... auf den Punkt gebracht

Maschinenauslastung im Bauhauptgewerbe

Die Gerätekapazitäten der Bauunternehmen sind seit einigen Jahren gut ausgelastet: Die Firmen des Bauhauptgewerbes meldeten im Rahmen des ifo Konjunkturtests im Durchschnitt des Jahres 2021 eine (saisonbereinigte) Maschinenauslastung von 77,8 %. Diese lag nur unwesentlich unter dem höchsten Jahres-Durchschnitts-Wert 2018 mit 78,8 % und nur geringfügig unter dem Vorjahresdurchschnittswert von 77,9 %. Somit war die Auslastung der Baumaschinen - trotz Corona-Krise - vergleichsweise hoch: Im langjährigen Durchschnitt von 1991 bis 2021 lag sie lediglich bei 68,4 % und im Durchschnitt der Jahre des Bauaufschwungs 2006 bis 2021 bei 73,2 %. Im Januar 2022 lag die Auslastung sogar bei 79,8 % und damit nur leicht unter dem Januar-Höchststand von 80,9 % im Jahr 2018. Auch der Krieg in der Ukraine und der nach wie vor vorhandene Materialmangel hat die Geräteauslastung nur geringfügig reduziert. Für Juni 2022 meldeten die Bauunternehmen eine Auslastung von 78,7 %, diese lag damit sogar etwas über dem Vorjahresniveau von 78,5 %.  

Die Auslastung kann allerdings je nach Branche und Region unterschiedlich ausfallen. Das ifo Institut veröffentlicht die Kapazitätsauslastung aber nur für das Bauhauptgewerbe insgesamt und für den Hoch- und Tiefbau. Nach Regionen gibt es nur Daten für West- und Ostdeutschland insgesamt sowie für Bayern, Sachsen und NRW. Demnach lag die Auslastung im Jahresdurchschnitt 2021 im Tiefbau in Sachsen mit 73,6 % am niedrigsten und im Hochbau in NRW mit 82,2 % am höchsten. Im Juni 2022 reichte die Spanne von 74,5 % im Tiefbau in Sachsen bis 85,0 % im Hochbau in NRW.

Auch wenn die Auslastung der Maschinen im Bauhauptgewerbe in der langjährigen Entwicklung vergleichsweise hoch ausfällt, gibt es noch Luft nach oben:

  • Zum einen liegt die Auslastung im Bauhauptgewerbe noch deutlich unter der Vollauslastung und auch im Vergleich zu anderen Branchen fällt sie niedriger aus: So lag die Auslastung der Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes (VG) - trotz Lieferkettenproblematik, Materialmangel und Preissteigerungen - im April 2022 (die Angaben des VG werden nur für den Quartalsbeginn erhoben) bei 85,7 % und damit noch deutlich über der des Bauhauptgewerbes von 80,9 %.
  • Zum anderen sind die Baubetriebe weiterhin dabei, ihre Kapazitäten zu erweitern. Nachdem die Unternehmen des Baugewerbes ihre Investitionen in neue Maschinen von 3 Mrd. Euro in 2006 auf 7,2 Mrd. Euro in 2020 erhöht haben, sind weitere Investitionen geplant. So gab im Rahmen der DIHK Konjunkturumfrage im Frühsommer 2022 knapp jedes fünfte der befragten Bauunternehmen an, in den kommenden 12 Monaten ihre Investitionen erhöhen zu wollen und 53 % planen sogar gleich hohe Investitionen wie 2021. Der Saldo (zwischen dem Anteil derer, die ihre Investitionen erhöhen wollen und denen, die sie verringern wollen) liegt zwar mit minus 9 im negativen Bereich, aber deutlich über dem Niveau des Beginns der Corona-Krise im Frühsommer 2020 mit minus 26.
  • Einziger Wehrmutstropfen ist der Umstand, dass bei der Investitionstätigkeit – aufgrund der derzeitigen Unsicherheiten - die Bedeutung der Kapazitätserweiterung wieder an Gewicht verloren hat: 19 % der befragten Bauunternehmen gaben dies im Rahmen der Umfrage im Frühsommer 2022 als Motiv für ihre Investitionen an, im Herbst 2021 lag der Anteil noch bei 22 %. Hinzu kommt, dass auch das Motiv der Produktinnovation wieder an Bedeutung verloren hat: So gaben dies auch nur noch 19 % der Befragten als Motiv an, im Herbst 2022 lag der Anteil noch bei 23 %. Dafür hat das Motiv des Umweltschutzes zugelegt: Im Frühsommer gab dies jedes vierte Bauunternehmen als Investitionsmotiv an, so viele wie noch nie.

Siehe auch:

….auf den Punkt gebracht: „Fachkräftesituation im Bauhauptgewerbe