Hermes auf den Bau zuschneiden

Die unter dem Begriff „Hermesdeckung“ bekannte staatliche Exportkreditversicherung bleibt für die Akquisition von Bauprojekten in den risikoreichen Baumärkten der Schwellen- und Entwicklungsländer eine unerlässliche Unterstützung. Da diese jedoch in erster Linie auf die den Absicherungsbedarf des Warenexportgeschäfts zugeschnitten ist, muss darauf geachtet werden, dass den Besonderheiten des Bauexportgeschäfts weiter Rechnung getragen und dass dieses Instrument der Exportförderung weiter entwickelt wird.

Forderungen:

  • Mit Blick auf Afrika sollte der Bewertungsmaßstab hinsichtlich der „risikomäßigen Vertretbarkeit“ der/s in Frage stehenden Exportgeschäfts bzw. Direktinvestition ausgeweitet werden und auch Kriterien der Entwicklungszusammenarbeit einbeziehen. Darüber hinaus sollten positive Entwicklungen und Prognosen hinsichtlich afrikanischer Länder stärker in die allgemeine Deckungspolitik mit einfließen.
  • Auch bei Bauprojekten, die ein größeres Volumen als 10 Mio. Euro aufweisen, sollten Bürgschafts-Entscheidungen schneller und flexibler realisiert werden.
  • Nachdem die Bundesregierung grundsätzlich die Voraussetzung für die Erteilung von Hermesdeckungen auch für Tochter- und Beteiligungsgesellschaften geschaffen hat, muss das Kriterium der „hinreichenden Steuerungsfähigkeit“ des verbundenen Unternehmens flexibel ausgelegt werden und für den Bereich der Bauwirtschaft grundsätzlich auch Minderheitsgesellschaften und bestimmte Formen der Arbeitsgemeinschaften umfassen.
  • Die international geltenden Restriktionen bezüglich der Einbeziehung „örtlicher Kosten“ in die Deckung müssen aufgehoben und durch branchendifferenzierte Lösungen auf nationaler Ebene ersetzt werden. Es ist nicht nachvollziehbar, dass auf der einen Seite berechtigterweise Nachhaltigkeit gefordert wird und auf der anderen Seite Waren, Personal und Dienstleistungen in Deutschland eingekauft werden müssen, um eine ausreichende nationale Wertschöpfung nachzuweisen. Auf Grund der Kostenstruktur der lokalen und auch der internationalen Wettbewerber, vor allem aus den Nicht-OECD-Staaten, verbietet es sich heute von selbst, bei internationalen Ausschreibungen deutsche Lohn- und Geschäftskosten in größerem Umfang einzukalkulieren, da eine solche Preisstellung im harten internationalen Wettbewerb chancenlos ist. Diese Marktrealität muss von den Mandataren berücksichtigt werden.