Bezahlbar bauen - Ersatzneubau fördern

 

Ein großer Teil der Bestandsgebäude in Deutschland ist unter baulichen Gesichtspunkten zwar sanierungsbedürftig aber unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten nicht sanierungsfähig. Betrachtet man allein den energetisch sanierungsbedürftigen Bestand, ist festzustellen, dass es sich überwiegend um Gebäude aus den 50er bis 70er Jahren handelt.

Diese Gebäude weisen neben unzureichender Energieeffizienz weitere, strukturelle Defizite auf:

  • die Grundrisse / Zuschnitte sind nicht zeitgemäß;
  • der Schallschutz entspricht nicht annähernd heutigen Standards;
  • die bauphysikalischen Eigenschaften entsprechen nicht den Regeln der Technik;
  • die Technische Gebäudeausrüstung ist auf einen deutlich einfacheren Standard ausgerichtet;
  • baubiologische Aspekte spielten zur Zeit der Erstellung kaum eine Rolle;
  • Barrierearmut oder gar -freiheit sind so gut wie nicht gegeben;
  • die städtebaulichen Strukturen entsprechen oft nicht heutigen Anforderungen;
  • das Maß der zulässigen baulichen Nutzung der Grundstücke ist häufig nicht ausgeschöpft.

Selbst wenn eine rein energetische Sanierung in einem überschaubaren Zeitrahmen rentabel wäre, würden die Gebäude weiterhin die genannten Defizite aufweisen, die einen wirtschaftlichen Betrieb in Frage stellten. Um die Gebäude auf einen annähernd zeitgemäßen und damit wirtschaftlich nutzbaren Standard zu bringen, wäre eine Komplettsanierung inkl. Modernisierung und generationengerechtem Umbau erforderlich. Sofern technisch überhaupt möglich, stellt sich aus wirtschaftlicher Sicht die Frage, ob dies eine sinnvolle Investition ist. Denn auch nach einer Komplettsanierung sind die Grundrisse/Zuschnitte, die städtebaulichen Strukturen und das Maß der baulichen Nutzung noch immer defizitär.

Im Vergleich liegen die Kosten für eine Komplettsanierung inkl. Modernisierung in aller Regel mindestens auf gleicher Höhe mit denen für Abriss und Neubau. Mit einem Neubau könnten allerdings die o. g. Defizite ausgeglichen werden.

Forderung der deutschen Bauwirtschaft:

  • Um die Ziele der Energiewende und insbesondere im Wohngebäudebereich auch der Wirtschaftlichkeit zu bezahlbaren Mieten zu erreichen, muss der Ersatzneubau als Variante der energetischen Sanierung gleichrangig gefördert werden Dies gilt insbesondere in Bezug auf den Wohnungsbau: Hier ist zusätzlich die lineare AfA von 2 % auf 4 % auch für den Ersatzneubauten zu verdoppeln. 
  • Bei über die EnEV-Anforderungen hinausgehend energieeffizientem und altengerechtem Neubau sowie bei entsprechenden Bestandsmaßnahmen soll die AfA auf 8 % in den ersten 8 Jahren erhöht werden.