„Früh den Weg in die Praxis suchen“

abi-Interview mit Andreas Schmieg:
 
Welche Trends prägen die Bauwirtschaft? Was bietet sie Akademikern? Und wie gelingt der Berufseinstieg? abi>> sprach mit Andreas Schmieg, Vizepräsident Sozialpolitik des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie.
 
abi>> Wie ist derzeit die Lage in der Bauwirtschaft?
 
Andreas Schmieg: In den vergangenen Jahren haben wir eine kontinuierliche Steigerung der Auftragseingänge beobachtet. Daher befindet sich die Baubranche derzeit in einer sehr guten und stabilen Verfassung. Nach dem großen Abbau der Arbeitsplätze in der Konjunkturkrise bis 2005 haben die Unternehmen nun wieder ihre Belegschaften aufgebaut: Das Bauhauptgewerbe beschäftigt aktuell mehr als 780.000 Mitarbeiter. Die Suche nach weiteren Fachkräften ist anhaltend groß.
 
abi>> Sind denn auch mehr Akademiker gefragt?
 
Andreas Schmieg: Wir brauchen selbstverständlich akademisch gut ausgebildete Menschen, die uns in technischen und wirtschaftlichen sowie in Managementfragen unterstützen. Aber auch für Mitarbeiter mit einer gewerblichen Ausbildung wollen wir durch geeignete Qualifikationen Durchlässigkeit schaffen, sodass sie sich in verantwortungsvolle Positionen hocharbeiten können.
 
abi>> Welche Trends sehen Sie in der Baubranche?
 
Andreas Schmieg: Früher wurde Planung und Ausführung im Bau stark getrennt. Ich freue mich sehr, dass sich das heutzutage ändert. Die Baubranche wird sich viel stärker digitalisieren, Bauen wird viel systematischer und strukturierter ablaufen – wir sprechen hier von Bauen 4.0. Ein Bauwerk wird von Anfang bis Ende komplett elektronisch begleitet; Daten, zum Beispiel zu Baumaterialien, lassen sich digital zurückverfolgen. Das wird Vorteile für alle Beteiligten haben. Ein weiterer Trend ist das Systembauen: Statt jedes Bauwerk individuell anzufertigen, können wir heutzutage deutlich mehr mit Fertigbauteilen arbeiten, die vielseitig einsetzbar sind und Bauwerke flexibler nutzbar machen. Nutzungsänderungen sind dadurch einfacher möglich als früher. Das erfordert von den Mitarbeitern aber auch eine viel höhere Flexibilität im Denken. Wer jetzt zu uns kommt, wird diese Umwälzung in der Bauwirtschaft aktiv mitgestalten können.
 
abi>> Was sind Ihre Tipps für den Berufseinstieg?
 
Andreas Schmieg: Ein Studium alleine hilft nicht – die jungen Leute sollten auf jeden Fall auch den Weg zur Praxis suchen, zum Beispiel über Praktika oder Werkstudententätigkeiten. Sie sollten ganz früh in die Wirtschaft gehen, etwa in Planungsbüros oder in ausführende Unternehmen. Denn nur dort lernen sie die vielfältigen Möglichkeiten der Bauwirtschaft kennen.