... auf den Punkt gebracht

Energieverbrauch und Klimaschutz im Baugewerbe – Eine Datensammlung.

Die Unternehmen des Baugewerbes verbrauchen – im Vergleich zu anderen Wirtschaftszweigen – mit 1,7 % des gesamten inländischen Energieverbrauchs verhältnismäßig wenig Energie für die „Produktion“ von Gebäuden und Infrastruktur und verursachen mit einem Anteil von 1,2 % an den gesamten CO2-Emissionen vergleichsweise wenig CO2-Emissionen, ihr direkter Umweltfußabdruck ist somit ausgesprochen gering.  

Die direkten Möglichkeiten der Bauunternehmen, bei der Produktion einen Beitrag zur Senkung des Energieverbrauchs und der CO2-Emissionen zu leisten, sind somit begrenzt. Nichtsdestotrotz steht jeder in der Verantwortung, einen Beitrag zur Reduzierung zu leisten. Hinzu kommt, dass auch Bauunternehmen von der Einführung der Taxonomie und somit von verschärften Berichtspflichten betroffen sind, unabhängig von der Größe des Fußabdrucks.  

Die Bauunternehmen haben es darüber hinaus - zusammen mit den Auftraggebern - indirekt in der Hand, durch die Nutzung von Vorprodukten, die in ihrer Produktion einen niedrigeren Energieverbrauch sowie niedrigere CO2-Emissionen aufweisen, sowie durch Innovationen, moderner Gebäudetechnik sowie einer effizienten Gebäudehülle den gesamten Fußabdruck zu senken.

Derzeitiger (Daten-)Stand

1. Umweltfußabdruck Hochbau: CO2-Emissionen im Gebäudebereich

Der gesamte Fußabdruck des Handlungsfelds «Errichtung und Nutzung von Hochbauten» in Deutschland beträgt 398 Mio. Tonnen CO2-Äquivalente, das sind ca. 40 % aller Treibhausgase. Davon entfallen aber nur 2,6 % auf die direkten Emissionen der Hochbauunternehmen (Quelle: Studie „Umweltfußabdruck von Gebäuden in Deutschland“ des Bundesinstituts für Bau-, Stadt und Raumforschung (BBSR)). 2,3 % entfallen hingegen auf die Grundstoff-, 9,6 % auf die Baustoffindustrie und 10,6 % auf die vorgelagerten Zulieferer.

Der weitaus größte Anteil (74,6 %) entfällt hingegen auf die Nutzung und den Betrieb der Gebäude und ist damit vom Verhalten der Eigentümer und der Betreiber bzw. Nutzer abhängig, auf das die Bauindustrie keinen direkten Einfluss hat.

[Anmerkung: Hierbei handelt es sich allerdings nur um Berechnungen mit Daten aus 2014. Eine Betrachtung über einen Zeitverlauf ist somit nicht möglich. Des Weiteren wird nur der Hochbau betrachtet, der Tiefbau fehlt.]

2. CO2-Emissionen

Die direkten CO2-Emissionen der in Deutschland ansässigen Privatpersonen und Unternehmen lagen laut Statistischem Bundesamt 2019 (aktuellere Daten liegen noch nicht vor) bei 879,2 Mio. Tonnen. Ein Viertel der CO2-Emissionen wird von privaten Haushalten verursacht, 21 % von Industrieunternehmen und 52 % von Dienstleistungsunternehmen. Bei Letzteren entfällt der weitaus größte Teil auf die „Energieversorger“ (34 %), 11 % auf „Verkehr und Lagerei“. Die größten CO2-Versursacher im Unternehmenssektor waren 2019 „Metallerzeugung und -bearbeitung“ (5 %), „Glas, Keramik, Steine und Erden“ (5 %) und „Kokerei und Mineralölerzeugnisse“ (3 %).

Die direkten CO2-Emissionen der Unternehmen des Baugewerbes lagen 2019 bei 10,5 Mio. Tonnen. Das waren lediglich 1,2 % der gesamten CO2-Emissionen. Diese lagen 2019 um 14 % unter dem Niveau von 1995, die Produktion (reale Bauinvestitionen im Baugewerbe) lag im gleichen Zeitraum um 15 % niedriger.

Die Emissionen folgen im Baugewerbe den Konjunkturzyklen: Die Produktion im Baugewerbe ist in der Zeit der Baurezession von 1995 bis 2005 um 30 % zurückgegangen, die Emissionen sind um 20 % gesunken. In der Zeit des Bauaufschwungs von 2006 bis 2019 sind die Emissionen um 8 % gestiegen. Der Anstieg fiel allerdings deutlich niedriger aus als die reale Produktion, welche um 22 % zugelegt hat.

Der deutlich niedrigere Anstieg der CO2-Emissionen im Vergleich zur Produktion während des Bauaufschwungs könnte auf vermehrte Investitionen in emissionsärmere Maschinen zurückzuführen sein. Schließlich haben die Unternehmen des Baugewerbes ihre Investitionen in neue Anlagen von 2005 bis 2019 um preisbereinigt 160 % erhöht.

3. Investitionen der Unternehmen in den Umweltschutz

Leider ist es nicht möglich, diese Vermutung mit Zahlen zu untermauern. Das Statistische Bundesamt erhebt die Investitionen der Unternehmen in den Umweltschutz nur für die Industrieunternehmen, die Unternehmen des Baugewerbes werden hier nicht erfasst. Das Motiv des Umweltschutzes hat im Baugewerbe aber deutlich an Bedeutung gewonnen: Während im Rahmen der DIHK-Umfrage im Herbst 2005 nur 3 % der befragten Bauunternehmen als Motiv für Ihre Investitionen den Umweltschutz angaben, waren es im Herbst 2019 schon 19 % - Tendenz steigend (Jahresbeginn 2022: 23 %).   

4. Energieverbrauch

Der Primärenergieverbrauch der in Deutschland ansässigen privaten Haushalte und Unternehmen lag 2019 (aktuellere Daten liegen nicht vor) bei 13.100 Petajoule (1 Petajoule (PJ) = 1.000 Terajoule (TJ)). 34 % der Gesamtmenge wird von privaten Haushalten verbraucht, 26 % von Dienstleistungsunternehmen und 38 % von Industrieunternehmen. Im Gegensatz zum Energieverbrauch der privaten Haushalte wird der Verbrauch der Unternehmen überwiegend von der Konjunktur beeinflusst: Je mehr Produkte hergestellt werden, desto höher ist der Energieaufwand in der Produktion.

Der direkte Energieverbrauch der privaten Haushalte entfällt zum größten Teil auf den Bereich Wohnen (64 %). Den übrigen Teil (36 %) setzen die Menschen für den motorisierten Individualverkehr ein. Die größten Energieverbraucher im Unternehmenssektor waren 2019 die „Herstellung von chemischen Erzeugnissen“ (11 % am gesamten Energieverbrauch), „Metallerzeugung und -bearbeitung“ (8 %) sowie „Kokerei und Mineralölverarbeitung“ (4 %). Der größte Energieverbraucher im Dienstleistungsbereich war „Verkehr und Lagerei“ (11 %).

Die Unternehmen des Baugewerbes haben 2019 hingegen nur 226 PJ Energie verbraucht. Das waren lediglich 1,7 % des gesamten Endenergieverbrauchs. Der Energieverbrauch lag 2019 um 25 %, die reale Produktion des Baugewerbes um 15 % unter dem Niveau von 1995. Innerhalb des Zeitraums weist der Energieverbrauch (im Unterschied zu den CO2-Emmissionen s.o.) allerdings enorme Schwankungen auf, welche mit dem Konjunkturzyklus nicht zu erklären sind. Der HDB führt dies überwiegend auf Qualitätsprobleme bei der Datenerstellung zurück. Die Angaben zum Energieverbrauch im Baugewerbe werden zu einem sehr großen Teil geschätzt. Das Statistische Bundesamt hat angekündigt, die Daten zu überprüfen.

Aus diesem Grund wird hier derzeit nur die Struktur des Energieverbrauchs dargestellt: 2019 entfielen von der von den Bauunternehmen verbrauchten Energie fast die Hälfte auf Dieselkraftstoffe (s. Grafik o.). 27 % entfielen auf sonstige Mineralölprodukte (vermutlich u.a. Bitumen), 7 % auf elektrischen Strom und andere Energieträger, weitere 7 % auf Gase, 5 % auf leichtes Heizöl. Lediglich 2,5 % entfielen auf erneuerbare Energien.

5. Energiekosten

Die Gesamtausgaben der deutschen Industrie für Energie betrugen laut einer Berechnung des BMWi

2019 (Quelle: 8. Monitoring-Bericht zur Energiewende) 35 Mrd. Euro. Energie ist für die Unternehmen somit ein wichtiger Kostenfaktor.

Angaben für das gesamte Baugewerbe werden allerdings nicht getroffen. In der amtlichen Statistik erhält man nur Auskunft über die Unternehmen des Bauhauptgewerbes mit 20 und mehr Beschäftigten. Diese haben 2019 für ihren Energieverbrauch 1.920 Mio. Euro ausgegeben, das waren 1,9 % ihres Bruttoproduktionswertes (Quelle: Kostenstrukturstatistik).

Um die Energiekosten im Zeitverlauf mit der Produktionsentwicklung vergleichen zu können, wurden die Daten mit dem Energiepreisindex des Statistischen Bundesamtes preisbereinigt und in Preisen von 2019 dargestellt. Demnach lagen die preisbereinigten Energiekosten 2019 um 10 % unter dem Niveau von 1995, der reale Umsatz der Betriebe des Bauhauptgewerbes mit 20 und mehr Beschäftigten lag hingegen um 27 % niedriger. Dabei folgen die Energiekosten dem Konjunkturverlauf: Die Produktion (realer Umsatz) ist während der Baurezession von 1995 bis 2005 um 43 % gesunken, die Energiekosten gingen um 26 % zurück. Von 2006 bis 2019 (Bauaufschwung) legte die Produktion um 30 % zu, die preisbereinigten Energiekosten um 21 %. Hier machen sich die gestiegenen Investitionen in neue Anlagen bemerkbar.

Die höchsten absoluten Energiekosten im Bauhauptgewerbe fallen mit 448 Mio. Euro im „Straßenbau“ an, gefolgt vom „Bau von Gebäuden“ mit 404 Mio. Euro, die niedrigsten im „Schornstein-, Feuerungs- und Industrieofenbau“ mit 3,5 Mio. Euro. Allerdings ist der Anteil am Bruttoproduktionswert je nach Gewerk unterschiedlich hoch: Er lag 2019 zwischen 0,9 % im Wirtschaftszweig (WZ) „Errichtung von Fertigteilbauten“ und 5,3 % im WZ „Vorbereitende Baustellenarbeiten“.

6. Kreislaufwirtschaft Bau – Verwertungsquote mineralischer Bauabfälle

Die Rohstoffnachfrage in der deutschen Bauwirtschaft wird durch heimische Lagerstätten, durch den Import, aber auch durch Sekundärrohstoffe aus der Verwertung und dem Recycling von Bauabfällen gedeckt. Auch wenn Baumaterialien noch relativ einfach erhältlich sind, sprechen ökologische Gründe, aber auch zunehmende lokale Knappheiten für einen effizienteren Einsatz. Die Produktion sollte somit stärker auf Sekundärbaustoffe zurückgreifen. Schließlich entfielen von den insgesamt 417 Mio. Tonnen Abfall im Jahr 2018 228 Mio. t und damit 55 % auf Bau- und Abbruchabfälle. Der Bausektor hat damit einen beträchtlichen Einfluss auf die Ökobilanz.

Die Branche ist sich ihrer Verantwortung aber bewusst: 90 % der gesamten mineralischen Bau- und Abbruchabfälle werden schon jetzt umweltverträglich verwertet (Quelle: Monitoring-Bericht zum „Aufkommen und Verbleib mineralischer Bauabfälle im Jahr 2018“), 1996 lag die Recyclingquote nur bei 70 %. Dennoch decken Recyclingbaustoffe nur maximal rund 13 % der Gesamtnachfrage, sie sind somit bedeutsam, lösen allerdings nicht das Verfügbarkeitsproblem.

Die Quote fällt je nach Baustoff allerdings unterschiedlich aus. Von den angefallenen:

  • 130 Mio. t Bodenaushub, Baggergut und Gleisschotter wurden 76 % im übertägigen Bergbau und in anderen Maßnahmen, überwiegend im Deponiebau, verwertet; aus 10 % wurden Recycling-Baustoffe hergestellt.
  • 60 Mio. t Bauschutt wurden 78 % recycelt und 16 % im Rahmen der Verfüllung von Abgrabungen verwertet.
  • 14 Mio. t Straßenaufbruch wurden sogar 93 % recycelt und 4 % im Deponiebau und im Rahmen der Verfüllung von Abgrabungen verwertet.
  • 641.000 t Bauabfällen auf Gipsbasis wurden 5 % recycelt und 45 % im Deponiebau und im Bergbau verwertet.
  • 14 Mio. t Baustellenabfällen wurden 2 % recycelt und 97 % einer sonstigen Verwertung zugeführt.

Nur der jeweilige Rest konnte nicht verwertet werden und musste auf Deponien abgelagert werden.