... auf den Punkt gebracht

Deutliche Preissteigerungen bei Baumaterialien seit Jahresbeginn 2021

Die Baumaterialpreise steigen weiter: Seit Jahresbeginn sind deutliche Preissteigerungen bei Baumaterialien zu beobachten. Besonders betroffen sind hiervon Stahl, Bitumen, Holz, Kupfer und Bauchemie. Nachdem die Erzeugerpreise für Betonstahl in Stäben und Bitumen im Jahresdurchschnitt 2020 – aufgrund (Corona-bedingt) gesunkener Nachfrage in anderen Wirtschaftszweigen – um 7,5 % bzw. sogar um 19,2 % zurückgegangen sind, haben diese seit einigen Monaten wieder angezogen: Sie lagen (ohne MwSt.) im Juli 2021 um 62,8 % bzw. 35,5 % über dem Niveau von Dezember 2020. Eine Preisberuhigung scheint vorerst nicht in Sicht zu sein: Die Preise zogen im Juli binnen Monatsfrist um 10,6 % und 5,6 % an.

Der Preisrückgang im Jahr 2020 wurde damit wieder mehr als überkompensiert: Der Preis für Betonstahl in Stäben lag im Juli 2021 um 81,5 % über dem Niveau von Juli 2020, der Preis für Bitumen um 42,6 %, der für Kupfer um 26,7 %. Entsprechend werden steigende Energie- und Rohstoffpreise auch wieder stärker als Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung des eigenen Unternehmens wahrgenommen: Im Rahmen der DIHK-Frühsommer-Umfrage gaben dies 62 % der befragten Bauunternehmen an, zu Jahresbeginn waren es nur 35 %.

Gründe für den deutlichen Preisanstieg sind offenbar begrenzte Liefer- aber auch Transportkapazitäten der Hersteller wegen der wieder anziehenden Nachfrage in einzelnen Wirtschaftszweigen und Regionen wie Asien und den USA. Gleichzeitig wurden in Zeiten jahrelang stagnierender Preise Überkapazitäten abgebaut und Investitionen zurückgefahren. Des Weiteren wurden Lieferketten durch Hafensperrungen (z.B. in China) unterbrochen, zusätzlich herrscht Containermangel. Auch wurde vermehrt über „Hamsterkäufe“ zur Vorbeugung gegen weitere Preissteigerungen berichtet, welche die Nachfrage und somit die Preise erhöhen.

Hinzu kommt ein wachsendes Interesse von Investoren an Rohstoffen, insbesondere an Öl und Industriemetallen, welche als Absicherung gegen Inflation dienen sollen. Der Ölpreis wurde zwischenzeitig durch die gestiegene Ölnachfrage in den USA aufgrund des sich dort wieder erholenden Flugverkehrs befeuert. Die jüngste Entscheidung, die Ölfördermenge zu erhöhen, könnte aber bald preisberuhigend wirken.

Der BAUINDUSTRIE lagen auch Meldungen über Knappheiten und somit Preissteigerungen bei Holzprodukten (welche aufgrund gestiegener Nachfrage aus den USA vermehrt exportiert werden) und Dämmstoffen vor. So lag der durchschnittliche Preis für Bauhölzer im Juli 2021 um 70,8 %, für Dachlatten sogar um 83,5 % über dem Niveau von Dezember 2020, im Vorjahresvergleich um 80,8 % bzw. 84,5 %. Auch hier ist eine Preisberuhigung nicht in Sicht: Der Preis lag im Juli um 15,2 % bzw. 12,2 % über dem Vormonat. Der Erzeugerpreis für Dämmplatten aus Polystyrol hat sich auch deutlich erhöht: Er lag im Juli um 29,5 % über dem Niveau des Vorjahresmonats und um 30,1 % über dem Niveau von Dezember 2020.

Von den Knappheiten ist eine noch nie dagewesene Anzahl an Unternehmen betroffen: Im Rahmen des ifo Konjunkturtests gaben im März nur 4 % der befragten Bauunternehmen an, in seiner Bautätigkeit durch Materialknappheit betroffen zu sein, im April waren es 19 % und im Juni schon 46 %. Die Beruhigung im Juli fiel nur minimal aus: Der Anteil lag immer noch bei 43 %. Besonders betroffen sind aktuell Unternehmen des Wohnungsbaus (52 %).

Bei der Interpretation der o. g. Preissteigerungen muss berücksichtigt werden, dass es sich bei den Werten um Durchschnittswerte handelt, die Preissteigerungen können somit auch vereinzelt deutlich höher ausfallen. So fließen in die Erzeugerpreise neben Preisen aus Neuverträgen auch Preise aus langlaufenden Verträgen ein. Auch muss man berücksichtigen, dass es sich nur um Preise, der in Deutschland erzeugten und im Inland verkauften Produkte handelt. Im- und Exporte werden in dieser Statistik nicht berücksichtigt. Auch werden die Indizes ohne MwSt. ausgewiesen, die Rückkehr zum alten MwSt.-Regelsatz macht sich somit nicht bemerkbar.

Für Bauunternehmen liegt das Problem von unerwartetstarken Preissteigerungen darin, dass diese bei langlaufenden Projekten nicht an die Kunden weitergegeben werden können – sofern keine Preisgleitung vereinbart wurde. Dieses Risiko kann entweder nur durch langfristige Lieferverträge, über Preisgleitklauseln oder über entsprechende Kostenpuffer im Angebot abgesichert werden. Letzteres ist bei der ausgesprochen volatilen Preisentwicklung der vergangenen Jahre und bei steigendem Konkurrenzdruck und der Neigung Öffentlicher Auftraggeber, regelmäßig das billigste Angebot anzunehmen, aber nicht immer möglich. Es besteht somit die Gefahr, dass die – in den vergangenen Jahren mühsam aufgebaute – Eigenkapitalausstattung bei sinkenden Margen wieder abschmilzt und das Insolvenzrisiko im Baugewerbe wieder steigt.

Nach einem moderaten Preisanstieg für Leistungen des Bauhauptgewerbes 2020 von 1,3 % erwartet die BAUINDUSTRIEaus den o. g. Gründen für 2021 – neben Verzögerungen bei Bauprojekten wegen Materialmangels - wieder stärkere Preissteigerungen bei Bauleistungen. Die Prognosen der Forschungsinstitute liegen zwischen 2,2 % (Gemeinschaftsdiagnose vom April 2021) und 4,5 % (DIW vom Juni 2021). Dies wird bei weiter steigenden Baumaterialpreisen aber nicht ausreichen, um die gestiegenen Kosten abzufedern.

Ob es sich bei der aktuellen Entwicklung um einen sogenannten Superzyklus oder nur eine kurzfristige Rallye - aufgrund der verringerten Produktionskapazitäten, der stark gestiegenen Nachfrage und der gestörten Lieferketten - handelt, lässt sich jetzt noch nicht absehen. In naher Zukunft wird aber ein weiterer Faktor relevant: Die Energiewende. Diese dürfte der mit Abstand größte Treiber der Rohstoffnachfrage und somit der Preise sein. Dies betrifft u.a. Stahl und Seltene Erden für Windräder und Elektromotoren und Kupfer und Aluminium für den Ausbau der Stromnetze und der IT-Infrastruktur. Dies sind alles Produkte, die auch in der Bauwirtschaft benötigt werden. Das Problem: Die steigende Nachfrage trifft in vielen Teilen des Marktes auf ein knappes Angebot. Weitere Preissteigerungen könnten die Folge sein.