Digitalisierung am Bau vorantreiben

Hintergrund:
Unsere Gesellschaft steht vor großen Herausforderungen. Die leistungsfähigen, ressourceneffizienten, intelligenten, sozialen und gut gestalteten Bauwerke und Infrastrukturen, die wir in Zukunft brauchen, werden großes fachliches Knowhow und ein sehr viel engeres Zusammenspiel aller Akteure erfordern, da sie immer komplexer werden. Dabei kann die Digitalisierung einen wertvollen Beitrag leisten. Sie ist ein Werkzeug und eine Methode, mit der wir für unser Leben, Arbeiten und unsere gebaute Umwelt einen Mehrwert schaffen können.
 
Gleichzeitig stellt die Digitalisierung das Planen, Bauen und Betreiben von Bauwerken und Infrastrukturen – wie auch in anderen Bereichen der Gesellschaft – vor ganz eigene Herausforderungen. Da sie die gesamte Wertschöpfungskette Bau erfasst, wird dies zu einer gemeinsamen, interdisziplinären Aufgabe für alle Beteiligten. 
 
Warum interdisziplinär?
Bauwerke werden zukünftig als EIN Produkt gesehen und nicht als Summe von Einzelleistungen. Da-her sollte die Integration von Planen, Bauen und Betreiben in Zukunft selbstverständlich sein. Heutige Abläufe und Leistungsabgrenzungen werden zukünftig nicht mehr effizient funktionieren. Warum sollte z.B. bauliches Knowhow, welches der Planung eines guten Bauwerks dient, erst nach Abschluss einer Leistungsphase hinzugezogen werden? 
Bei der Erstellung eines Bauwerks gibt es eine Vielzahl an Schnittstellen, die von der Digitalisierung betroffen sind. Es geht nicht nur um das Zusammenspiel zwischen Planern und Ausführenden. Son-dern es geht auch darum, dass innerhalb eines Unternehmens unterschiedliche Schnittstellen zwi-schen Menschen oder Mensch und Maschine oder Maschinen untereinander neugestaltet werden. Hinzu kommen die Lieferketten sowie alle am Bau beteiligten Unternehmen und Handwerker, die stär-kere Nutzung von Vorfertigung und seriellen Produktionskonzepten, und nicht zuletzt natürlich die Auftraggeber. Die Digitalisierung kann jeden einzelnen Prozessabschnitt an sich verbessern, darüber hinaus den Übergang zum nächsten Prozessabschnitt erleichtern. Allerdings macht erst die Verknüp-fung - wenn möglich aller Prozessabschnitte und Beteiligten - die Erstellung eines Bauwerks wirklich effizient. Erst dann können die Potenziale der digitalen Wertschöpfung gehoben werden.
Voraussetzung für eine erfolgreiche Zusammenarbeit sind durchgängige Informationsflüsse, Daten und Prozesse. Dafür benötigen wir verlässliche, allgemein zugängliche Standards. Mindestens ebenso wichtig sind jedoch Kooperation, integriertes Arbeiten und Partnerschaft. Wir sprechen deshalb heute von einem regelrechten Kulturwandel in der Welt des Bauens.
Die BAUINDUSTRIE gestaltet diesen Wandel bereits in ihren Unternehmen und im Dialog mit den Partnern der Wertschöpfungskette Bau. Diese positive Entwicklung wurde in einer KfW-Unternehmensbefragung vom Juli 2019 bestätigt. 49 Prozent der befragten Baufirmen befinden sich im Digitalisierungsprozess. Bei der letzten Befragung vor zwei Jahren waren es nur 26 Prozent.
Was ist zu tun, damit der Digitalisierungsprozess schneller umgesetzt wird?
Andere Länder haben die Digitalisierung zur Staatsaufgabe erhoben – inklusive des Themas Bauen. Deutschland braucht eine ganzheitliche, generalistische Digitalisierungsstrategie, auf allen Ebenen und für alle Branchen. Folgende Rahmenbedingungen gilt es umzusetzen:
 
  • Rechtsrahmen anpassen: Um partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Auftraggeber, Planer und ausführendem Unternehmen zu verbessern, muss die Vergabepraxis in Deutsch-land modernisiert werden.
 
  • Standards setzen: Es sollte eine politische Normungsstrategie entwickelt werden, die nationale Standards entwickelt, umsetzt und zugänglich macht. Diese gilt es, auch auf der internationa-len Ebenen zu platzieren, damit die Wettbewerbsfähigkeit gewährleistet ist.
     
  • IT-Rechtsrahmen schaffen: Fragen des Datenschutzes, Urheberrechts sowie der Datensicher-heit müssen einen klaren, verbindlichen und umfassenden Rechtsrahmen erhalten.
     
  • Bildung und Ausbildung modernisieren: Die Digitalisierung sollte sowohl im Studium als auch in der Berufsausbildung selbstverständlicher Bestandteil sein. Die digitalisierte Bauwelt wird in Zukunft viele Berufsprofile im Hightech-Bereich anbieten.
     
  • Dateninfrastruktur ausbauen: Grundvoraussetzung hierfür ist die flächendeckende bedarfsge-rechte Verfügbarkeit gigabitfähiger Infrastrukturen.
 
Deutschland muss in Bezug auf die Digitalisierung innovativ voranschreiten. Das deutsche Ingenieur- Knowhow mit dem Siegel „Made in Germany“ darf nicht auf der Strecke bleiben. Dafür bedarf es einer auf den internationalen Kontext zugeschnittenen digitalen Gesamtstrategie. Die BAUINDUSTRIE freut sich darauf, ihre Lösungsvorschläge in diese Diskussion einzubringen, und steht der Politik als Gesprächspartner zur Verfügung.

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