Wohnungsbau ausweiten

Seit dem Tiefpunkt im Jahr 2009 (159.000 Einheiten) hat die Zahl der fertiggestellten Wohnungen deutlich zugenommen, 2016 wurden immerhin 280.000 Wohnungen fertiggestellt, davon 250.000 im Neubau. Vor allem der dringend notwendige Neubau von Wohnungen in Mehrfamilienhäusern hat zugelegt; hier war zwischen 2009 und 2016 sogar eine Zunahme der Fertigstellungszahlen um 150 % auf rund 130.000 Wohnungen zu verzeichnen.

Dies reicht allerdings nicht aus. Mittelfristig müssen in Deutschland jährlich mindestens 350.000 Wohnungen zusätzlich an den Markt kommen, um die Nachfrage zu decken.

Unsere Forderungen:

  • Um dem Mietwohnungsbau, vor allem in den Ballungsgebieten, deutlichere Impulse zu geben, ist eine Erhöhung der linearen AfA auf mindestens 3, besser 4 % notwendig.
  • Die fortlaufende Verteuerung des Wohnungsneubaus durch die Energieeinsparverordnung muss gestoppt werden. Eine weitere Verschärfung der Standards über die aktuelle EnEV 2014 hinaus darf es nicht geben.
  • Die andauernde Erhöhung der Grunderwerbsteuersätze durch die Bundesländer von einstmals 3,5 % auf in der Spitze bis zu 6,5 % (Stand: Januar 2017) muss gestoppt werden. Weitere Erhöhungen zu Lasten des Wohnungsneubaus darf es nicht geben.
  • Die mittlerweile für viele Gebiete eingeführte Mietpreisbremse ist geeignet, den dringend notwendigen Wohnungsneubau auszubremsen. Sie muss daher strikt auf fünf Jahre begrenzt bleiben, gleichzeitig müssen in den betroffenen Kommunen Maßnahmen zur Behebung des Wohnungsmangels ergriffen werden.
  • In den Ballungsgebieten und ihrem Umland kommen derzeit vor allem höherpreisige Wohnungen an den Markt. Politik, Immobilien- und Bauwirtschaft müssen daher geeignete Maßnahmen ergreifen, um die Investitionskosten im Wohnungsbau zu reduzieren und neue Mietwohnungen damit für breite Bevölkerungskreise erschwinglich zu machen.

Um die Klimaschutzziele der Bundesregierung zu erreichen, ist eine durchgehende energetische Sanierung des Wohnungsbestandes in Deutschland unabdingbar. Darüber hinaus muss der Wohnungsbestand aber auch an die Bedürfnisse einer alternden Gesellschaft angepasst werden. Das bedeutet für die Wohnungen und ihr Umfeld die Herstellung von Barrierefreiheit, zumindest aber Barrierearmut.

Unsere Forderungen:

  • Die Zuschüsse des Bundes an die Kreditanstalt für Wiederaufbau für das CO2-Gebäudesanierungsprogramm sind auf mindestens 2,5 Mrd. Euro per Anno zu erhöhen und auf diesem Niveau zu verstetigen.
  • Für die steuerliche Förderung der energetischen Gebäudesanierung im selbstgenutzten Wohneigentum muss ein neuer Anlauf unternommen werden. Nur so lassen sich in dieser Zielgruppe ausreichend Investitionen anstoßen.
  • Eine Fülle von Geschoßwohnungen aus den 1950er und 60erJahren ist wirtschaftlich nicht sanierungswürdig. Ein Ersatzneubau an gleicher Stelle muss in der KfW-Förderung sowie bauordnungsrechtlich durch eine Anpassung des Baugesetzbuches einer Vollsanierung gleichgestellt werden.
  • Wie auch im Neubau darf es für Bestandsmaßnahmen keine weitere Verschärfung über die aktuellen EnEV-Standards hinaus geben.
  • Das KfW-Programm „Altersgerechter Umbau“ muss mindestens auf einem Niveau von 100 Mio. Euro pro Jahr aus Haushaltsmitteln des Bundes gefördert werden.

Altersgerechter Umbau

In mehr als 30 % der deutschen Haushalte - mit zunehmender Tendenz - leben Personen, die 65 Jahre oder älter sind. Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes wird der Anteil der über 65-Jährigen an der Bevölkerung von 23 % in 2010 auf 33 % in 2050 steigen.

Nur ca. 5 % aller Altershaushalte leben in Wohnungen (ca. 550.000), die barrierearm nutzbar sind. Angesichts der Zunahme der älteren Bevölkerung wird der Mangel an barrierearmen Wohnungen zunehmend größer werden.

Aufgrund des demografischen und sozialen Wandels muss neben dem Gebäudebestand auch der öffentliche Raum in Deutschland den Bedürfnissen einer alternden Bevölkerung angepasst werden. Gleichzeitig geht es darum, ein kinder- und familienfreundliches Umfeld zu schaffen. Im Rahmen der Verkehrsberuhigung ist die Verkehrsbelastung zu minimieren. Barrierefreie Einstiegmöglichkeiten im öffentlichen Nahverkehr sind zu schaffen.

Forderung der deutschen Bauwirtschaft:

  • Die baulichen Anpassungen des Wohnungsbestandes an eine alternde Gesellschaft müssen neben der energetischen Sanierung als gleichberechtigtes Ziel der Wohnungsbaupolitik anerkannt werden. Daher müssen Fördermittel für den Städtebau insgesamt im Umfang von 650 bis 700 Mio. € jährlich dauerhaft bereitgestellt werden.