Das Bauteam-Verfahren

Dipl.-Ing. Marcus Becker, Vizepräsident Wirtschaft HDB
 
In Deutschland wird Planen und Bauen im öffentlichen Bauen getrennt. Zugleich wird der ausführenden Bauwirtschaft eine untergeordnete, dienende Rolle zugewiesen. Das traditionell konfrontative Vertragsverhältnis zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer im öffentlichen Bau ist geprägt von Informationsasymmetrien, zusätzlich versucht jede Seite, verborgene Absichten und verborgene Eigenschaften im Vertrag unterzubringen. Die mangelnde Abstimmung führt zu einem unterschiedlichen Verständnis vom Bausoll. Diese Ausgangslage bietet ein sehr hohes Konfliktpotenzial im folgenden Bauprozess. Für mich als Bauunternehmer steht deshalb fest: Wenn schnell und kostengünstig gebaut werden soll, muss Bauen und Planen als gemeinsamer partnerschaftlicher Prozess mit einer gemeinsamen Zielvorstellung organisiert werden. Im Unterschied zur üblichen Trennung von Planen und Bauen sollten Planungs- und Bauleistungen gemeinsam abgefragt werden – mit dem erklärten Ziel, die Erfahrungen von Planern und Bauunternehmern effizient in eine partnerschaftliche Projektabwicklung einzubringen. Um das zu erreichen, ist die Kompetenz der Bauindustrie frühzeitig in den Planungsprozess einzubinden. Dafür bedarf es neben der praktischen Umsetzung auch sozialer Kompetenz, die in einer neuen Kultur des Miteinanders ihren Ausdruck finden muss. Die deutsche Bauindustrie setzt hierbei insbesondere auf Partnerschaftsmodelle, die diese „neue“ Projektkultur zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer als einen wesentlichen Bestandteil vorsehen.
 
Eines dieser Partnerschaftsmodelle ist das Bauteam-Verfahren, das sich durch eine frühzeitige Zusammenarbeit aller Projektbeteiligten auszeichnet. Zur Entwicklung eines gemeinsamen Zielverständnisses für das Projekt und gemeinsamer Vorstellungen zur Zusammenarbeit werden wirtschaftliche und soziale Kompetenz eng miteinander verbunden. So werden frühzeitig die jeweiligen Rollen der Projektpartner geklärt sowie Erwartungen und Befürchtungen offen angesprochen. Es finden regelmäßig Feedbackrunden aller Projektbeteiligten statt. Sind diese wichtigen Grundlagen einmal etabliert, begleitet und unterstützt das Bauunternehmen den Auftraggeber und alle Planer mit seiner Expertise von der Vorplanung bis zum Bauantrag und zeigt gleichzeitig gewerkeübergreifende Optimierungspotenziale auf. Kernziel ist dabei, sowohl Kosten- als auch Planungssicherheit zu haben, ebenso werden bereits vor Schluss des GÜ-Vertrages die Grundlagen einer hohen Ausführungsqualität geschaffen.
 
Vor diesem Hintergrund wird die bereits erwähnte „neue Konfliktkultur“ des Bauteam-Verfahrens gerade in der Planungs- und Bauphase besonders wichtig. So werden Konflikte nicht nur frühzeitig angesprochen, sondern es wird auch eine proaktive Haltung bezüglich der Lösung von Konflikten entwickelt. Für den Erfolg des Bauteam-Verfahrens spielt deshalb auch eine gemeinsame Aufarbeitung sämtlicher Schritte eine Rolle. Hierfür sind Feedbackrunden nach jedem Prozessschritt das adäquate Mittel. Das ist der richtige Weg, damit Bauen wieder Freude macht! Ergebnis dieser intensiven partnerschaftlichen Zusammenarbeit in allen Phasen sind eine hohe Qualität in der Bauausführung und zufriedene Projektpartner. Wichtig hierbei ist die Erweiterung des Sichtfeldes aller Planungsbeteiligten. Das heißt, dass über den technischen Prozess hinaus auch ein Fokus auf den sozialen, interaktiven Prozess gelegt wird. Allen Seiten kommt hierbei die Aufgabe zu, die Erwartungen und Befürchtungen des zukünftigen Projektpartners frühzeitig zu erkennen und ihm auf Augenhöhe zu begegnen. Das sind die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Projektoptimierung.
 

Das gemeinsame Bauteam-Verfahren mit seinen Phasen

Das Bauteam-Verfahren deckt die Phasen Planung und Bau ab, wobei die Planungsphase (HOAI LP 2–LP 5) hier in drei eigens entwickelte Phasen unterteilt wurde.
 
  1. Die erste Phase umfasst hierbei ein gemeinsames Commitment von Auftraggeber und Auftragnehmer für die zukünftige Zusammenarbeit, eine Chancen-Risiko- Abwägung und eine Grobkostenschätzung und mündet in einem verbindlichen Eckpunktepapier.
     
  2. In der zweiten Phase werden neben den Architekten auch immer die Fachplaner und späteren Projektleiter eingebunden, um gemeinsam das Bausoll zu erarbeiten und eine Bewertung und Minimierung der Risiken vornehmen zu können. Die Erfahrung zeigt, dass hier bereits eine Kostensicherheit von 95 Prozent erreicht werden kann. 
     
  3. Nach der dritten Phase, in der alle Gutachten, die vollständige Genehmigungsplanung inklusive Fachplanung und das Bausoll gemeinsam erstellt wurden, wird der Bauantrag gestellt und gleichzeitig der Bauvertrag abgeschlossen. Somit sind bereits in dieser Phase die Baukosten festgeschrieben.

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