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Umwelt

Deponiebewirtschaftung und Kreislaufwirtschaft

Zwischen Deponiebewirtschaftung und Zero-Waste-Programm

"Die Tatsache, dass wir auf ein Entsorgungsproblem zusteuern und hier eine langfristige Planung erforderlich ist, muss dringend bis in die Kommunen hineingetragen werden. Vor dem Hintergrund zunehmender Widerstände gegen neuen Deponieraum brauchen die Verantwortlichen für die Planung und in Genehmigungsverfahren von Deponien unterstützende politische Signale auf nationaler und europäischer Ebene."
Diesen Appell richtete der Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes, RA Michael Knipper, im Rahmen einer Tagung mit dem BDE Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft an die Politik. Unter dem Motto "Zwischen Deponie-Engpass und Zero-Waste-Programm - Perspektiven der Deponiebewirtschaftung in Deutschland" diskutierte die Bau- und Entsorgungswirtschaft am 29.04.2015 in Berlin gemeinsam mit Vertretern aus Bundes- und Landesministerien, der Bau-, Abbruch- und Recyclingwirtschaft sowie nationalen und europäischen Verbänden die Perspektiven der Deponiebewirtschaftung in Deutschland. Mit Blick auf die anstehenden Gesetzesvorhaben ergänzend zur Mantelverordnung und Gewerbeabfallverordnung fügte er hinzu: "Die Bauwirtschaft braucht angemessene und praxisorientierte Rahmenbedingungen und Regelungen, um die Erfolgsgeschichte "Kreislaufwirtschaft Bau" fortzuschreiben."
Der BDE-Präsident Peter Kurth wies darauf hin, dass eine Halbierung der derzeit erreichten Verwertungsquoten von über 90 Prozent bei den mineralischen Bauabfällen in Zukunft nicht auszuschließen sei. Er wies weiter auf eine unzureichende Bedarfsplanung und -Umsetzung bezüglich Deponien, fehlenden rechtlichen Regelungen und regionalen Engpässen hin, die dazu führten, dass immer mehr Boden und Bauschutt deponiert werden müsse.
Dr. Karl Biedermann vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) bestätigte in seinem Vortrag, dass die Deponien ein unbedingt notwendiger Bestandteil der deutschen Kreislaufwirtschaft seien.
Am Beispiel Niedersachsens wurden durch Baudirektor Gunther Weyer vom Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz des Landes Niedersachsen die Ergebnisse einer Deponiebedarfsanalyse und ableitbare Handlungsoptionen vorgestellt. Das Land Niedersachsen habe Deponie-Engpässe erkannt und bereits wichtige Schritte zur Abhilfe eingeleitet. Letzlich hänge es nun davon ab, laufende Zulassungsverfahren auch bis zum Ende zu führen.
Für das Land Baden-Württemberg stellte Klaus Nagel die Existenz ausreichender Deponiekapazitäten fest.
In der anschließenden Diskussion wurde seitens der Bauwirtschaft Baden-Württembergs jedoch auf aktuelle Problemstellungen hingewiesen, die sich insbesondere im regionalen Bereich drastisch auswirken.
Dipl.-Geol. Thomas Paetzold, Wayss & Freytag Ingenieurbau AG und Vorsitzender des Umweltausschusses des Hauptverbandes, wies darauf hin, dass es für die Unternehmen immer schwieriger werde, geeignete Verwertungs- und Beseitigungsmöglichkeiten für Bauschutt- und Bodengemische zu finden. Er zitierte Ergebnisse einer aktuellen Umfrage des Hauptverbandes und des Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbes unter rund 100 Bauunternehmen. Rund 80 Prozent aller Befragten hätten demnach angegeben, dass sich der Aufwand, eine geeignete Entsorgungsmöglichkeit zu finden, deutlich erhöht habe. Zudem seien die Transportwege zu den Deponien länger geworden. Die Folgen seien höhere Kosten für den Kunden und mehr klimaschädliche CO2-Emissionen. Weiterhin belegten die Ergebnisse der Umfrage, dass es bereits heute erhebliche Entsorgungsengpässe bei mineralischen Bauabfällen gebe. Aus volkswirtschaftlicher Sicht müsse es der Wille des Gesetzgebers sein, dass das Bauen und die Organisation des Bauens weiter den Kernaufwand der Branche ausmachen müssten und nicht Verwertung und Beseitigung. "Jeder Euro, der zusätzlich in die Verwertung oder Beseitigung fließt, steht nicht für das Bauen an sich zur Verfügung", so Thomas Paetzold.
In der Podiumsdiskussion unter Moderation von Thomas Paetzold richteten sich Dr. Joachim Köhrich, Hafemeister Erd- und Tiefbau GmbH, und Lys Birgit Zorn, Buhck Umwelt Services GmbH & Co. KG, an die Vertreter der Landesregierungen Niedersachsens und Brandenburgs, vertreten durch Dr. Ulrich Stock vom Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz Brandenburg. Köhrich stellte heraus, dass sich die Unternehmen täglich mit der Frage konfrontiert sehen, wohin mit den Abfällen. Dies sei zunehmend schwieriger zu beantworten. Von der Politik werde dringend Unterstützung erwartet. Eine Vertröstung auf die Verantwortlichkeiten der jeweils niedrigeren Ebene sei in der Praxis nicht vermittelbar. Seitens der Vertreter der Landesregierungen wurde deutlich, dass der Druck der Bau- und Entsorgungswirtschaft deutlich größer werden müsse.
Abschließend erklärte BDE-Präsident Kurth, dass die Ausweitung der Deponiekapazitäten für gering und mäßig belasteten Bauschutt in Deutschland dringend auf der Agenda stehen müsse. Die Bau- und Entsorgungswirtschaft sollte in diesem Bereich weiterhin aktiv zusammen agieren.

Deutlich mehr Aufwand bei der Entsorgung mineralischer Bauabfälle

Eine Umfrage des Hauptverbandes und des Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbes unter rund 100 Bauunternehmen belegt eine deutliche Steigerung des Entsorgungsaufwands bei mineralischen Bauabfällen. 82 bzw. 66 Prozent der Befragten gaben an, dass sich der Aufwand erhöht habe, eine geeignete Verwertungs- bzw. Beseitigungsmöglichkeit für mineralische Bauabfälle zu finden.
78 Prozent der Befragten stellten eine Zunahme des Transportaufwands fest. Davon gaben 39 Prozent an, dass sie gegenüber dem Basisjahr 2009 längere Transportwege von über 50 Kilometern hätten, 27 Prozent müssten sogar mehr als 100 Kilometer zusätzlich fahren. In der Folge entstünden den Unternehmen um ca. 40 Prozent höhere Aufwendungen für den Transport und der Umwelt erhebliche Mehrbelastungen durch klimaschädliche CO2-Emissionen.
Auch die Aufwendungen der Unternehmen für das betriebliche Abfallmanagement sind laut Umfrage für 70 Prozent der Unternehmen deutlich angestiegen. Als häufigste Gründe gaben die Unternehmen Probleme mit der Analytik und Probenahme an, in deren Folge auch Änderungen der Baustellenlogistik, die Suche nach Zwischenlagerungsmöglichkeiten und die Findung eines neuen Entsorgungsweges erforderlich würden. 39 Prozent der Befragten gaben hier als weitere Ursache mangelnde Planungsleistungen des Auftraggebers an.
Insgesamt zeigte sich, dass sich das Verhältnis des Entsorgungsaufwands zu erbrachter Bauleistung im Beurteilungszeitraum verdoppelt hat und von den Unternehmen nunmehr mit ca. 20 Prozent eingeschätzt wird.

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