Konjunkturelle Auswirkungen des Corona-Virus auf die deutsche Bauwirtschaft

Stand: 15.05.2020

 

Die weltweite Zunahme an Corona-Virus infizierten Personen hat bereits jetzt Auswirkungen auf verschiedene Teile der deutschen Wirtschaft, allerdings sind die Auswirkungen auf die Baukonjunktur bislang noch vergleichsweise gering. Bei einem Großteil der Firmen laufen die Baustellen noch weitgehend im Normalbetrieb – Baustellen wurden bislang nur vereinzelt stillgelegt. Rechnungen für geleistete Arbeiten werden nach wie vor bezahlt.

Die BAUINDUSTRIE geht davon aus, dass die größte Gefahr für die deutsche Baukonjunktur im laufenden Jahr darin besteht, dass die Produktion durch Probleme bei den Baustoff- und Baumaterialzulieferern, durch Erkrankun­gen in den Baubelegschaften oder durch behördliche Maßnahmen gebremst wird. Diese Anzeichen werden aktuell durch die Unternehmen bestätigt. Die Eintrittswahrscheinlichkeit ist weiterhin unge­wiss, die Auswirkungen könnten aber immens sein.

Eine konkrete Prognose ist derzeit nicht möglich. Eine erste vorsichtige „Trendaussage“ ist, dass der Hauptverband der deutschen Bauindustrie mit einer nominalen Stagnation des baugewerblichen Umsatzes im Bauhauptgewerbe gegenüber dem Vorjahr rechnet, ein Wachstum aber außer Reichweite liegt.

Auswirkungen der Corona-Epidemie auf die Bauproduktion – Daten erst zur Jahresmitte verfügbar

Aus Sicht der BAUINDUSTRIE ist zum jetzigen Zeitpunkt eine realistische Umsatzprognose für 2020 nur sehr eingeschränkt möglich. Die Werte der ersten zwei Monate dieses Jahres zu Auftragseingang und Umsatz im Bauhauptgewerbe waren mit nominalen Zuwachsraten noch ausgesprochen positiv. Die März-Werte, bei denen sich die Epidemie eventuell schon bemerkbar macht, werden aber erst Ende Mai vorliegen. Bis dahin ist der HDB auf die Einschätzungen der Lage und Erwartungen aus Reihen der Baufirmen angewiesen. Wenn sich das dort aufgezeigte Stimmungsbild bestätigt, wird sich auch die Bauwirtschaft vom aktuellen Abwärtstrend in der Wirtschaft nicht gänzlich abkoppeln können. Zumindest temporär ist mit einem Produktionsrückgang zu rechnen (Details siehe: Papier Baukonjunkturelle Lage / ELVIRA-Datenbank).

 

Erste Stimmungsbilder aus der Praxis

Blitzumfrage DIHK (08.05.2020)

Der DIHK hat zwischen dem 4. und 6. Mai seine 3. Blitzumfrage zu den Auswirkungen der Epi­demie durchgeführt und die Ergebnisse am 8. Mai veröffentlicht. An der Umfrage haben 574 Bau­firmen teilgenommen. Insgesamt lassen die Ergebnisse darauf schließen, dass sich die Situation im Vergleich zur Vorumfrage (27.3.) leicht verbessert hat.

  • 79 % der befragten Baufirmen gaben an, dass sie negative Auswirkungen auf ihre Geschäfte spüren. In der Vorumfrage waren es noch 87 %. Die Verbesserung könnte auch darauf zurückzuführen sein, dass schon viele (32 %) wieder auf Vorkrisenniveau arbeiten. Im Durchschnitt aller Branchen trifft dies nur auf 11 % zu.
  • 44 % gaben auf die Frage „Welche Auswirkungen hat das Virus auf Ihre Geschäfte? (Mehrfachnennungen möglich)“ an, weniger Nachfrage nach den eigenen Produkten und Dienstleistungen zu spüren. Auch dieser Anteil ist gegenüber der Vorumfrage (50 %) gesunken. 30 % meldeten Stornierungen von Aufträgen durch Kunden (Vorumfrage: 41 %). 3 % fühlten sich von einer Insolvenz bedroht (9%).
  • 27 % klagen über ausfallende bzw. fehlende Mitarbeiter (Vorumfrage: 46 %), 19 % über fehlende Waren und Dienstleistungen (34 %) und 19 % über logistische Engpässe (31 %), aber nur 9 % über eine Einstellung der Produktion (18 %).
  • 26 % planen ihre eigenen Investitionen in diesem Jahr zu kürzen. Über die Gesamtwirtschaft gaben dies 36 % der Befragten an, was mittelfristig bei den Bauunternehmen zu Problemen führen könnte.
  • 46 % berichten von negativen Auswirkungen auf ihre Finanzierungssituation. Die überwiegende Zahl berichtet von einem Eigenkapitalrückgang (32 %) sowie von Liquiditätsengpässen (16 %) aufgrund von Forderungsausfällen und Kürzungen von Zahlungszielen.
  • 58 % der befragten Baufirmen erwarten, dass ihr Umsatz im Gesamtjahr 2020 aufgrund der Pandemie zurückgehen wird (Vorumfrage: 72 %). Davon erwarten 21 % einen Rückgang um bis zu 10 % (11 %), weitere 21 % befürchten einen Rückgang zwischen 10 und 25 % (33 %), 10 % zwischen 25 und 50 % (20 %), 6 % sogar von mehr als 50 % (8 %). 23 % erwarten keine Auswirkungen (5 %).
  • 14 % planen für 2020 einen Personalabbau, 81 %, den Beschäftigtenstand zu halten und 5 % sogar, zusätzliches Personal einzustellen.

 

Schnellumfrage HDB (Stand: 21.04.2020)

Der HDB hat vom 14. bis zum 21. April eine eigene Umfrage unter den Mitgliedsfirmen durchgeführt. Daran haben 453 Personen teilgenommen. Die Ergebnisse vermitteln ein Stimmungsbild über die Situation in der BAUINDUSTRIE.

  • 58 % (262 Unternehmen) haben geantwortet, dass sie durch die Auswirkungen des Corona-Virus in ihrer Leistungserbringung bereits heute behindert sind. In der Vorumfrage (31.3.) gaben dies 56 % der Befragten an. Dabei sagt allerdings ein Großteil, dass die Auswirkungen geringfügig (71 %) seien. 28 % melden eine starke Einschränkung. Der Unterschied zur DIHK Umfrage (s. u.) könnte darauf zurückzuführen sein, dass beim DIHK überwiegend Kleinbetriebe an den Umfragen teilnehmen. Beim Hauptverband dürften es vermutlich vor allem Mittelständler und große Baufirmen sein.
  • Die größten Einschränkungen kommen (bei den o. g. 262 Unternehmen) durch fehlende Materiallieferungen (37 %), einen hohen Krankenstand (21 %) im eigenen Unternehmen aber auch bei Subunternehmen (21%), behördliche Quarantäneauflagen (35 %) und Gesundheitsschutz bzw. Hygienemaßnahmen (44 %) zu Stande (Mehrfachnennungen möglich).
  • Deutlich zugenommen hat der Anteil derer, die über weniger Nachfrage bzw. fehlende Ausschreibungen klagen (45 % im Vergleich zu 26 % in der Vorumfrage). Von Baustellenschließungen waren 21 % betroffen.  Nahezu gleichgeblieben ist allerdings der Anteil derer, die über Stornierungen klagen (24 %).
  • Die betroffenen Bauunternehmen berichten aber auch von einem deutlich höheren Organisationsaufwand (67 %) durch z. B. Homeoffice, Abstand halten etc.. Hinzu kommt aber auch, dass mehr als die Hälfe (53 %) der betroffenen Bauunternehmen, Verzögerungen durch den Auftraggeber als Behinderungsgrund angaben. Lediglich 18 % berichten von Verzögerungen bei der Rechnungsbegleichung.
  • Mittlerweile berichten 40 % (Vorumfrage 33 %) von Personalmangel aufgrund von Grenzschließungen. Davon gaben 58 % an, dass dies bis zu 10 % der Belegschaft betrifft, 36 % meldeten, dass ein Anteil zwischen 10 % und 20 % betroffen wäre. Davon kamen die meisten aus Polen.
  • Von den 262 Unternehmen gab 50 % an, Kurzarbeit eingeführt zu haben. Von diesen gaben 35 % an, dass bis zu 10 % der eigenen Belegschaft betroffen sei. 44 % meldeten einen Anteil zwischen 10 und 20 %. Jedes fünfte mehr als 20 %. Von den derzeit nicht betroffenen Unternehmen planen aber 30 %, Kurzarbeit einzuführen.
  • Momentan noch positiv stimmt, dass nur 7 % der (gesamten) Umfrageteilnehmer angeben, Anzeichen wahrzunehmen, dass öffentliche Auftraggeber Rechnungen nicht mehr zahlen würden. Als Gründe wurden überwiegend genannt, dass sich die Rechnungsprüfung verzögert und dass es kein Personal in den Behörden gibt.

 

Sonderumfrage ifo (Stand: 22.04.2020)

Das ifo Institut hat im Rahmen seiner Umfrage zum Konjunkturtest eine Corona-Sonderumfrage durchgeführt. Diese fand in dem Zeitraum vom 7. bis zum 22.4. statt. An der Umfrage haben 740 Firmen des Bauhauptgewerbes teilgenommen. Die Ergebnisse wurden nach Firmengröße gewichtet.

  • 35 % der insgesamt befragten Bauunternehmen gaben an, dass sie Kurzarbeit eingeführt haben, 51 % bauen Zeitguthaben und Urlaub ab, lediglich 3 % bauen Beschäftigung ab. 59 % berichten von verstärkter Nutzung von Homeoffice.
  • 31 % berichteten von Verschiebung, 13 % von Streichungen von Investitionsprojekten, 12 % von Werksschließungen bzw. Produktionsstopp, 17 % über eine verstärkte Lagerhaltung und 9 % über Wechsel von Zulieferern bzw. Diversifikation in der Beschaffung.
  • 19 % der Befragten berichteten von Auftragsstornierungen (das letzte Mal wurde dieser Anteil 2009 - zurzeit der Finanz- und Wirtschaftskrise – übertroffen).
  • 34 % der Befragten berichteten über Nutzung bestehender und 7 % über Erschließung neuer Kreditlinien, 6 % über die Inanspruchnahme von Liquiditätshilfen.
  • 73 % der insgesamt befragten Bauunternehmen erwarten einen Effekt auf ihren Umsatz im Jahr 2020. Im Durchschnitt der Befragten wird ein Umsatzrückgang von ca. 11 % erwartet. Die wenigsten erwarten, dass dieser zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufgeholt werden kann. Viele Baufirmen sehen ihre Existenz durch die Coronakrise bedroht. 20,4 % der befragten Baufirmen sagten, sie könnten drei Monate oder kürzer überleben, wenn die pandemiebedingten Einschränkungen noch für längere Zeit bleiben würden. Sechs Monate oder kürzer könnten 45,4 % durchhalten.
  • 30 % der insgesamt befragten Bauunternehmen gaben an, dass sie Beschäftigte außerhalb Deutschlands haben. Dies sind im Durchschnitt ca. 11 % der Belegschaft. 22 % können diese aktuell nicht einsetzen, 47 % nur teilweise, 31 % können diese gänzlich einsetzen.

Die Umfrageergebnisse weichen leicht von den Ergebnissen der BAUINDUSTRIE-Umfrage ab (s.o.). Dies liegt überwiegend daran, dass der Hauptverband die Meldungen nur auf die Teilnehmer bezogen hat, die über Corona-bedingte Behinderungen geklagt haben. Das ifo Institut bezieht die Ergebnisse auf alle Umfrage-Teilnehmer. Die Anteilswerte fallen somit bei der ifo Umfrage etwas geringer aus.

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