... auf den Punkt gebracht

Maschinenauslastung im Bauhauptgewerbe

Die Gerätekapazitäten der Bauunternehmen sind seit einigen Jahren gut ausgelastet: Die Firmen des Bauhauptgewerbes meldeten im Rahmen des ifo Konjunkturtests im Durchschnitt des Jahres 2020 eine (saisonbereinigte) Maschinenauslastung von 77,9 %. Diese lag nur unwesentlich unter dem höchsten Jahres-Durchschnitts-Wert 2018 mit 78,8 % und nur geringfügig unter dem Vorjahresdurchschnittswert von 78,6 %. Somit war die Auslastung der Baumaschinen - trotz Corona-Krise - vergleichsweise hoch: Im langjährigen Durchschnitt von 1991 bis 2020 lag sie lediglich bei 68,1 % und im Durchschnitt der Jahre des Bauaufschwungs 2006 bis 2020 bei 72,8 %. Im Oktober 2021 lag die Auslastung sogar bei 78,4 % und damit nur leicht unter dem Oktober-Höchststand von 79,6 % 2018.

Die Auslastung kann allerdings je nach Branche und Region unterschiedlich ausfallen. Ifo veröffentlicht die Kapazitätsauslastung aber nur für das Bauhauptgewerbe insgesamt und für den Hoch- und Tiefbau. Nach Regionen gibt es nur Daten für West- und Ostdeutschland insgesamt sowie für Bayern, Sachsen und NRW. Demnach lag die Auslastung im Jahresdurchschnitt 2020 im Hochbau in Sachsen mit 73 % am niedrigsten und im Hochbau in NRW mit 81 % am höchsten. Im Oktober 2021 reichte die Spanne von 72,2 % im Tiefbau in Sachsen bis 82,6 % im Hochbau in NRW.
Auch wenn die Auslastung der Maschinen im Bauhauptgewerbe in der langjährigen Entwicklung vergleichsweise hoch ausfällt, gibt es noch Luft nach oben:

  • Zum einen liegt die Auslastung im Bauhauptgewerbe noch deutlich unter der Vollauslastung und auch im Vergleich zu anderen Branchen fällt sie niedriger aus: So lag die Auslastung der Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes - trotz Corona-Krise und Materialmangel - im Oktober 2021 bei 85,1 % und damit noch über der des Bauhauptgewerbes von 78,4 %.
  • Zum anderen sind die Baubetriebe weiterhin dabei, ihre Kapazitäten zu erweitern. Nachdem die Unternehmen des Baugewerbes ihre Investitionen in neue Maschinen von 3 Mrd. Euro in 2006 auf 7,2 Mrd. Euro in 2020 erhöht haben, sind weitere Investitionen geplant. So gaben im Rahmen der DIHK Konjunkturumfrage im Herbst 2021 20 % der befragten Bauunternehmen an, in den kommenden 12 Monaten ihre Investitionen erhöhen zu wollen und 63 % planen gleich hohe Investitionen wie 2020. Der Saldo (zwischen dem Anteil derer, die ihre Investitionen erhöhen wollen und denen, die sie verringern wollen) liegt zwar nur leicht im positiven Bereich (plus 3 Punkte), aber deutlich über dem Vorjahreswert mit minus 9.
  • Auch hat bei der Investitionstätigkeit die Bedeutung der Kapazitätserweiterung wieder an Gewicht gewonnen: 22 % der befragten Bauunternehmen gaben dies im Rahmen der Umfrage im Herbst 2021 als Motiv für ihre Investitionen an, im Herbst 2020 lag der Anteil nur bei 19 %. Hinzu kommt, dass das Motiv der Produktinnovation langsam, aber stetig an Bedeutung gewinnt: So gaben dies 23 % der Befragten als Motiv an, im Vorjahr lag der Anteil bei 21 % und vor dem Bauaufschwung im Jahr 2005 lag er sogar nur bei 11 %.