... auf den Punkt gebracht

Baukonjunkturelle Lage: Krieg in der Ukraine bedroht Baujahr 2022

Der russische Einmarsch in die Ukraine und der seitdem andauernde Krieg, die Probleme bei den internationalen Lieferketten und die Zinswende haben vielfältige Auswirkungen auf die Baukonjunktur in Deutschland.

  • Die Wirtschaftsforscher haben ihre Erwartungen an das gesamtwirtschaftliche Wachstum in Deutschland deutlich nach unten revidiert, im Durchschnitt wird nun für 2022 nur noch ein reales Wachstum des Bruttoninlandsproduktes von 2,0 % erwartet.
  • Die drei Umfragen der BAUINDUSTRIE unter den Mitgliedsunternehmen zeichnen ein relativ düsteres Bild:
    • Ein Drittel der Unternehmen beziehen Baumaterial aus Russland oder der Ukraine.
    • Neun von zehn Firmen beklagen Auswirkungen des Krieges auf ihr Unternehmen.
    • Die Probleme liegen hauptsächlich in der mangelnden Verfügbarkeit und den starken Preissteigerungen bei diversen Baumaterialien sowie beim Bruch von Logistikketten.
    • 80 % der Unternehmen sehen diese Probleme als stark beziehungsweise sehr stark an.
    • 74 % der Firmen beklagen Verzögerungen bei laufenden Bauprojekten, 35 % sind von Stornierungen betroffen.
  • Die negativen Auswirkungen zeigen sich auch bei anderen Umfragen: So beklagten im Rahmen des ifo-Konjunkturtestes im Juni 44 % der Baufirmen eine Behinderung ihrer Produktion durch Materialknappheit, gegenüber dem Mai (52 %) ist dies allerdings ein Rückgang.
  • Die Erzeugerpreise für Baumaterialien, die bereits 2021 stark zugelegt hatten, steigen aktuell wieder auf breiter Front. So lag zum Beispiel im Mai der Preisindex für Bitumen um 61 % über dem Wert des Vorjahresmonats, bei Betonstahl waren es sogar 80 %.
  • Entsprechend hat sich die Stimmung der Baufirmen stark eingetrübt. Im März stürzte der Saldo der Geschäftserwartungen im deutschen Bauhauptgewerbe genauso stark ab wie zum Zeitpunkt des ersten harten Lockdowns in der Corona-Krise im April 2020.

Die Konjunkturindikatoren haben sich im ersten Quartal 2022 noch positiv entwickelt. Der Auftragseingang im Bauhauptgewerbe legte nominal um 17,8 % zu, real war dies ein Wachstum von 4,1 %. Der baugewerbliche Umsatz stieg wegen der guten Witterungsbedingungen um nominal 19,7 %, real um 5,6 %. Der Auftragsbestand lag Ende März 2022 real um 1,6 % über dem Vorjahreswert.

Im April kam es aber zu einem deutlichen negativen Umschwung, der wohl vor allem auf die Probleme bei der Versorgung mit Baumaterial zurückzuführen sein dürfte. Der reale Auftragseingang ging um 11,7 % zurück, der baugewerbliche Umsatz um 9,5 %. Bei beiden Kennziffern wurde dadurch das Wachstum des ersten Quartals komplett aufgezehrt.

Die BAUINDUSTRIE geht (Stand Ende Juni) davon aus, dass sich der reale Umsatz im laufenden Jahr zwischen Stagnation und einem Rückgang von 2 % bewegen wird. Die Zahl der jahresdurchschnittlich Beschäftigten im Bauhauptgewerbe wird leicht auf 920.000 steigen.

Den vollständigen Bericht zur baukonjunkturellen Lage können Sie dem Dokument "Auf den Punkt gebracht: Baukonjunkturelle Lage Mai 2022" entnehmen.