Konjunkturelle Auswirkungen des Corona-Virus auf die deutsche Bauwirtschaft

 

Kurzzusammenfassung              

Die Corona-Pandemie hat verschiedene Teile der deutschen Wirtschaft stark getroffen, die Auswirkungen auf die Baukonjunktur sind bislang allerdings noch vergleichsweise gering. Bei einem Großteil der Firmen laufen die Arbeiten noch (oder wieder) weitgehend im Normalbetrieb – Baustellen wurden bislang nur vereinzelt stillgelegt. Rechnungen für geleistete Arbeiten werden (überwiegend) nach wie vor bezahlt.

Die BAUINDUSTRIE geht davon aus, dass die größte Gefahr für die deutsche Baukonjunktur im laufenden Jahr darin besteht, dass die Produktion durch Probleme bei den Baustoff- und Baumaterialzulieferern, durch partiellen Ausfall der ausländischen Beschäftigten oder durch vermehrte organisatorische Maßnahmen gebremst und verzögert wird. Diese Anzeichen werden aktuell durch die Unternehmen bestätigt. Für die mittel- und langfristige Entwicklung haben aber die Risiken aufgrund eines (aktuell zu beobachtenden) Nachfragerückgangs und steigender Stornierungen deutlich zugenommen.

Der Hauptverband der deutschen Bauindustrie geht derzeit davon aus, dass der baugewerbliche Umsatz im Bauhauptgewerbe 2020 auf dem Vorjahresniveau stagnieren wird, preisbereinigt ist mit einem Rückgang von 3 % zu rechnen. Ein Wachstum – wie noch im Dezember 2019 erwartet – dürfte außer Reichweite liegen (Details siehe: Papier Baukonjunkturelle Lage, Präsentation Bauwirtschaft in Zeiten von Corona / beides ELVIRA-Datenbank).

 

Konjunkturelle Lage aus Sicht der Wirtschaftsforschungsinstitute

Die Wirtschaftsforschungsinstitute haben zwischen dem 10. und 18. Juni ihre Sommerprognosen vorgelegt. Die Institute erwarten für das laufende Jahr einen realen Rückgang des Bruttoinlandsproduktes zwischen 5,1 und 9,4 %. Für das kommende Jahr werden Wachstumsraten zwischen 3,0 und 6,4 % prognostiziert. Unterschiedlich wird auch die Entwicklung der Bauinvestitionen eingeschätzt. Diese sollen preisbereinigt im laufenden Jahr zwischen 0,8 und 3,3 % zulegen, 2021 zwischen 0,6 und 3,2 %.

Die Erwartungen sowohl für das laufende als auch für das kommende Jahr werden maßgeblich davon beeinflusst, wie hoch das Risiko einer zweiten Erkrankungswelle in Deutschland und eines darauffolgenden erneuten Shutdowns großer Teile der Wirtschaft eingeschätzt wird. Dies mündet als Ergebnis in einer Bandbreite der Prognosen zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, deren Ausmaß selbst in der Wirtschaftskrise 2009 nicht annähernd so groß war.

 

Wenn auch in den einzelnen Szenarien der Wirtschaftsforschungsinstitute zum Teil deutlich unterschiedliche Erwartungen zum Ausdruck kommen, besteht im Trend Einigkeit hinsichtlich der einzelnen Verwendungskomponenten des Bruttoinlandsproduktes:

  • Die Exporte (Durchschnittswert aller Institute) sollen im laufenden Jahr preisbereinigt um 13,2 % zurückgehen und 2021 um 6,7 % zulegen. Damit würde im kommenden Jahr das Niveau des Jahres 2019 immer noch um 7,4 % unterschritten.
  • Die Ausrüstungsinvestitionen sollen im laufenden Jahr um 17,9 % zurückgehen und 2021 um 10,2 % zulegen. Damit würde das Niveau von 2019 um 9,5 % unterschritten.
  • Der private Konsum (mit einem Anteil von 52 % am gesamten Bruttoinlandsprodukt) soll im laufenden Jahr um 6,4 % zurückgehen und im kommenden Jahr um den gleichen Wert steigen. Damit würde wieder das Niveau des Jahres 2019 erreicht.
  • Zulegen sollen dagegen die Konsumausgaben des Staates (vor allem durch das Konjunkturpaket), die 2020 um 2,4 und 2021 um 2,6 % steigen sollen.
  • Die Bauinvestitionen steigen nach Erwartung der Institute im laufenden Jahr um 1,6 %, 2021 dann um 2,0 %. Allerdings ist die Bandbreite der Prognosen auch hier relativ groß.

 

Während die Abweichungen zwischen den Prognosen des IWH Halle, des RWI Essen und des IfW Kiel nicht besonders groß sind, fällt die Prognose des DIW Berlin deutlich aus dem Rahmen. Das DIW unterstellt einen sehr viel stärkeren Absturz des BIP im laufenden Jahr und eine deutlich langsamere Erholung 2021. Nach der Prognose dieses Institutes läge das Bruttoinlandsprodukt 2021 preisbereinigt immer noch um 6,7 % unter dem Wert von 2019. Dies scheint unseres Erachtens doch eine sehr pessimistische Einschätzung zu sein.

Die Erwartungen an die Bauinvestition im laufenden Jahr wurden zwar gegenüber den jeweiligen Frühjahrsprognosen zurückgenommen, liegen aber überraschenderweise immer noch mehr oder weniger deutlich im positiven Bereich. Auch die Prognosen für die Bausparten überraschen. Für den Wirtschaftsbau schwanken die Erwartungen zwischen einem realen Wachstum von 3,6 % und einem Rückgang von 2,5 %. Ähnlich sieht es im öffentlichen Bau aus (Werte zwischen + 6,0 % und - 1,9 %). Die stark unterschiedlichen Werte beruhen auch auf dem jeweils verwendeten Konjunkturmodell.

 

Umsatzprognose für das Bauhauptgewerbe

Der Hauptverband hält die Erwartungen der Institute - auch angesichts der Ergebnisse der mittlerweile vier verbandsinternen Umfragen (s.u.) - für zu optimistisch. Die Werte des ersten Quartals dieses Jahres zu Auftragseingang und Umsatz im Bauhauptgewerbe waren mit nominalen Zuwachsraten zwar noch vergleichsweise positiv. Die Umfrageergebnisse deuten aber auf eine sich abschwächende Nachfrage und auf eine steigende Zahl an Stornierungen hin, die Bauwirtschaft wird sich vom aktuellen Abwärtstrend in der Wirtschaft nicht gänzlich abkoppeln können. Der HDB erwartet aus diesem Grund für das laufende Jahr eine nominale Stagnation der baugewerblichen Umsätze im Bauhauptgewerbe, was real einem Rückgang in der Größenordnung von 3 % entspricht (Wohnungsbau: + 2,5 %, real: - 0,5 %, Wirtschaftsbau: - 3 %, real: - 6 %, Öffentlicher Bau: 0 %, real: - 3 %) (Details siehe: Papier Baukonjunkturelle Lage / ELVIRA-Datenbank). Ein stärkerer Rückgang wird (aus HDB-Sicht) aber durch das Konjunkturpaket der Bundesregierung verhindert.

 

Konjunkturpaket der Bundesregierung

Die BAUINDUSTRIE sieht das beschlossene Konjunkturpakte im Grundsatz positiv. Wichtig ist vor allem die deutliche finanzielle Unterstützung der Kommunen, auf die nach wie vor mehr als die Hälfte der öffentlichen Baunachfrage entfallen. Ein möglicher Einbruch der kommunalen Bautätigkeit kann durch die Maßnahmen deutlich abgemildert werden.

Die Überbrückungshilfen dürften Baufirmen aber nur in Ausnahmefällen zugutekommen. Aufgrund der besonderen Situation der Bauunternehmen, welche im April und Mai 2020 (bis auf vereinzelte Baustellenschließungen und Verzögerungen im Baufortschritt und somit Verzögerungen bei der Rechnungslegung) überwiegend durcharbeiten konnten, wird es in diesen Monaten nicht zu Corona-bedingten Umsatzeinbrüchen von 60 % gekommen sein. Die Auswirkungen auf den Umsatz werden sich in der Bauwirtschaft erst mit Zeitverzögerung (und dann eventuell über einen längeren Zeitraum) bemerkbar machen.

Problematisch für das Baugewerbe ist dagegen die Regelung zur befristeten Reduzierung der Umsatzsteuersätze. Die Anwendung ist für Baufirmen beispielsweise im Hinblick auf Abschlagsrechnungen äußerst problematisch, da künftig für ein Bauprojekt gegebenenfalls Abschlagsrechnungen mit unterschiedlichen Steuersätzen erstellt werden müssten.

 

Stimmungsbild aus der Praxis

Schnellumfrage HDB (Stand: 20.05.2020)

Der HDB hat vom 13. bis zum 20. Mai eine 4. Umfrage unter den Mitgliedsfirmen durchgeführt. Daran haben 370 Personen teilgenommen. Die Ergebnisse vermitteln ein Stimmungsbild über die Situation in der BAUINDUSTRIE:

  • 59 % (220 Unternehmen) haben geantwortet, dass sie durch die Auswirkungen des Corona-Virus in ihrer Leistungserbringung behindert sind. In der Vorumfrage (21.4.) gaben dies 58 % der Befragten an. Dabei sagt weiterhin ein Großteil, dass die Auswirkungen geringfügig (75 %) seien.
  • 50 % der (220) betroffenen Bauunternehmen klagen über weniger Nachfrage bzw. fehlende Ausschreibungen (Mehrfachnennungen möglich). Der Anteil hat über den gesamten Umfragezeitraum deutlich zugenommen: Im März meldeten dies noch 26 % und im April 45 %. Auch der Anteil derer, die über Stornierungen klagen, ist gestiegen (von 24 auf 32 %). Von Baustellenschließungen waren allerdings nur noch 15 % betroffen. Allerdings sind 27 % von einem temporären Baustellenstopp betroffen, da Kampfmittelräumdienst und Evakuierungen nicht durchgeführt werden können. Auch die Verzögerungen bei der Rechnungsbegleichung haben zugenommen (von 18 auf 21 %), Verzögerungen durch den Auftraggeber bei der Bautätigkeit haben hingegen abgenommen (von 53 auf 34 %).
  • 27 % meldeten Einschränkungen durch fehlende Materiallieferungen, einen hohen Krankenstand (19 %) im eigenen Unternehmen aber auch bei Subunternehmen (12 %) und behördliche Quarantäneauflagen (24 %). Hiervon sind allerdings deutlich weniger betroffen als noch in der Vorumfrage. Abgenommen hat auch der Anteil derer, die berichten von Personalmangel aufgrund von Grenzschließungen betroffen zu sein (von 40 auf 30 %). 49 % gaben an, Kurzarbeit eingeführt zu haben, 13 % planen es.
  • 47 % klagten über Leistungseinschränkungen wegen zunehmendem Gesundheitsschutz bzw. Hygienemaßnahmen und einem deutlich höheren Organisationsaufwand (70 %) durch z. B. Homeoffice, Abstand halten etc..
  • 61 % meldeten, dass Kommunen Entscheidungen zu Bauvorhaben/Bebauungsplänen/Planungsrechtschaffung derzeit Corona-bedingt aussetzen. 65 % können jetzt schon absehen, dass sich Bauvorhaben Corona-bedingt verzögern werden. Davon erwarten 57 % eine Verzögerung, die länger als 2 Monate dauern wird.
  • 49 % der (220) betroffenen Unternehmen gaben an, dass ihnen Corona-bedingt Mehrkosten von bis zu 2,5 % der Auftragssumme entstanden sei. Bei 24 % lagen die Mehrkosten zwischen 2,5 und 5 %, 16 % hatten keine.
  • 37 % der gesamten Umfrageteilnehmer gehen davon aus, dass ihr Umsatz 2020 in Vergleich zum Vorjahr um mehr als 5 % zurückgehen wird. 21 % erwarten einen Rückgang von bis zu 5 %, 28 % keine Veränderung und 14 % einen Umsatzanstieg. Trotz der eher pessimistischen Umsatzerwartung plant der Großteil der Befragten (74 %) ihren Personalbestand 2020 unverändert zu lassen, nur 13 % eine Reduzierung. 14 % planen allerdings, die Zahl der Beschäftigten zu erweitern.

 

 

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