Gastkommentar

Steffen Bilger, MdB,
Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium
 

Ziel bleibt es, dass ab Ende 2020 alle vom Bund fnanzierten Verkehrsprojekte mit der Methode BIM geplant, gebaut und später auch betrieben werden. 

 

Die Digitalisierung der Planungsabläufe und des Bauens bietet große Chancen für alle Akteure, um schneller und besser unsere Infrastruktur zu modernisieren. Das war auch der Tenor der Konferenz „Partnerschaflich planen, bauen und betreiben“, bei der die Bauindustrie am 27. Juni im sommerlichen Berlin für eine bessere, eben partnerschafliche Projektkultur bei Politik, Wirtschaf und Verwaltung warb. Mein Grußwort zu den Empfehlungen der Reformkom- mission Bau von Großprojekten stand daher ebenfalls bewusst unter dem Motto „Mehr Partnerschaf am Bau“. Schließlich sollen die rund 14 Milliarden Euro jährlich aus unserem Investitionshochlauf möglichst rasch der Verkehrsinfrastruktur zugutekommen. Einen wichtigen Efzienzgewinn wird die Strafung der Verfahren in Verbindung mit der Vermeidung von Doppelprüfungen bringen – davon proftieren alle Projektbeteiligten.

Und genauso versprechen wir uns von der Digitalisierung eine höhere Kostenwahrheit und mehr Transparenz – zu den Auswirkungen des Projekts als auch zu seinen Kosten –, eine bessere Minimierung von Projektrisiken, eine höhere Termintreue und Efzienzsteigerungen über die gesamte Lebensdauer der Infrastruktur. Letztlich geht es darum, Steuermittel efzienter einzusetzen, was nicht zuletzt für mehr Akzeptanz auch bei großen Investitionen sorgt. 

 
Deswegen arbeiten wir im Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) intensiv an der Umsetzung des Stufenplans Digitales Planen und Bauen und stellten dazu erhebliche Mittel zur Verfügung – aktuell 48,5 Millionen Euro im Zeitraum 2016 bis 2022. Für „BIM“, kurz für Building Information Modeling, haben wir bisher 30 Pilotvorhaben für Schiene, Straße und Wasserstraße initiiert und 5 Forschungsvorhaben vergeben. Ziel bleibt es, dass ab Ende 2020 alle vom Bund fnanzierten Verkehrsprojekte mit der Methode BIM geplant, gebaut und später auch betrieben werden. 
 
Im aktuellen Koalitionsvertrag wird die Bedeutung von BIM nochmals unterstrichen, denn BIM soll baldmöglichst bei allen neu zu planenden Verkehrsinfrastrukturprojekten angewendet werden. Dabei sollen die Digitalisierung des Planens und Bauens in der gesamten Wertschöpfungskette Bau vorangetrieben und die Interessen des Mittelstands und kleinerer Planungsbüros berücksichtigt werden. Zudem sehen wir die Chance, dass Deutschland im Infrastrukturbau auch international eine Vorreiterrolle bei der Einführung von BIM einnehmen kann. Dies alles verpfichtet uns, die bisherigen Aktivitäten zu BIM weiter auszudehnen und die Umsetzung des Stufenplans durch weitere Maßnahmen zu fankieren. Wichtigste Bausteine sind die Gründung eines nationalen BIM-Kompetenzzentrums und der Aufau einer BIM-Cloud. Darüber hinaus wollen wir die anwendungsnahe Forschung und den Technologietransfer, Normung und Standardisierung sowie die Vernetzung der verschiedenen BIM-Akteure voranbringen. Eine sehr wichtige Aufgabe ist auch die Qualifzierung unseres nachgeordneten Verwaltungsbereichs. 
 
Analog dazu sehen wir weiteren Forschungsbedarf vor allem bei der Standardisierung der Interoperabilität. Pränormative Forschung ist essenzielle Voraussetzung für nationale und internationale Standar- disierungsbemühungen. Da dies von der Privatwirtschaf nicht abgedeckt wird, bedarf es hier staatlicher Unterstützung. Forschungsbedarf besteht auch bei der besseren Integration und Nutzung von BIM in der Betriebsphase und der Entwicklung umfassender Lebenszyklusmodelle. Dadurch sollen erhebliche qualitative und fnanzielle Potenziale, zum Beispiel bei der Wartung des Verkehrsnetzes, bei der Umgestaltung von Bahnhofsgebäuden, bei der Anwendung umweltfreundlicherer Technologien, bei der Messung und Nutzung von Verkehrsströmen oder bei der Steigerung der Zuverlässigkeit von Informationen für Verkehrsteilnehmer gehoben werden. Weitere Temen, denen wir uns im Zusammenhang mit BIM zuwenden, sind die bessere Nutzung geografscher Informationssysteme (GIS) und die Entwicklung intelligenter Städte und Regionen („smart cities“, „smart regions“). 
 
Zudem werden wir uns in dieser Legislaturperiode noch stärker darum bemühen, die Zusammenarbeit mit allen betrofenen Ressorts in Sachen BIM zu verstärken. So haben wir mit dem Baubereich des BMI bereits bei einer Vielzahl von Projekten Schnittmengen identifziert, die wir nun verstärkt nutzen wollen. 
 
Wir sehen aber auch, dass die Chancen zur Digitalisierung der Baubranche über BIM hinaus überaus vielfältig erscheinen. Es sind hier sicher bei Weitem noch nicht alle Anwendungsfelder erdacht. Die von uns geförderten Forschungsvorhaben lassen aber erkennen, wohin die Reise geht. Besondere Bedeutung wird sicher den Drohnen, der Sensorik, der Robotik, dem 3D-Druck sowie der künstlichen Intelligenz zukommen. 
 
Mein Fazit: Wenn all das partnerschaflich erledigt wird, die Projektschritte künfig verstärkt im Miteinander erfolgen, dann werden wir unsere Bauvorhaben erfolgreich realisieren.

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