Deutliche Preissteigerungen bei Baumaterialien zu Jahresbeginn 2021

Deutliche Preissteigerungen bei Baumaterialien zu Jahresbeginn 2021

Die Baumaterialpreise steigen wieder: Seit Jahresbeginn sind vereinzelt deutliche Preissteigerungen bei Baumaterialien zu beobachten. Besonders betroffen sind hiervon Stahlprodukte, Bitumen und Holz. Nachdem die Erzeugerpreise für Betonstahl in Stäben und Bitumen im Jahresdurchschnitt 2020 – aufgrund (Corona-bedingt) gesunkener Nachfrage in anderen Wirtschaftszweigen – um 7,5 % bzw. sogar um 19,2 % zurückgegangen sind, haben diese seit einigen Monaten wieder angezogen: Sie lagen (ohne MwSt.) im April 2021 um 23,8 % bzw. 23,7 % über dem Niveau von Dezember 2020.

Der zwischenzeitig erfolgte Preisrückgang im Jahresverlauf 2020 wurde damit wieder mehr als überkompensiert: Der Preis für Betonstahl in Stäben lag im April 2021 um 30,3 % über dem Niveau von April 2020, der Preis für Bitumen um 48,8 %. Entsprechend werden steigende Energie- und Rohstoffpreise auch wieder stärker als Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung des eigenen Unternehmens wahrgenommen: Im Rahmen der DIHK-Frühsommer-Umfrage gaben dies 62 % der befragten Bauunternehmen an, zu Jahresbeginn waren es nur 35 %.

Grund für den deutlichen Anstieg insbesondere der Stahlpreise sind offenbar begrenzte Lieferkapazitäten der Hersteller wegen der wieder anziehenden Nachfrage im Automobilsektor und im Maschinenbau. Die wieder anziehende Konjunktur in Asien führte zu steigenden Rohstoffpreisen; so ist der Erzeugerpreis für Draht aus Kupfer binnen Jahresfrist um 18,6 % gestiegen. Gleichzeitig wurden aber in Zeiten jahrelang stagnierender Preise Überkapazitäten abgebaut und Investitionen zurückgefahren. Hinzu kommt ein wachsendes Interesse von Investoren an Rohstoffen, insbesondere Öl und Industriemetallen, welche als Absicherung gegen Inflation dienen. Auch wurde vermehrt über „Hamsterkäufe“ zur Vorbeugung weiterer Preissteigerungen berichtet, welche die Nachfrage und somit die Preise erhöhen. Der BAUINDUSTRIE liegen auch vermehrt Meldungen über Knappheiten und somit Preissteigerungen bei Holzprodukten und Dämmstoffen vor. So lag der durchschnittliche Preis für Bauhölzer im April 2021 um 26 % über dem Niveau von Dezember 2020, im Vorjahresvergleich sogar um 33,7 %, der Preis für Dachlatten legte sogar um 28,6 % bzw. 30,9 % zu.

Im Rahmen des ifo Konjunkturtests gab im April jedes fünfte befragte Bauunternehmen an, in seiner Bautätigkeit durch Materialknappheit betroffen zu sein, im Mai waren es sogar fast 40 %. Besonders betroffen sind aktuell Unternehmen des Wohnungsbaus und des gewerblichen Hochbaus (48 % bzw. 42 %).

Der Preisanstieg bei Dämmstoffen (in Form von Mineralischen Wollen) kann derzeit in der amtlichen Erzeugerpreis-Statistik aber (noch) nicht nachvollzogen werden. Zum einen fließen in die Erzeugerpreise neben Preisen aus Neuverträgen auch Preise aus langlaufenden Verträgen ein und zum anderen handelt es sich um Preise der in Deutschland erzeugten und im Inland verkauften Produkte. Im- und Exporte werden in dieser Statistik nicht berücksichtigt. Die Indizes werden ohne MwSt. ausgewiesen, die Rückkehr zum alten MwSt.-Regelsatz macht sich somit nicht bemerkbar.

Für Bauunternehmen liegt das Problem von unerwartetstarken Preissteigerungen darin, dass diese bei langlaufenden Projekten nicht an die Kunden weitergegeben werden können – sofern keine Preisgleitung vereinbart wurde. Dieses Risiko kann langfristig entweder nur über Preisgleitklauseln oder über entsprechende Kostenpuffer im Angebot abgesichert werden. Letzteres ist bei der ausgesprochen volatilen Preisentwicklung der vergangenen Jahre und bei steigendem Konkurrenzdruck und der Neigung Öffentlicher Auftraggeber, das billigste Angebot anzunehmen, aber nicht immer möglich. Es besteht somit die Gefahr, dass die – in den vergangenen Jahren mühsam aufgebaute – Eigenkapitalausstattung bei sinkenden Margen wieder abschmilzt und das Insolvenzrisiko im Baugewerbe wieder steigt.

Die BAUINDUSTRIE erwartet aus den o. g. Gründen – und wegen weiter steigenden Lohnkosten aufgrund der anstehenden Tariflohnverhandlung - für 2021 wieder stärkere Preissteigerungen bei Bauleistungen: Nach einem moderaten Preisanstieg 2020 für Leistungen des Bauhauptgewerbes von 1,3 % (aufgrund der Corona-bedingten schwächere Nachfrage vor allem im Straßen- und Wirtschaftshochbau sowie der MwSt.-Senkung im 2. Hj. 2020) ist 2021 - auch nach der Einschätzung der Forschungsinstitute - mit einem Preisanstieg von ca. 2 % zu rechnen. Bei weiter steigenden Baumaterialpreisen wird dieser Preisanstieg aber nicht ausreichen, um die gestiegenen Kosten abzufedern.