Löhne und Entgelte im Baugewerbe deutlich erhöht

 

Die Beschäftigten und Auszubildenden im Baugewerbe haben von der guten baukonjunkturellen Entwicklung der vergangenen 10 Jahre erheblich profitiert. Nachdem in den Jahren der Baukrise die Lohn- und Gehaltszuwächse nur gering ausgefallen waren, hat sich dies ab 2010 deutlich geändert. In Westdeutschland stiegen von 2010 bis 2019 die Tariflöhne und -gehälter im Jahresdurchschnitt um 2,7 %, in den neuen Bundesländern sogar um 3,3 %. Insgesamt legten in diesem Zeitraum die Löhne und Gehälter in Westdeutschland um 27 % und in den neuen Bundesländern um 34 % zu. Da die Verbraucherpreise im gleichen Zeitraum nur um 14 % stiegen, kam es somit zu einem deutlichen realen Einkommenszuwachs.

 

Tariflöhne

Die Erhöhung der Tariflöhne für die Arbeiter wird in der Regel am „Ecklohn“ gemessen, dies ist der Stundenlohn für die Lohngruppe 4. Hinzu kommt ein Zuschlag von 5,9 %, der für die besondere Belastung der Arbeitskräfte auf den Baustellen gewährt wird. Der solchermaßen ermittelte Gesamttarifstundenlohn stieg im früheren Bundesgebiet zwischen 2010 und 2019 von 16,20 auf 20,63 Euro, in den neuen Bundesländern von 14,52 auf 19,50 Euro. 2018 wurden die Löhne um 5,7 % erhöht, mit einer Laufzeit von 2 Jahren. Daher gab es 2019 in Westdeutschland keine Steigerung, in Ostdeutschland hingegen von 0,8 %. Die Lohnsteigerungen in den neuen Bundesländern lagen pro Jahr um durchschnittlich 0,6 % höher als in Westdeutschland. Damit wird in den neuen Bundesländern mittlerweile 94,5 % des Westniveaus erreicht.

 

 

Mindestlöhne

Im Baugewerbe wurde schon 1997 ein Mindestlohn beschlossen. Dieser liegt aktuell mit 12,55 Euro deutlich höher als in der Gesamtwirtschaft (Einführung ab dem 1. Januar 2015), wo er seit Beginn 2020 nur 9,35 Euro beträgt. Im Baugewerbe gibt es zudem 2 Sätze. Der Mindestlohn I (Hilfsarbeiten) in Westdeutschland und der Mindestlohn Ost liegen seit 2017 auf einem Niveau. In Westdeutschland gibt es außerdem noch den Mindestlohn II für qualifizierte Bauarbeiter, der pro Stunde knapp 3 Euro höher liegt.

 

 


Gehälter

Im Baugewerbe gibt es für die Angestellten und Poliere (die zwar meist auf den Baustellen arbeiten, dort aber vorrangig überwachende Tätigkeiten ausüben) insgesamt 10 Entgeltgruppen. Die für die Tarifstundenlöhne der Arbeiter ausgehandelten Erhöhungen werden regelmäßig im gleichen Ausmaß auf alle Entgeltgruppen der Angestellten übertragen. Dadurch kommt es hier unabhängig von der Qualifikation und Eingruppierung über die Jahre hinweg zu gleichen Gehaltserhöhungen. Wie auch bei den Tariflöhnen addierten sich diese bei den Gehältern in den vergangenen 10 Jahren auf 27 % in Westdeutschland und 34 % in Ostdeutschland. Auch bei den Gehältern liegt das Niveau in den neuen Bundesländern mittlerweile bei 94,5 % des Wertes im früheren Bundesgebiet. In der nachfolgenden Tabelle ist beispielhaft die Entwicklung in der Gehaltsgruppe V abgebildet. Dies ist in der Regel das Einstiegsgehalt für Universitätsabsolventen mit einem Bachelor-Abschluss.

 

 

Ausbildungsvergütungen

Anders als die Gehälter folgen die Ausbildungsvergütungen im Baugewerbe den Steigerungsraten der Lohntarifverhandlungen nicht in gleichem Umfang. Um im Wettbewerb um gewerbliche Nachwuchskräfte bestehen zu können, wurden die Ausbildungsvergütungen in den vergangenen 10 Jahren überproportional angehoben. Zwischen 2010 und 2019 legten sie für Auszubildende im 1. Lehrjahr in Westdeutschland um 39 % zu, in den neuen Bundesländern sogar um 45 %. Mit 90 % ist allerdings die Angleichung der Vergütungen an das Westniveau in den neuen Bundesländern noch nicht so weit fortgeschritten wie bei den Löhnen und Gehältern.


Mit den Lehrjahren steigen die Ausbildungsvergütungen deutlich an. Diese liegen im früheren Bundesgebiet im 3. Lehrjahr mit 1.475 Euro bundesweit im Branchenvergleich auf dem höchsten Niveau und um 75 % höher als im 1. Lehrjahr. In den neuen Bundesländern werden im 3. Lehrjahr 1.190 Euro gezahlt. Die Lohn- und Gehaltstarifverhandlungen im Jahr 2018 brachten einen Abschluss mit einer Laufzeit von 2 Jahren und einer Steigerung der Ausbildungsvergütungen in Westdeutschland um 8,3 % und in den neuen Bundesländern um 8,6 %. Daher kam es 2019 zu keiner erneuten Anhebung.

 

 

 

Siehe auch:
…auf den Punkt gebracht: „Fachkräftesituation im Bauhauptgewerbe“ und „Beschäftigung von Flüchtlingen in der Bauwirtschaft“

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