Bauen statt streiten: Partnerschaftsinitiative gestartet

„Bauen statt streiten“ – dieses Angebot macht die Bauindustrie, um öffentliche Bauprojekte effizienter im Termin- und Kostenrahmen umzusetzen. Rund 200 Gäste aus Bundesverwaltung und -politik nahmen teil.

 
„Wir setzen dabei auf Partnerschaftsmodelle, bei denen sich alle Projektpartner auf Augenhöhe begegnen und gemeinsam für den Projekterfolg einstehen.“ Mit diesen Worten eröffnete Dipl.-Ing. Peter Hübner, Präsident des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, die Konferenz „Partnerschaftlich planen, bauen und betreiben“ am 27. Juni in Berlin und gab damit den Startschuss für eine Partnerschaftsinitiative, mit der die Bauindustrie in den nächsten Monaten auf öffentliche Auftraggeber zugehen will. An der Veranstaltung, die auf Initiative des Arbeitskreises Partnerschaftsmodelle im Hauptverband unter der Leitung von Mag. Marcus Kaller zurückging, nahmen rund 200 Gäste aus Bundesverwaltung und -politik teil.
 
In einer Broschüre mit dem Titel „Bauen statt streiten – Partnerschaftsmodelle am Bau: kooperativ, effizient, digital“ beschreibt die Bauindustrie verschiedene Ansätze des partnerschaftlichen Bauens, Rahmenbedingungen für ein kooperatives Miteinander auf der Baustelle sowie die dahinterstehenden Vertragsmodelle. „Die Best-Practice-Beispiele unserer Mitgliedsunternehmen zeigen, dass ein partnerschaftlicher Umgang auf der Baustelle bereits heute möglich ist. Wir möchten unsere öffentlichen Partner ermutigen, diese Modelle gerade bei großen Infrastrukturprojekten noch stärker zu nutzen.“
 
Hübner betonte, dass die Bauindustrie mit ihrer Partnerschaftsinitiative den öffentlichen Bau wieder auf „Kurs“ bringen wolle. In der Vergangenheit sei es immer schwerer geworden, Projekte zu benennen, bei denen alles glatt gelaufen sei und alle Beteiligten zufrieden gewesen wären. Meist würden in der Öffentlichkeit nur Bauvorhaben diskutiert, bei denen Termine überschritten worden sind und die den Budgetrahmen gesprengt haben. Die Gründe für diesen Befund seien unter anderem in der Reformkommission „Bau von Großprojekten“ aufgearbeitet worden und lägen vor allem in einer mangelnden Projektvorbereitung, aber auch an mangelndem Know-how und fehlenden Kapazitäten auf öffentlicher Seite. Hier räche sich, dass die Bauverwaltungen in den vergangenen Jahren stark abgebaut worden sind. Als einen möglichen Weg aus der augenblicklichen Situation sieht Hübner Partnerschaftsmodelle: „Sie zeigen einen Weg auf, bei dem sich die öffentliche und private Seite auf Augenhöhe begegnen. Eine Partnerschaft, bei der alle Projektbeteiligten gemeinsam und lösungsorientiert vorgehen, anstatt auf der Baustelle gegeneinander zu arbeiten.“
 
Steffen Bilger, parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, rief dem Auditorium in seiner Keynote-Rede die Ergebnisse der Reformkommission „Bau von Großprojekten“ in Erinnerung und legte dar, wie die Empfehlungen Schritt für Schritt umgesetzt werden sollten. Wesentlich sei dabei der Leitfaden Großprojekte, der konkrete Handlungsanleitungen zur Umsetzung dieser Empfehlungen liefere. Ziel sei es, eine unmittelbare Hilfestellung für mehr Partnerschaft und Verlässlichkeit bei Großprojekten bereitzustellen. Insofern unterstütze die Partnerschaftsinitiative auch die Ziele des Bundesverkehrsministeriums.
 
Eine zentrale Rolle auf der Veranstaltung nahm die Vorstellung der Broschüre „Bauen statt streiten – Partnerschaftsmodelle am Bau: kooperativ, effizient, digital“ durch den Vorsitzenden des Arbeitskreises Partnerschaftsmodelle, Marcus Kaller, ein. In dieser Broschüre werden verschiedene Ansätze des partnerschaftlichen Bauens, Rahmenbedingungen für ein kooperatives Miteinander auf der Baustelle sowie die dahinterstehenden Vertragsmodelle erläutert. Als wesentliche Elemente des Partnerschaftskonzepts nannte Kaller die Zusammenarbeit aller Projektbeteiligten auf einer digitalen Plattform – Stichwort BIM, die frühzeitige Einbindung der Bauunternehmen in die Planung, die Optimierung des Bauprozesses sowie die Optimierung des Projekts über den Lebenszyklus.
 
Gleichzeitig sei aber auch ein Umdenken aufseiten der öffentlichen Hand notwendig. „Ein modernes Baumanagement kann nicht mit starren Lösungen, wie der strikten Trennung von Planen und Bauen oder dem alleinigen Vorrang der Fach- und Teillosvergabe, gelingen“, zeigte sich Kaller überzeugt. Anstatt „einer Lösung“ für alles, sollte aus einer Vielfalt von Modellvarianten die passgenaue, das heißt die geeignetste und wirtschaftlichste Lösung für ein Bauvorhaben ausgewählt werden. Die Modellvielfalt der Bauindustrie erstrecke sich dabei von der Fach- und Teillosvergabe über GU-Verträge bis hin zu Design-and-Build, Partnering und Öffentlich Private Partnerschaften (ÖPP). „Dass die Ideen der Bauindustrie und das dahinterstehende Partnerschaftskonzept auch funktionieren können, zeigen heute bereits viele Projekte im Hoch- und Verkehrswegebau, die als Best-Practice-Beispiele in der Broschüre dargestellt werden. Ziel ist es, mit der Partnerschaftsinitiative einen Anstoß für einen Kulturwandel am Bau geben zu können, immer mit dem Ziel vor Augen: zu bauen und nicht zu streiten“, fasste Kaller zusammen.
 
Zum Ausklang der Veranstaltung konnte Bauindustrie-Präsident Hübner Alexander Dobrindt, CSU-Landesgruppenchef und ehemaligen Bundesverkehrsminister, begrüßen und es gab ausreichend Zeit für Networking auf der Dachterrasse des E-Werks.

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