... auf den Punkt gebracht

Die Preissteigerungen bei Baumaterialien haben durch den Krieg in der Ukraine einen weiteren Schub bekommen. Aktuell eine leichte Beruhigung

Die Preissteigerungen bei Baumaterialien hatten - nach dem Anstieg im Jahr 2020 - durch den Krieg in der Ukraine einen weiteren Schub erhalten. Monatelang kannten die Preise nur eine Richtung: nach oben. Seit Juli konnte bei einigen Materialien allerdings eine leichte Preisberuhigung beobachtet werden. Dies konnte die Steigerung der Vormonate aber nicht vollständig ausgleichen. Das Preisniveau lag zum Jahresende 2022 bei den meisten Baumaterialien noch über dem Vorjahresniveau und insbesondere über dem Niveau zu Jahresbeginn 2021, dem Beginn der starken Preissteigerungen (siehe Grafik unten).

So lag der Erzeugerpreis für Bitumen aus Erdöl im Dezember – trotz eines Rückgangs in den Vormonaten - immer noch um 6,7 % über dem Niveau von Dezember 2021 und 46,4 % über dem Niveau von Januar 2021. Dies hatte sich zwischenzeitig auch auf den Preis für Asphalt ausgewirkt, der im Dezember um 30,8 % über dem Vorjahresniveau lag. Binnen Monatsfrist ist der Preis allerdings – das dritte Mal in Folge - leicht gesunken (-0,8 %).

Auch der Erzeugerpreis für Dieselkraftstoff, welcher für Straßen- und Schienenfahrzeuge benötigt wird, lag im Dezember um 19,9 % über dem Vorjahresniveau. Dies ist für die Bauunternehmen besonders belastend, da fast die Hälfte des Energieverbrauchs im Baugewerbe auf Diesel entfällt. Der Dieselpreis entwickelt sich weiterhin sehr volatil. Eine leichte Beruhigung konnte im Juli und August beobachtet werden, im September und Oktober legte der Preis binnen Monatsfrist wieder deutlich zu (+7,7 % bzw. +3,9 %) um dann im November und Dezember wieder zurückzugehen (jeweils -8 %).

Die Materialengpässe und Energiepreissteigerungen hatten sich zwischenzeitig auch auf die Stahlpreise ausgewirkt, aber auch hier ist eine Beruhigung zu beobachten: Im Vormonatsvergleich gab der Preis für Betonstahl im Dezember um weitere 7 % nach. Er liegt mittlerweile sogar wieder unter dem Niveau des vergleichbaren Vorjahresmonats (-3,4%). Trotz dieser aktuellen Beruhigung liegt der Preis für Betonstahl in Stäben aber immer noch um 38 % über dem Niveau von Januar 2021.

Ob es sich bei der seit Juli zu beobachtenden Beruhigung bei einigen Produkten – auch angesichts der starken Preisschwankungen der vergangenen Monate – aber um eine nachhaltige Preisberuhigung handelt, bleibt abzuwarten. Im Herbst 2022 wurden die steigenden Energie- und Rohstoffpreise noch als deutliches Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung des eigenen Unternehmens wahrgenommen: Im Rahmen der DIHK-Umfrage gaben dies immerhin 90 % der befragten Bauunternehmen an, zu Jahresbeginn 2021 waren es nur 35 %, im Herbst 2021 bereits 74 %.

Die Preisberuhigung kam bei einigen Produkten allerdings mit deutlicher Verzögerung an. So belasteten die stark gestiegenen Energiekosten – der Erzeugerpreis für Energie lag im Dezember 2022 um 41,9 % über dem Vorjahresniveau – die in ihrer Produktion besonders energieintensiven Produkte, wie Flachglas, zwischenzeitig enorm: Dessen Preis ist von Mai bis Oktober 2022 regelrecht explodiert und lag im Dezember um 35,3 % über dem Vorjahr. Die Rückgänge im November und Dezember (-5,2 % bzw. -10%) konnte den vorherigen Anstieg (noch) nicht ausgleichen.

Bei der Interpretation der o. g. Preissteigerungen muss berücksichtigt werden, dass es sich bei den Werten um Durchschnittswerte handelt, die Preissteigerungen - bzw. aktuell die Preisrückgänge - können somit auch vereinzelt deutlich höher ausfallen. So fließen in die Erzeugerpreise neben Preisen aus Neuverträgen auch Preise aus langlaufenden Verträgen ein. Auch muss man berücksichtigen, dass es sich nur um Preise, der in Deutschland erzeugten und im Inland verkauften Produkte handelt. Im- und Exporte werden in dieser Statistik nicht berücksichtigt. [Anmerkung: Die Indizes werden ohne MwSt. ausgewiesen.]

Gründe für die zwischenzeitig deutlichen Preisanstiege sind begrenzte Lieferkapazitäten der Hersteller, steigende Produktionskosten durch die Energiepreissteigerungen, aber auch fehlende Transportkapazitäten. Gleichzeitig wurden (und werden) bei den Erzeugern - auch aufgrund der stark gestiegenen Energiekosten - Kapazitäten abgebaut oder Produktionen ganz eingestellt. Des Weiteren waren Lieferketten unterbrochen, zusätzlich herrschte Container- und Hafenpersonalmangel sowie ein Stau von Frachtschiffen und überfüllte Depots in einzelnen Häfen, zuletzt auch hervorgerufen durch vereinzelte Streiks des Hafenpersonals. Auch wird wieder vermehrt über „Hamsterkäufe“ zur Vorbeugung gegen weitere Preissteigerungen und Materialknappheiten berichtet, welche die Nachfrage und somit die Preise erhöhen.

Von den Knappheiten ist eine noch nie dagewesene Anzahl an Unternehmen betroffen: Im Rahmen des ifo Konjunkturtests gaben im März 2021 nur 4 % der befragten Bauunternehmen an, in ihrer Bautätigkeit durch Materialknappheit betroffen zu sein, im Juni 2021 waren es schon 46 %. In den Folgemonaten kam es zur leichten Beruhigung, der Anteil ist bis Februar 2022 auf 21 % gesunken, um bis Mai - aufgrund der Verwerfungen durch den Krieg in der Ukraine - auf 52 % anzusteigen. Ab Juni konnte wieder eine anhaltende Beruhigung festgestellt werden, der Anteil lag im Dezember mit 20 % aber immer noch auf einem vergleichsweise hohen Niveau.

Für Bauunternehmen liegt das Problem von unerwartetstarken Preissteigerungen darin, dass diese bei langlaufenden Projekten - deren Preis schon vorher vereinbart wurde - nicht oder nur in Ausnahmefällen an die Auftraggeber weitergegeben werden können – sofern keine Preisgleitung vereinbart wurde. Das Risiko stark steigender Preise kann entweder nur durch langfristige Lieferverträge, Preisgleitklauseln oder entsprechende Kostenpuffer im Angebot abgesichert werden. Letzteres ist bei der ausgesprochen volatilen Preisentwicklung der vergangenen Jahre, bei steigendem Konkurrenzdruck und der Neigung öffentlicher Auftraggeber, regelmäßig das billigste Angebot anzunehmen, aber nicht immer möglich. Es besteht somit die Gefahr, dass die – in den vergangenen Jahren mühsam aufgebaute – Eigenkapitalausstattung bei sinkenden Margen wieder abschmilzt und das Insolvenzrisiko im Baugewerbe wieder steigt.

Nach einem moderaten Preisanstieg für Leistungen des Bauhauptgewerbes im Jahr 2020 von 1,5 % (inkl. MwSt.) haben die Baupreise nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes 2021 und insbesondere 2022 deutlich angezogen: Sie lagen im Jahresdurchschnitt 2021 um 8,8 % und 2022 um 16,8 % über dem Vorjahresniveau. Aufgrund der aktuellen Preisberuhigung bei Baumaterialien (siehe oben) und des mittlerweile erreichten hohen Niveaus liegen die Preisprognosen für 2023 (für die gesamten Bauinvestitionen) im Durchschnitt der Wirtschaftsforschungsinstitute bei 6,8 %.

Ob es sich bei der aktuellen Entwicklung um einen sogenannten Superzyklus oder nur um eine kurzfristige Rallye - aufgrund der verringerten Produktionskapazitäten, der stark gestiegenen Nachfrage und der gestörten Lieferketten - handelt, lässt sich jetzt noch nicht absehen. In naher Zukunft wird aber die Energiewende ein großer Treiber der Rohstoffnachfrage und somit der Preise sein. Für die Energiewende werden u.a. Stahl und seltene Erden für Windräder und Elektromotoren sowie Kupfer und Aluminium für den Ausbau der Stromnetze und der IT-Infrastruktur benötigt. Dies sind alles Produkte, die auch in der Bauwirtschaft gebraucht werden. Das Problem: Die steigende Nachfrage trifft in vielen Teilen des Marktes auf ein knappes Angebot. Neben den Knappheiten, die zu Preissteigerungen führen, verteuern auch die hohen Energiepreise die Produktion. Insgesamt gehen die meisten Experten davon aus, dass ein merklicher Rückgang der Preise nicht zu erwarten ist, vielmehr werden sie auf hohem Niveau verbleiben.