor, die anschließend von Jean-Baptiste Abel vom Deutschen Gewerkschaftsbund kommentiert wurden. Beide äußerten ähnliche Kritik an der EU-Pensionsfondrichtlinie. Der BMAS-Vorschlag „Sozialpartnermodell Betriebsrente“ wurde allerdings unterschiedlich bewertet, insbesondere was die geplante Abkehr von der Einstandspflicht der Arbeitgeber bei der betrieblichen Altersvorsorge angeht.