... auf den Punkt gebracht

Investitionen im Baugewerbe

Die Investitionstätigkeit der Unternehmen des Baugewerbes ist regelmäßig ein Spiegel der baukonjunkturellen Entwicklung. Zu Zeiten einer stark wachsenden Baunachfrage in den ersten Jahren nach der Wiedervereinigung lag das Investitionsniveau im Baugewerbe bei gut 8 bis 9 Mrd. Euro. Zum Ende der zehnjährigen Baukrise im Jahr 2005 waren es mit 3,2 Mrd. Euro etwa zwei Drittel weniger. 2021 wurde mit 10,1 Mrd. Euro nominal ein neuer Rekordwert erreicht (Quelle: Statistisches Bundesamt). Real (zu Preisen von 2015) waren es mit 9,3 Mrd. Euro etwa 10 Prozent weniger als im Spitzenjahr 1992, als vor allem das Baugewerbe in den neuen Bundesländern viel investierte.

Für die Investitionsbereitschaft der Baufirmen, und damit ihre Kapazitäten, ist Vertrauen in die Zukunft des Marktes immens hoch. Erst ab dem Jahr 2010 legten die realen Investitionen wieder stetig und deutlich zu. Selbst in den Corona-Jahren gab es leichte Zuwächse, obwohl viele Bauunternehmer unsicher waren, wie sich der Markt während und nach der Krise entwickeln würde.

Besonders wichtig für die Kapazitätsausstattung der Baufirmen sind die Investitionen in Maschinen und Ausrüstungen. Hierauf entfallen seit 1991 durchschnittlich 78 % aller Investitionen. 16 % flossen in Bauten und 6 % in Sonstige Investitionen (geistiges Eigentum wie Software, Patente, etc.).

In den Jahren der Baukrise von 1995 bis 2005 gingen Nachfrage und Produktion in der Branche preisbereinigt um ein Drittel zurück. Gleichzeitig verdoppelte sich die Zahl der Insolvenzen im Baugewerbe. Im Zuge der Insolvenzverfahren konnten interessierte Bauunternehmer auf Versteigerungen günstig neue Baumaschinen aus der Konkursmasse erwerben. Dies wirkte sich negativ auf die eigene Investitionsbereitschaft aus.

Einem erheblichen Wandel unterliegt daher auch die Finanzierung der Investitionen. In den ersten Jahren nach der Wiedervereinigung spielte das Leasing von Baugeräten und Maschinen in der Branche keine große Rolle. Der Anteil des Leasings an den Gesamtinvestitionen lag nach Berechnungen, die vom Bundesverband Deutscher Leasingunternehmen regelmäßig veröffentlicht werden, von 1991 bis 1995 im Durchschnitt bei lediglich 18 %.

Danach wollten Bauunternehmer die Kapitalbindung durch Investitionen reduzieren und griffen verstärkt auf das Leasing zurück. Bis zum Ende der Baukrise im Jahr 2005 stieg die Leasingquote rasant auf 75 %. Mit dem Wiederanspringen der Baukonjunktur schwang das Pendel etwas zurück, da wegen der starken Nachfrage die Leasinggeber nicht immer alle Wünsche erfüllen konnten und Baufirmen wieder stärker selbst Maschinen und Geräte erwarben. Seit dem Jahr 2010 pendelt die Leasingquote um die 50-Prozent-Marke.

Für das Jahr 2023 ist mit rückläufigen Investitionen zu rechnen. In der Herbstumfrage 2022 des Deutschen Industrie- und Handelskammertages gaben nur 14 % der befragten Baufirmen an, 2023 ihre Investitionen gegenüber dem laufenden Jahr erhöhen zu wollen, dagegen planen 42 %, ihre Investitionen zu kürzen. Der Saldo von – 28 ist der schlechteste Wert seit der Wirtschaftskrise 2009.

Bei den Investitionsabsichten überwiegen einmal mehr die Ersatzinvestitionen mit einem Anteil von 78 % (Mehrfachantworten möglich), gefolgt von Rationalisierungsinvestitionen mit 25 %. Lediglich 15 % der Befragten wollen 2023 ihre Kapazitäten ausweiten (Herbst 2021: 22 %).