... auf den Punkt gebracht

„Deutliche Preissteigerungen bei Baumaterialien seit Jahresbeginn 2021“

Die Baumaterialpreise steigen immer weiter: Seit Jahresbeginn sind deutliche Preissteigerungen bei Baumaterialien zu beobachten. Besonders betroffen sind hiervon Stahl, Bitumen, Holz, Kupfer und Bauchemie. Nachdem die Erzeugerpreise für Betonstahl in Stäben, Betonstahlmatten und Bitumen im Jahresdurchschnitt 2020 – aufgrund (Corona-bedingt) gesunkener Nachfrage in anderen Wirtschaftszweigen – um 7,5 % und 7,2 % bzw. sogar um 19,2 % zurückgegangen sind, haben diese seit Jahresbeginn wieder angezogen: Sie lagen (ohne MwSt.) im September 2021 um 48,9 %, 71,6 % bzw. 33,0 % über dem Niveau von Januar. Der leichte Rückgang im September zum Vormonat bei Betonstahl von 1,9 % und bei Bitumen von 0,8 % fällt dabei bisher kaum ins Gewicht. Der Preis für Betonstahlmatten hat binnen Monatsfrist hingegen weiter zugelegt (+2,8 %).

Der Preisrückgang im Jahr 2020 wurde mittlerweile mehr als überkompensiert: Der Preis für Betonstahl in Stäben lag im September 2021 um 81,8 % über dem Niveau von September 2020, der Preis für Bitumen um 36,7 %, der für Kupfer um 26,7 %. Entsprechend werden steigende Energie- und Rohstoffpreise auch wieder stärker als Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung des eigenen Unternehmens wahrgenommen: Im Rahmen der DIHK-Frühsommer-Umfrage (die Herbst-Umfrage liegt noch nicht vor) gaben dies 62 % der befragten Bauunternehmen an, zu Jahresbeginn waren es nur 35 %.

Gründe für den deutlichen Preisanstieg sind begrenzte Lieferkapazitäten der Hersteller aber auch Transportkapazitäten wegen der wieder anziehenden Nachfrage in einzelnen Wirtschaftszweigen und Regionen wie Asien und den USA. Gleichzeitig wurden in Zeiten jahrelang stagnierender Preise Überkapazitäten abgebaut und Investitionen zurückgefahren. Des Weiteren wurden Lieferketten durch Hafensperrungen (z.B. in China) unterbrochen, zusätzlich herrschen Container- und Hafenpersonalmangel sowie ein Stau von Frachtschiffen und überfüllte Depots in einzelnen Häfen. Auch wird vermehrt über „Hamsterkäufe“ zur Vorbeugung gegen weitere Preissteigerungen berichtet, welche die Nachfrage und somit die Preise erhöhen.

Hinzu kommt ein wachsendes Interesse von Investoren an Rohstoffen, insbesondere an Öl und Industriemetallen, welche als Absicherung gegen Inflation dienen sollen. Der Ölpreis wurde zwischenzeitig durch die gestiegene Nachfrage in den USA aufgrund des sich dort wieder erholenden Flugverkehrs befeuert. Die jüngste Entscheidung der OPEC die Ölfördermenge nur marginal zu erhöhen sowie die steigenden Gaspreise, die zu einem Umstieg auf Öl für die Stromerzeugung geführt haben, hat zu weiteren Preissteigerungen beigetragen.

Der BAUINDUSTRIE liegen auch Meldungen über Knappheiten und somit Preissteigerungen bei Holzprodukten (welche aufgrund gestiegener Nachfrage aus den USA vermehrt exportiert werden) und Dämmstoffen vor. So lag der durchschnittliche Preis für Bauhölzer im September 2021 um 126,3 % über dem Niveau von Januar, im Vorjahresvergleich sogar um 136,6 %. Hier ist allerdings keine Preisberuhigung in Sicht: Der Preis lag im September um 8,4 % über dem Vormonat. Der Erzeugerpreis für Dämmplatten aus Polystyrol hat sich auch deutlich erhöht: Er lag im September um 33 % über dem Niveau des Vorjahresmonats und um 35,8 % über dem Niveau von Januar. Im Vormonatsvergleich wurde ein leichtes Plus von 1,1 % ausgewiesen.

Von den Knappheiten ist eine noch nie dagewesene Anzahl an Unternehmen betroffen: Im Rahmen des ifo Konjunkturtests gaben im März nur 4 % der befragten Bauunternehmen an, in seiner Bautätigkeit durch Materialknappheit betroffen zu sein, im April waren es 19 % und im Juni schon 46 %. In den Folgemonaten kam es zur leichten Beruhigung: Der Anteil lag im September aber immer noch bei 33 %. Besonders betroffen sind aktuell die Wohnungsbauunternehmen (40 %).

Bei der Interpretation der o. g. Preissteigerungen muss berücksichtigt werden, dass es sich bei den Werten um Durchschnittswerte handelt, die Preissteigerungen können somit auch vereinzelt deutlich höher ausfallen. So fließen in die Erzeugerpreise neben Preisen aus Neuverträgen auch Preise aus langlaufenden Verträgen ein. Auch muss man berücksichtigen, dass es sich nur um Preise der in Deutschland erzeugten und im Inland verkauften Produkte handelt. Im- und Exporte werden in dieser Statistik nicht berücksichtigt. Auch werden die Indizes ohne MwSt. ausgewiesen, die Rückkehr zum alten MwSt.-Regelsatz macht sich somit nicht bemerkbar.

Für Bauunternehmen liegt das Problem von unerwartetstarken Preissteigerungen darin, dass diese bei langlaufenden Projekten nicht an die Auftraggeber weitergegeben werden können – sofern keine Preisgleitung vereinbart wurde. So gaben in einer aktuellen Herbst-Umfrage der Creditreform nur 16 % der befragten Bauunternehmen an, dass sie die Preiserhöhungen vollständig an die Kunden weitergeben konnten. 70 % können diese nur zum Teil weitergeben, der Rest bleibt komplett auf den zusätzlichen Kosten sitzen, was zu Lasten der eigenen Marge geht. Dieses Risiko kann entweder nur durch langfristige Lieferverträge, über Preisgleitklauseln oder über entsprechende Kostenpuffer im Angebot abgesichert werden. Letzteres ist bei der ausgesprochen volatilen Preisentwicklung der vergangenen Jahre und bei steigendem Konkurrenzdruck und der Neigung öffentlicher Auftraggeber, regelmäßig das billigste Angebot anzunehmen, aber nicht immer möglich. Es besteht somit die Gefahr, dass die – in den vergangenen Jahren mühsam aufgebaute – Eigenkapitalausstattung bei sinkenden Margen wieder abschmilzt und das Insolvenzrisiko im Baugewerbe wieder steigt.

Nach einem moderaten Preisanstieg für Bauleistungen 2020 von 1,8 %, bzw. für Leistungen des Bauhauptgewerbes von 1,5 % erwartet die BAUINDUSTRIEaus den o. g. Gründen für 2021 – neben Verzögerungen bei Bauprojekten wegen Materialmangels - wieder stärkere Preissteigerungen bei Bauleistungen. Die Prognosen der Forschungsinstitute liegen zwischen 5,3 % (Institut für Wirtschaftsforschung München vom 22.09.2021) und 7,1 % (DIW vom 16.09.2021).

Ob es sich bei der aktuellen Entwicklung um einen sogenannten Superzyklus oder nur um eine kurzfristige Rallye - aufgrund der verringerten Produktionskapazitäten, der stark gestiegenen Nachfrage und der gestörten Lieferketten - handelt, lässt sich jetzt noch nicht absehen. In naher Zukunft wird aber ein weiterer Faktor relevant: Die Energiewende. Diese dürfte der mit Abstand größte Treiber der Rohstoffnachfrage und somit der Preise sein. Dies betrifft u.a. Stahl und Seltene Erden für Windräder und Elektromotoren und Kupfer und Aluminium für den Ausbau der Stromnetze und der IT-Infrastruktur. Dies sind alles Produkte, die auch in der Bauwirtschaft benötigt werden. Das Problem: Die steigende Nachfrage trifft in vielen Teilen des Marktes auf ein knappes Angebot. Weitere Preissteigerungen könnten die Folge sein.