Arbeitsmarktumfrage: Bauarbeitnehmer fühlen sich ihrem Arbeitgeber verbunden

Fast 90 % der im Rahmen einer Umfrage von Ernst & Young im März dieses Jahres befragten Arbeitnehmer in der Bauwirtschaft fühlen sich ihrem Arbeitgeber verbunden, deutlich mehr als im gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt (82 %). Entsprechend wenige suchen einen neuen Job (2 %). 

In Zeiten von Arbeitskräftemangel ist es eine beruhigende Information, dass sich der überwiegende Teil der Arbeitnehmer in der Bauwirtschaft ihrem Arbeitgeber verbunden fühlt. Immerhin gaben dies 89 % der befragten Baubeschäftigten an, das war deutlich mehr als vor zwei Jahren (80 %) und mehr als im gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt (82 %). Dies ergab eine Umfrage von Ernst & Young, die im März 2017 unter 1.400 Arbeitnehmern in Deutschland durchgeführt wurde. Aus der Bauwirtschaft haben zwar nur 72 Beschäftigte teilgenommen, trotzdem macht es Sinn, sich die Ergebnisse einmal genauer anzuschauen.
 


 

Von den 89 % der befragten Bauunternehmen, die sich ihrem Arbeitgeber verbunden fühlen, gab der weitaus größere Teil sogar an, sich sehr eng verbunden zu fühlen: Dies waren 55 % der Befragten, deutlich mehr als 2015 mit 16 % und auch deutlich mehr als im gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt (34 %). Damit steht die Bauwirtschaft im Ranking der Wirtschaftszweige auf Platz 1, vor dem Banken- und Versicherungswesen (52%) und der Telekommunikation und IT (50 %). Hingegen fühlt sich nur jeder zehnte Arbeitnehmer in der Bauwirtschaft mit seinem Arbeitgeber wenig verbunden.

Entsprechend wenige suchen nach einem neuen Job: Lediglich 2 % der befragten Arbeitnehmer in der Bauwirtschaft gab dies im März 2017 an. Vor zwei Jahren suchten noch 8 % aktiv oder gelegentlich nach einem neuen Arbeitgeber. Im Ranking der Wirtschaftszweige steht die Bauwirtschaft damit an vorletzter Stelle. An erster Stelle steht die Telekommunikation und IT, wo 16 % der befragten Arbeitnehmer trotz enger Verbundenheit (s. o.) angaben, nach einer neuen Stelle zu suchen. Hier scheint es vor allem darum zu gehen, neue Erfahrungen bei anderen Arbeitgebern zu sammeln. An zweiter Stelle steht der Maschinen- und Anlagenbau, wo 15 % der Befragten nach einem neuen Arbeitgeber suchen. In diesem Wirtschaftszweig ist die Verbundenheit mit dem aktuellen Arbeitgeber aber auch nicht sehr deutlich ausgeprägt: Lediglich jeder Vierte fühlt sich sehr eng mit seinem Arbeitgeber verbunden.

Für die Bauunternehmen kann es zwar sehr beruhigend sein, dass 84 % der Befragten kein Interesse an einem Jobwechsel haben. Andererseits bleiben aber noch 14 %, die zwar nicht suchen, aber grundsätzlich interessiert sind, 2015 lag der Anteil noch bei 10 %. Somit verwundert es nicht, dass immerhin 17 % der - vom ifo Institut im Rahmen einer Sonderfrage im April dieses Jahres - befragten Arbeitgeber im Bauhauptgewerbe klagen, von Abwerbung ihrer Arbeitskräfte betroffen zu sein. Im April 2015 waren es noch 12 % und im April 2006 – in den Anfängen des Bauaufschwungs – waren es gerade einmal 3 %. Die Verbundenheit zum aktuellen Arbeitgeber hat wohl dort ihre Grenzen, wo aktiv abgeworben wird.

Dabei halten 80 % der befragten Bauarbeitnehmer das Gehaltsgefüge in ihrem Unternehmen für fair (in der Vorumfrage 2015 wurde diese Frage nicht gestellt). Damit fühlen sich die Arbeitnehmer in der Bauwirtschaft fairer bezahlt, als im gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt (71%). Lediglich in der Land- und Forstwirtschaft (82 %) und in der Telekommunikation und IT (81 %) lag der Anteil derer, die finden, dass das Gehaltsgefüge innerhalb ihres Unternehmens fair ist, höher als in der Bauwirtschaft.

Der seit 2006 anhaltende Bauboom mit dem damit einhergehenden Fachkräfteengpass hat dazu geführt, dass sich die Arbeitnehmer kaum Sorgen um ihren Arbeitsplatz machen: Immerhin bewerteten 61 % der Befragten ihren Arbeitsplatz als „sehr sicher“. Mehr als 2015 (35 %) und mehr als im gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt (53 %). Als „ziemlich sicher“ bewertete ihn jeder Dritte (2015: 56 %). Das Ranking der Wirtschaftszweige bezieht sich leider nur auf die Antwort „sehr sicher“. Hier belegt die Bauwirtschaft den zweiten Platz, direkt hinter der Gesundheitsbranche (63 %) und weit vor der Automobilindustrie und dem Maschinen- und Anlagenbau mit jeweils 45 %.