Die BFA Leitungsbau bezieht Position
Bestandserhaltung deutscher Leitungsnetze: Investitionen in Höhe von 13, 4 Milliarden € jährlich erforderlich
"Nur mit jährlichen Investitionen in Höhe von mindestens 13,4 Milliarden Euro kann die Funktionsfähigkeit der deutschen Leitungsnetze (Abwasser, Wasser, Gas, Fernwärme, Strom, Kommunikation) mittelfristig erhalten werden." Dipl.-Ing. Ewald Weber, Vorsitzender der BFA Leitungsbau der deutschen Bauindustrie, lässt keinen Zweifel daran, dass auch bei deutschen Leitungsnetzen erhebliche Anstregnungen notwendig sind, will man "amerikanische Verhältnisse" vermeiden. Es geht jedoch nicht nur um die Sicherheit der neuralgischen Energieversorgung in Form von Gas, Strom oder Fernwärme. Drastische Trinkwasserverluste, wie z.B. in London oder Leckagen in Kanälen haben auch eine ökologische Dimension.
Die Stromausfälle, Leitungszusammenbrüche oder Leitungsexplosionen im Ausland haben auch in Deutschland zu einer stärkeren Wahrnehmung der Bedeutung funktionierender Leitungsinfrastruktur geführt. Diese - im Gegensatz zu Straßen - "unsichtbare" Infrastruktur trägt auch entscheidend zur internationalen Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands bei.
Unterlassene Investitionen an den 1,9 Millionen Kilometern Leitungen und Kanälen sowie 1,5 Millionen Kilometern Kabeln, die Deutschlands Untergrund durchziehen, kämen einer gigantischen Kapitalvernichtung gleich. Zur Zeit gelten z.B. rund 20 Prozent der öffentlichen und 30 Prozent der privaten Kanäle sanierungsbedürftig - insgesamt 660.000 Kilometer. Das Problem scheint in den Kommunen erkannt zu sein - allein es fehlt an konkreter Abhilfe.
Investitionsmittel vorhanden
Denn bliebe es beim heutigen Investitionsvolumen, so müssten die Kanäle mindestens 150 Jahre den immer weiter steigenden Belastungen (insbesondere aus den über Ihnen hinwegfließenden Verkehrslasten) standhalten. Tatsächlich liegt die Lebensdauer von Kanälen bei max. 80 Jahren. Fehlende Finanzmittel sind nicht die Ursache für die schleppende Kanalsanierung, da Abwassergebühren in ausreichender Höhe eingenommen werden. Allerdings wurden diese Gebühren über einen längeren Zeitraum zweckentfremdet, um kommunale Haushaltslöcher zu stopfen. Angesichts der zu beobachtenden Erholung der kommunalen Finanzsituation - aber auch mit Blick auf die Neubewertung des kommunalen Vermögens im Rahmen der Gemeindefinanzreform - ist es höchste Zeit, die Einnahmen aus den Abwassergebühren zügig und zweckgebunden einzusetzen.
Ein ähnliches Bild bietet sich bei Wasserversorgungsleitungen. Seit Beginn des neuen Jahrtausends sind die Investitionen in den Erhalt der Netze stark zurückgegangen. Drei Milliarden Euro jährlichem Investitionsbedarf standen in den letzten Jahren Investitionen von 2,3 Milliarden Euro gegenüber. Auch bei den Elektrokabeln sanken die Investitionen kontinuierlich, von 2,2 Milliarden Euro (2002) auf 1,7 Milliarden Euro (erwartet 2007). Unklar ist die Situation im Bereich der Gas- und Stromversorgung. Unter dem Eindruck der staatlichen Regulierung und einer 2008 greifenden "Anreizregulierung" mit jährlich abzusenkenden Entgelten halten sich die Leitungsbetreiber bei Investitionen spürbar zurück. Aber: 320.000 Kilometer Gasleitungen müssen irgendwann erhalten werden.
"Es geht nicht darum, irgend jemandem den 'Schwarzen Peter' zuzuschieben", betont auch Ewald Weber, Vorsitzender der BFA Leitungsbau. Politik, Netzbesitzer und -betreiber sowie Leitungsbauunternehmen müssen vielmehr an einem Strang ziehen, um die Funktionsfähigkeit der Leitungsinfrastruktur langfristig zu sichern.
Wie nie zuvor kann man in Deutschland auf technische Spitzenleistungen bei Leitungsneubau und bei der -instandhaltung zurückgreifen. Diese Leistungsfähigkeit und Qualität muss jedoch endlich abgerufen werden.
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