Geothermie eine heiße Aufgabe für die Bauindustrie

Geothermie (oder Erdwärme) und Umweltwärme sind sogenannte grundlastfähige erneuerbare Energiequellen, die in fast ganz Deutschland genutzt werden können. Während die Umweltwärme der Umbebungsluft mittels Wärmepumpen entzogen und in die Wärmeversorgung eingespeist wird, nutzt die Geothermie die im Grundwasser oder im Erdinneren gespeicherte Wärme in unterschiedlichen Tiefen. In Mitteleuropa nimmt die Temperatur um etwa 3 Grad Celsius pro 100 Meter Tiefe zu. Umweltwärme und Geothermie werden inzwischen in vielen Haushalten zur Wärmeversorgung genutzt. Darüber hinaus tragen auch geothermische Kraftwerke zur Stromerzeugung bei, wenn auch bislang nur in geringem Umfang.

Bei der oberflächennahen Geothermie wird die Erdwärme aus Tiefen bis 400 Metern mit Hilfe von Wärmepumpen zur Wärmeversorgung eingesetzt. Zunehmend werden Wärmepumpen auch zur Kühlung von Gebäuden verwendet und die überschüssige Wärme in der Erde für den Winter gespeichert. In Deutschland gibt es zurzeit ungefähr 150.000 Gewerbe- und Wohngebäude, die mit oberflächennahen Geothermiesystemen versorgt werden.

 

Auch Tiefe Geothermie (> 400 m) wird in Deutschland bisher vor allem zur Wärmeversorgung genutzt. 2008 waren 130 MW Wärmeleistung in Deutschland installiert. Der Ausbau der Tiefen Geothermie zur Stromerzeugung kam bislang nur sehr langsam voran. Die ersten größeren Projekte sind Ende 2007/Anfang 2008 ans Netz gegangen. Danach ist aktuell eine elektrische Leistung von etwa 7 MW installiert, diese trägt jährlich 150 Mio. Kilowattstunden zur Stromversorgung bei. Wirtschaftlich interessant für die geothermische Stromerzeugung sind insbesondere die Bereiche in Deutschland, deren geologische Formationen Schichten mit heißem Wasserangebot führen. Sie finden sich vor allem in der oberrheinischen Tiefebene, im süddeutschen Molassegebiet und in der norddeutschen Tiefebene.

Weisen die tief liegenden Wärmereservoire keine oder nur eine sehr geringe Wasserführung auf, können petrothermale Techniken eingesetzt werden. Dabei wird die hohe Temperatur des Gesteins mit Hilfe wärmeleitender Medien genutzt. Im Einsatz petrothermaler Systeme liegt mit etwa 90 Prozent der Hauptteil des Potenzials zur geothermischen Stromerzeugung in Deutschland. Die installierte Leistung im Strombereich wird sich nach der Prognose der Erneuerbaren-Branche bis zum Jahr 2020 vervielfachen und auf über 600 MW ansteigen. Die erzeugte Strommenge wird dann knapp 4 Mrd. Kilowattstunden betragen.