Fratzscher-Kommission

Der Bundesminister für Wirtschaft und Energie Sigmar Gabriel hat am 28. August 2014 eine externe Expertenkommission zum Thema „Stärkung von Investitionen in Deutschland“ (Fratzscher-Kommission) eingesetzt. Die Kommission stand unter Leitung des Präsidenten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung Prof. Marcel Fratzscher. Aufgabe der Kommission war die Entwicklung einer Strategie, wie der relativ schwachen Investitionsentwicklung in Deutschland entgegengewirkt werden kann. Für BM Gabriel ist klar, dass Deutschland eine höhere Investitionsdynamik brauche – und zwar nicht nur im privaten Unternehmenssektor, sondern auch im Bereich der öffentlichen Infrastruktur. 

Am 21. April 2015 hat die sog. Fratzscher-Kommission ihren Abschlussbericht im Rahmen eines BMWi-Investitionskongresses in Berlin vorgestellt und an Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel übergeben. 

In ihrer Bestandsaufnahme zur Lage der privaten und öffentlichen Investitionen in Deutschland hat die Expertenkommission eine jährliche Investitionslücke von 90 bis 100 Mrd. Euro in Deutschland festgestellt. Um diese Investitionslücke zu schließen, hat die Kommission in einem 10-Punkte-Plan die folgenden Handlungsempfehlungen entwickelt:

  1. Stärkere Selbstbindung des Staates zugunsten von Investitionen Investitionen mindestens in Höhe der Abschreibungen. Primäre Verwendung der Haushaltsüberschüsse für Investitionen.
  2. Nationaler Investitionspakt für Kommunen (NIK): 15 Mrd. Euro für drei Jahre
  3. Stärkung der Handlungsfähigkeit strukturschwacher Kommunen Schaffung einer von Bund und Ländern getragenen „Infrastrukturgesellschaft für Kommunen“ (IfK), Aufgabe: Beratung. Prüfung von „Öffentlichen Kooperationen“ (ÖfK).
  4. Mobilisierung zusätzlicher privater Finanzierung Prüfung von „Öffentlichen Infrastrukturfonds“. Prüfung von „Bürgerfonds“/Förderung der Anlagen durch Vermögensbildungsgesetz (Arbeitnehmersparzulage).
  5. Gründung einer Verkehrsinfrastrukturgesellschaft für Bundesfernstraßen: Bau, Instandhaltung und Betrieb der Bundesfernstraßen „aus einer Hand“ nach dem Lebenszyklusansatz. Finanzierung überwiegend oder ausschließlich aus Nutzungsentgelten, ohne Mehrbelastung der PKW-Nutzerinnen und –N utzer. Eigene Kreditaufnahmekapazität ohne staatliche Garantie, um eine klare Abgrenzung zum Staatssektor zu gewährleisten. Wahrung der öffentlichen Kontrolle, insbesondere keine „ Privatisierung“ der Bundesfernstraßen in jeglicher Form.
  6. Bessere Rahmenbedingungen für private Investitionen: Aus- und Weiterbildung, etc.
  7. Aktivere Innovationspolitik: Steuerliche FuE-Förderung, Erleichterung von Unternehmensgründungen, etc.
  8. Digitale Infrastruktur: Investitionen in Breitbandnetze
  9. Energie: Investitionen in Netze, Erzeugung, etc. (31 bis 38 Mrd. Euro jährlich)
  10. Europa: dauerhafte Einrichtung des Juncker-Plans / Europäischer Investitionsplan

Den gesamten 10-Punkte-Plan sowie den Endbericht der Expertenkommission finden Sie unter dem folgenden Link, hier

Versicherungswirtschaft und Bauindustrie nehmen Stellung zur privaten Infrastrukturfinanzierung

In einem gemeinsamen Positionspapier sprechen sich der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) und der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) dafür aus, die Möglichkeiten zur Einbindung privaten Kapitals und Know-how zum Abbau des öffentlichen Investitionsstaus besser auszuschöpfen. Deshalb sollte künftig vor jedem Bauvorhaben eine verpflichtende, objektive Wirtschaftlichkeitsuntersuchung durchgeführt werden. Dadurch werde nicht nur die wirtschaftlichste Umsetzungsform für die öffentliche Hand identifiziert, sondern auch die Voraussetzung geschaffen, Modelle unter Beteiligung privater Investoren fair mit einer Umsetzung in öffentlicher Eigenregie zu vergleichen.

GDV und HDB begrüßen zudem die von der Fratzscher-Kommission angeregte Gründung einer Bundesfernstraßengesellschaft, die nach Ansicht der Verbände viele Vorteile bietet. Dazu zählen die zentrale Ausführungs- und Finanzierungsverantwortung und die Schaffung eines Finanzierungskreislaufs per Maut. Diese käme zweckgebunden dem Ausbau, Erhalt und Betrieb der Autobahnen zugute, zugleich würden damit die Einnahmen verstetigt.