... auf den Punkt gebracht

Auswirkungen des Krieges in der Ukraine auf die deutsche Bauindustrie

91% der an der Umfrage beteiligten Personen berichteten über deutliche Auswirkungen des Krieges auf ihr Unternehmen - wie Preissteigerungen und Lieferengpässe bei Baumaterial. Jeder vierte gibt an, seine Geschäfte mit Russland eingeschränkt zu haben, bzw. plant dies. 71% berichten von Verzögerungen bei laufenden Projekten, 29% über Auftragsstornierungen.

Der Krieg in der Ukraine wird die schon seit einem Jahr bestehenden Lieferengpässe und Preissteigerungen bei Baumaterialien sowie Verzögerungen bei einzelnen Bauprojekten weiter verstärken. Dies ergab die Auswertung der 2. BAUINDUSTRIE-Umfrage zu den „Auswirkungen des Krieges in der Ukraine auf die Bautätigkeit in Deutschland“. Die 1. Umfrage wurde vom 14. bis zum 17. März und die 2. vom 4. bis 7.4. durchgeführt. An der 1. haben 451 und an der 2. 328 Personen teilgenommen. Die Ergebnisse vermitteln ein Stimmungsbild über die Situation in der BAUINDUSTRIE (Detailergebnisse siehe Anlage).

Von den 328 Umfrage-Teilnehmern beziehen 27% Baumaterial aus Russland oder aus der Ukraine. Der Anteil lag in der 1. Schnellumfrage noch bei 33%. Hier scheinen sich schon die Lieferengpässe bemerkbar zu machen. 91% sind von direkten oder indirekten Auswirkungen des Krieges in der Ukraine betroffen (Vorumfrage Mitte März: 83%). Davon gaben 84% an, dass die o.g. Probleme stark, bzw. sogar sehr stark ausgeprägt sind.

Welche Probleme?

90% aller Umfrageteilnehmer (nicht nur der Betroffenen) klagten über Preissteigerungen bei Baumaterial (Mehrfachnennungen möglich) und 80% über Lieferengpässe (Vorumfrage: 79% bzw. 64%).

Dies betrifft überwiegend Dieselkraftstoff und Stahl: 78%, bzw. 76% der Umfrageteilnehmer gaben dies an (Mehrfachnennungen möglich). Die starken Preissteigerungen des Vorjahres werden sich somit vermutlich weiter fortsetzen. 57% berichteten über Lieferengpässe und Preissteigerungen bei Bitumen und Asphalt, 55% bei Zement/Beton, 42% bei Holz und 28% bei Spundwänden. 71% klagten über gestiegene Energiekosten.

Neben deutlichen Preissteigerungen ist es zum Teil auch nicht mehr möglich, von den Lieferanten Preiszusagen zu bekommen, oder es gibt nur noch tagesaktuelle Preise, 84% bzw. 85% gaben dies an. 81% klagten auch über Preissteigerungen beim Transport und 49% über Logistikprobleme. Allerdings beklagten nur 13% einen Fachkräftemangel wegen fehlender Arbeitskräfte aus den betroffenen Regionen.

Die derzeit schon hohen Auftragsbestände in der Branche werden voraussichtlich nicht so schnell abgearbeitet werden: Immerhin berichteten 71% der von den o.g. Problemen Betroffenen von Verzögerungen bei laufenden Bauprojekten.

Auswirkungen auf die Angebotsabgabe

Die aktuelle Situation hat auch deutliche Auswirkungen auf die Auftragssituation sowie auf die Angebotsabgabe der Bauunternehmen. Immerhin berichteten 29% der von den o.g. Problemen betroffenen Umfrageteilnehmern, von Auftragsstornierungen betroffen zu sein, in der Vorumfrage lag der Anteil noch bei 24%.

89% berichteten von Auswirkungen auf die Angebotsabgabe: So gaben 40% der Umfrageteilnehmer an, dass der Auftraggeber sein Projekt zurückgestellt habe (Mehrfachnennungen möglich), in der Vorumfrage gaben dies noch 23% an. Aufgrund der derzeit nicht kalkulierbaren Situation und Preisentwicklung berichteten 32%, dass sie keine Angebote mehr abgeben können. Es gab sogar jeder zweite der Umfrageteilnehmer an, nur noch Auftraggeber zu bevorzugen, die eine Preisgleitung akzeptieren, in der Vorumfrage meldeten dies 39%. Mittlerweile geben 33% der Umfrageteilnehmer an, dass man sich mit dem Auftraggeber auf eine Preisgleitung geeinigt hätte, im März lag der Anteil nur bei 18%. 47% der Umfrageteilnehmer gaben allerdings auch an, dass sie die Preissteigerungen nicht weitergeben können und das Angebot somit auf eigenes Risiko erfolgt.

Siehe auch:
….auf den Punkt gebracht: „Deutliche Preissteigerungen bei Baumaterialien seit Jahresbeginn 2021