Bauindustrielles Sanieren

Deutschland wird seine Klimaziele 2020 verfehlen. Statt der angestrebten Reduktion der Treibhausgase um 40 % (bezogen auf die Werte von 1990) wird die Verringerung der Emissionen bis 2020 lediglich 32 % betragen. So steht es im aktuellen Klimaschutzbericht der Bundesregierung. Damit Deutschland die Energiewende doch noch zum Erfolg führen und die Klimaziele 2050 erreichen kann, haben der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), die deutschen Wissenschaftsakademien (ESYS) und die Deutsche Energie-Agentur (dena) gemeinsame Empfehlungen für sieben Handlungsfelder vorgelegt. 
 
Zum Gebäudesektor heißt es in den gemeinsamen Empfehlungen, dass eine Erhöhung der jährlichen Sanierungsrate von heute einem Prozent auf mindestens 1,4 bis 2,0 % notwendig sei. Derzeit sind Gebäude für ca. 35 % des Gesamtenergieverbrauchs und etwas ein Drittel der CO2-Emissionen verantwortlich. Das Reduktionspotenzial dieses Sektors liegt vornehmlich im Bereich Wärme. Da die Sanierungsquote trotz zahlloser Förderprogramme und Appelle seit vielen Jahren stagniert, sind neue Herangehensweisen gefragt.
 

Bauindustrielle Sanierungskonzepte

Um endlich eine Sanierungsquote in der energetischen Ertüchtigung unseres Gebäudebestands zu erreichen, braucht es attraktive, effiziente und vor allem großmaßstäbliche Lösungsansätze. Serielle und industrielle Bauweisen können hier einen wichtigen Beitrag leisten. Über den Einsatz von Fertigteilen und die modulare Vorfertigung hinausgehend, ist es möglich, den gesamten Prozess seriell aufzusetzen.

Voraussetzung für den wirtschaftlichen Erfolg derartiger Konzepte ist ein entsprechend seriell bearbeitbarer Projektzuschnitt. Um die Kleinteiligkeit und Individualität von Bestandssanierungen mit ihren schwer kalkulierbaren Risiken in effizienten und kostengünstigen Prozessen zusammenzufassen, sind daher bestimmte Projektmindestgrößen und/oder entsprechend ausgestaltete Vertragsmodelle unabdingbare Voraussetzung.

Die dadurch entstehenden Synergien sollten insgesamt für die energetische Konzeption von Gebäuden nutzbar gemacht werden. Ein wichtiger erster Schritt wäre es, den sogenannte Quartiersansatz auf einen Portfolioansatz zu erweitern, der die gemeinsame Bearbeitung auch nicht räumlich zusammenhängender Gebäudebestände ermöglicht. Des Weiteren muss der Fokus endlich vom Wohnungsbau auf alle anderen Gebäudetypologien erweitert werden. Umfassende Servicepakete könnten die komplette Projektabwicklung von der Bestandsaufnahme über das Mietermanagement bis in die Betriebsaufnahme beinhalten. Den Lebenszyklus umfassende Vertragsmodelle (inkl. Gebäudebetrieb, z.B. öffentlich-private Partnerschaften, Gebäudecontracting) begünstigen darüber hinaus die zusammenhängende Konzeption und optimale Ausschöpfung potenziellen Synergien.

 

Rahmenbedingungen

Um bauindustrielle Sanierungskonzepte großmaßstäblich anzureizen, sind neben den immer wieder angemahnten steuerlichen Förderungen weitere Rahmenbedingungen erforderlich.

  • Investitions- und Förderprogramme sind im Sinne großmaßstäblich umsetzbarer Flächenprojekte auszugestalten.
  • Gemeinsame Anrechenbarkeit und Bewirtschaftung nicht räumlich zusammenhängender Portfolios müssen durch die Gesetzgebung (Gebäudeenergiegesetz) erleichtert bzw. ermöglicht werden.
  • Die Modellvielfalt der Vergabemöglichkeiten sollte gezielt eingesetzt werden, um Planung, Bau und Betrieb von Gebäuden auch in energetischer Hinsicht zu optimieren.
  • Die öffentliche Hand hat mit ihrem eigenen Gebäudebestand eine besondere Verantwortung und Vorbildwirkung, die sich insbesondere auch auf Gebäudetypologien außerhalb des Wohnungsbaus erstreckt (Verwaltungsbauten, Schulen, Kultur- und Sonderbauten).

Die Bauindustrie wird in den kommenden Monaten mit Vertretern der Gebäudewirtschaft und der Politik eine Gesprächsreihe zum bauindustriellen Sanieren eröffnen. Erste Sondierungen ergaben bereits ein großes Interesse.

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