Beschäftigung von Flüchtlingen in der Bauwirtschaft

Die Beschäftigung von Flüchtlingen in der Bauwirtschaft ist ein wichtiges Thema, mit dem sich die Unternehmen intensiv auseinandersetzen. Dabei muss jedoch festgestellt werden, dass die Potentiale zur Integration von Geflüchteten in den deutschen Arbeitsmarkt vor allem auf längerfristiger Sicht bestehen, während eine kurzfristige Linderung des Fachkräftemangels in der Baubranche nicht erwartet werden kann.

Eine kurzfristige Integration erweist sich deshalb als schwierig, da knapp dreiviertel und somit ein Großteil der Beschäftigen im Bauhauptgewerbe Facharbeiter sind. Unter den Geflüchteten sind aber kaum ausgebildete Baufacharbeiter, da eine vergleichbare Form der Ausbildung in den Herkunftsländern meist nicht existiert. Einer Beschäftigung als Hilfsarbeiter steht wiederum entgegen, dass die geringe Nachfrage nach Hilfsarbeitern seitens der Bauunternehmen auf ein ausreichendes Angebot an arbeitslosen deutschsprachigen Helfern trifft. Entsprechend haben erst wenige Geflüchtete eine Beschäftigung in der Bauwirtschaft gefunden: Lediglich 0,8 % der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Baugewerbe stammten im Juni 2018 aus Kriegs- und Krisenländern.

Langfristig sieht der HDB aber das Potenzial einer Integration über Deutschkurse und Ausbildung in Bauberufen, schließlich ist ein Großteil der Geflüchteten noch jung. Dass auf Seiten der Bauunternehmer auf jeden Fall Interesse besteht, bestätigt eine Umfrage des DIHK: Demnach bildet schon jetzt jedes fünfte Bauunternehmen Flüchtlinge aus und weitere 19 % planen, dies in den kommenden zwei Jahren zu tun. Als Grundvoraussetzung für eine Ausbildung nannten die Bauunternehmen allerdings fortgeschrittene Deutschkenntnisse und einen gesicherten Aufenthaltsstatus.

Vor diesem Hintergrund engagieren sich die Ausbildungszentren der Bauindustrie in vielfältiger Weise. Die Aktivitäten gehen von Berufsorientierungsmaßnahmen, Potenzialanalysen, berufsvorbereitenden Maßnahmen, außerbetrieblicher Ausbildung bis hin zur klassischen überbetrieblichen Ausbildung, sofern der Einstieg in Ausbildung bereits erfolgt ist. Einige Ausbildungszentren agieren auch im Rahmen entsprechender Förderprogramme als „Willkommenslotsen“. Die Nachfrage unterscheidet sich dabei regional erheblich und ist insbesondere in Hamburg, Hessen (Frankfurt a. M.) und Nordrhein-Westfalen spürbar.

Die Integration in Ausbildung und Arbeit stellt die Bauwirtschaft vor eine große Herausforderung. Die größte Hürde ist dabei das Verständnis des deutschen Ausbildungssystems. Eine zwei- oder dreijährige Ausbildung wird trotz der überdurchschnittlich hohen Ausbildungsvergütung in der Bauwirtschaft im Vergleich zu einer geringqualifizierten Beschäftigung als unattraktiv angesehen. Oftmals steht der Wunsch nach einem direkten Einkommen einer qualifizierten Ausbildung entgegen. Abgesehen von den Ballungsgebieten ist es daher schwierig, Teilnehmer aus dem Kreis der Flüchtlinge zu gewinnen.

 

Bis heute stellen die fehlenden Deutschkenntnisse das größte Problem dar. Flüchtlinge, die erfolgreich eine Ausbildung durchlaufen haben, scheitern teilweise am theoretischen Teil der Abschlussprüfung. Dies wird als frustrierend angesehen, da die praktischen Leistungen häufig überdurchschnittlich sind und ein Einsatz als Facharbeiter möglich wäre. Einige Ausbildungszentren haben daher – auf eigene Kosten – damit begonnen, für Flüchtlinge in Ausbildung zusätzlich Sprachkurse anzubieten.

Erste (kleine) Erfolge sind bereits heute sichtbar: 2018 konnte die Bundesagentur für Arbeit 4.650 Personen aus Kriegs- und Krisenländern in die Ausbildung von Bauberufen vermitteln, das waren knapp 50 % mehr als ein Jahr zuvor und mehr als vier Mal so viele wie 2016. Von den 4.650 wurden etwas mehr als 700 in Betriebe des Hoch- und Tiefbaus vermittelt, ein Jahr zuvor waren es 500, 2016 lediglich 200.

Die überdurchschnittlich gute Entwicklung der Ausbildungszahlen in der Bauwirtschaft – schließlich ist die Zahl der neuen Ausbildungsverträge 2017 um 7,6 % und 2018 um 8,6 % auf 14.000 gestiegen – ist somit auch dem Engagement der Bauunternehmer bei der Integration Geflüchteter in den deutschen Bauarbeitsmarkt zu verdanken.

Als besonders hilfreich bei der Integration von Flüchtlingen hat sich das Einstiegsqualifizierungsprojekt „Berufsstart Bau“ erwiesen. Das von den Tarifvertragsparteien der Bauwirtschaft entwickelte Projekt wird ausschließlich aus Mitteln der Sozialkassen der Bauwirtschaft finanziert. Ziel ist es, Jugendliche, die aus verschiedenen Gründen noch nicht für den direkten Einstieg in Ausbildung geeignet sind, auf diesen vorzubereiten. Dies geschieht mit Hilfe von Sozialpädagogen, Stützlehrern sowie Ausbildern in unseren Ausbildungszentren und im Rahmen eines betrieblichen Praktikums. Diese intensive Betreuung ist erforderlich, da ein direkter Einstieg in eine Ausbildung nur in den wenigsten Fällen erfolgreich verläuft. Seit dem Start 2013 haben insgesamt 1.900 Teilnehmer an dem Projekt teilgenommen, 1.150 haben die Maßnahme zu Ende gebracht und 700 konnten unmittelbar eine Ausbildung anschließen oder in der Branche weiter beschäftigt werden. Mittlerweile wird das Projekt auch genutzt, um die Integration von Flüchtlingen in die Ausbildung zu fördern.

Abgesehen von der Zielgruppe der Flüchtlinge werden mittlerweile auch Auszubildende im Ausland (z. B. Spanien, Bulgarien, Vietnam) aktiv angeworben, um den fehlenden Nachwuchs auszugleichen.


Siehe auch:

…auf den Punkt gebracht: „Fachkräftesituation im Bauhauptgewerbe“
Präsentation „Bauarbeitsmarkt“

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