BIM im Verkehrswegebau

Forderungen und Leitsätze der Bauindustrie

Vertragsrelevante Forderungen
  1. Verpflichtender bundeseinheitlicher Klassen- und Merkmalkatalog durch BIM Deutschland - Einführung im Jahr 2021
    Beschreibung: BIM Deutschland stellt den Klassen- und Merkmalkatalog kosten- und barrierefrei zur Verfügung. Das betrifft auch die zukünftig bearbeiteten und entwickelten Klassen- und Merkmalkataloge. Der Klassen- und Merkmalkatalog muss auf alle Teilkomponenten der Projektabwicklung (Leistungsverzeichnis, Terminplan und Bauwerksinformationsmodell) abgestimmt sein sowie immer den Stand der Technik, der Verwaltung oder des Betriebes widerspiegeln. Diese Aufgabe erfolgt zentral über BIM Deutschland durch Einbindung z. B. von FGSV, BASt und anderen Fachgremien sowie der Bauindustrie.
    Eine Harmonisierung und enger Erfahrungsaustausch mit dem Bahnbau ist anzustreben.

  2. BIM-konforme Regelwerke sind durch von der Bundesregierung geförderte Gremien zu erstellen.
    Beschreibung: Eine Anpassung der DIN 18299 und VOB/C an die BIM-Arbeitsweise ist dringend notwendig. In der derzeitigen Situation sind Bauherr und Rechnungshof technisch (Prüfverfahren) nicht in der Lage, die Modelle zu prüfen. Gleiches gilt für die Erstellung der Planunterlagen (z.B. RAB-Ing, etc.).

  3. Pilotprojekte für den Einsatz von BIM nicht nur bei neuen, sondern auch in laufenden Projekten in der Ausführungsphase durchführen.
    Beschreibung: Ziel ist, dass der AG und die BAUINDUSTRIE mit sämtlichen Beteiligten die modellbasierte Arbeitsweise einführen und in die Praxis umsetzen, um gemeinsame Erfahrungen zu sammeln und für zukünftige Arbeitsweisen auszuwerten. Dabei sollten auch Projekte realisiert werden, bei denen der Fokus auf der kooperativen Projektabwicklung unter Verwendung der BIM-Methodik liegt. Zu Beginn der BIM-Implementierung können die Bauunternehmen das Planungssoll im Modell erstellen. Weitere BIM-Leistungen können von den Unternehmen optional nach Auftragserteilung als Nachtrag angeboten werden.
  4. Alle vorhandenen digitalen Daten sind dem Bieter als Bestandteil der Ausschreibung zu übergeben.
  5. Abhängig von den Randbedingungen des Projektes ist eine frühe Einbindung der Bauindustrie sinnvoll.
  6. Informations- Austauschanforderungen (IAA) sind vom AG vollständig zu übergeben.
  7. Berücksichtigung von BIM in der Vergabepraxis hin zu einer transparenten Bewertung qualitätsbezogener und wirtschaftlicher Aspekte, auch von BIM-Leistungen.
  8. Die vom Auftraggeber geforderten BIM-Leistungen sind als besondere Leistungen zu definieren und müssen detailliert und transparent VOB-konform ausgeschrieben werden. Hierfür sind besondere Vertragsbedingungen BIM für die Bauausführung unverzichtbar.
  9. Alle Beteiligten (AG, AN und weitere Projektbeteiligte) müssen nachweislich qualifiziert sein. Dafür sind diskriminierungsfreie BIM-Eignungskriterien anhand von PQ-Qualifizierungssystemen für Ausschreibende, Planer und ausführende Unternehmen zu erarbeiten. Ergänzungen des Präqualifikationssystem (PQ-Verein) um BIM-Eignungskriterien sind festzulegen.
Modellbezogene Forderungen
  1. Das Modell als einzige Informationsquelle ist anhand von “Klassen und Merkmalen” ein digitaler Zwilling des zu errichtenden Bauwerks.
    Beschreibung: Dabei werden die standardisierten Klassen und Merkmale (vgl. buildingSMART, Punkt 1), die als Kartei zu sehen sind, für das jeweilige Projekt gefüllt und gepflegt. Nicht modellierbare Leistungsanteile müssen mit Platzhalterobjekten im Modell enthalten sein.
  2. Der AG stellt ein leistungsfähiges Common Data Environment (CDE) zur Verfügung, welches die künftige openCDE-Schnittstelle unterstützt (CDE nutzen).
  3. Notwendig sind Modelle, die vom AN weiterverarbeitet werden können (IFC weiterentwickeln).
  4. Die Strukturen des Modells und das Leistungsverzeichnis müssen so aufeinander abgestimmt sein, dass daraus ein Bauzeitenplan (4D-Modell) erzeugt werden kann. Unter anderem sind Bauabschnitte in der Modell- und LV-Struktur zu berücksichtigen.
  5. Die notwendigen BIM-Applikationen für mobile Endgeräte sind teilweise im Entwicklungsstadium oder noch nicht vorhanden. Hier sind die Softwareanbieter gefordert gemeinsam mit der Bauwirtschaft die notwendigen Systeme zu entwickeln.
  6. BIM erfordert leistungsfähige und flächenabdeckende Daten-, vor allem auch Mobilfunknetze..
    Beschreibung: Die notwendige Informationserfassung in Echtzeit während der Bauphase, für die im Szenario „Aufbruch“ von BIM4INFRA definierten Anwendungsfälle, erfordert unbedingt eine durchgängige, stabile und leistungsfähige Funk- und Datennetzabdeckung. Die Netzinfrastruktur muss von der Politik flächendeckend und nicht nutzerbezogen umgesetzt werden.