Klimarunde BAU

Umwelt & Bautechnik

Positionspapier "Technologiefreiheit gewährleisten"

Herausforderungen für den Bau

Die Schaffung von Wohnraum und Infrastrukturen bleibt auch in den kommenden Jahren eines der wichtigsten Themen für Städte und Kommunen. Wohnraum soll nicht nur bedarfsgerecht und bezahlbar sein, es müssen auch alle gesetzlichen Anforderungen, beispielsweise an die Energieeffizienz, erfüllt werden. Im Kampf gegen den Klimawandel und die Ressourcenverknappung hat sich die Förderung nachhaltiger Bauwerke von einer Option hin zu einer Notwendigkeit entwickelt. Alle Baubeteiligten, Architekten und Ingenieure, öffentliche und private Bauherren und Investoren sowie Baustoffhersteller und Bauausführende stehen vor der Herausforderung, bei Planung, Errichtung, Nutzung und Rückbau von Bauwerken sowohl wirtschaftliche und ökologische Aspekte als auch Baukultur, Sicherheit, Gesundheit und Komfort der Nutzer gleichermaßen zu berücksichtigen. Einfluss darauf haben unter anderem die gewählten Baustoffe, die Bauweise und das Bauverfahren, aber auch die Art und Weise der Nutzung.

 

Bauwerke ganzheitlich bewerten

Als Baustoffe, die hier als Begriff im Sinne von Bauprodukten zur Errichtung von Bauwerken genutzt werden, können mineralische Materialien, Metalle, Kunststoffe oder nachwachsende Baustoffe zur Anwendung kommen. Jeder Baustoff weist dabei in Abhängigkeit von Rohstoffeinsatz, Herstellungsprozess, Transportentfernungen und Einbauverfahren sowie Rezyklierbarkeit und Entsorgung eine eigene Ökobilanz auf. Bei einer unbedingt erforderlichen ganzheitlichen Betrachtung auf der Ebene des gesamten Bauwerks sind im Sinne der Nachhaltigkeit darüber hinaus auch wirtschaftliche, technisch-funktionale und soziale Aspekte einzubeziehen. Dazu gehören eine gesunde Innenraumluftqualität, ein optimiertes Raumklima im Winter wie Sommer, visueller Komfort, Schallschutz, Brandschutz, Schutz vor Sturm und Hochwasser, Behinderten- und Altersgerechtigkeit, Sicherheit und Beleuchtung, Ästhetik oder auch die räumliche und technische Flexibilität.

 

Wettbewerb als Schlüssel für Innovation  

Mit Blick auf die Mannigfaltigkeit der Anforderungen wird deutlich, dass Nachhaltiges Bauen die Vielfalt an Baustoffen braucht und damit einen technologie- und baustoffunabhängigen Wettbewerb. Daher bedarf es keiner gesetzlich festgelegten Quote für einen Baustoff, sondern Produktneutralität in den Ausschreibungen. Letztendlich ist der für alle Baustoffe offene Wettbewerb der Schlüssel zu mehr Innovation im Bau. Die Herstellung klimaneutraler Baustoffe und die Sicherstellung einer weitestgehend geschlossenen Kreislaufwirtschaft inklusive Wiederverwendung beziehungsweise Weiternutzung ist eine Zukunft sichernde Aufgabe.

 

Nachhaltigkeit braucht Technologieoffenheit

Die politischen Weichen für Nachhaltiges Bauen und einen klimaneutralen Gebäudebestand sind auf europäischer Ebene mit dem Green Deal bereits gestellt. National existieren bereits seit 20 Jahren Bewertungssysteme für die Nachhaltigkeit von Bauwerken, die nun in eine breite Anwendung gebracht werden müssen. Wie bei den Baustoffen darf auch die Wahl der Bauweise, ob Leicht- oder Massivbau, sowie die Anwendung einzelner Bauverfahren, ob modular, seriell, klassisch (individuell) oder mit 3D-Druck, keiner Wettbewerbseinschränkung durch gesetzliche Vorgaben unterliegen. Ausschlaggebend für eine Bewertung auf Bauwerksebene muss die bestmögliche Erfüllung der Nachhaltigkeitskriterien sein.  

 

Die Klimarunde BAU

Die Klimarunde BAU hat sich als Zusammenschluss wesentlicher Teile der Wertschöpfungskette das Ziel gesetzt, Klimaschutzpotenziale im Baubereich zu erkennen und zu heben, voneinander zu lernen und Ansprechpartner für die Politik zu sein. Die Partner der Klimarunde BAU sind sich einig im Ziel, Klimaneutralität im Bausektor zu erreichen. Dabei setzen sie sich für ganzheitliche Lösungsansätze ein.

Mit gemeinsam erarbeiteten Positionierungen beleuchtet die Klimarunde BAU ihre Vorstellungen hin zur Erreichung des Klimaziels. Das vorliegende Papier gehört zu einer Reihe von Ergebnissen des laufenden Diskussionsprozesses. Dabei ist die Identifikation von Themen und Lösungsvorschlägen für die Klimarunde nicht abschließend, sondern soll fortlaufend aktualisiert und ergänzt werden.

www.klimarunde-bau.de

Stand Mai 2021