Mehr Bauingenieurinnen am Bau

Die Frauenquote bei Studierenden eines Bauingenieurstudiums hat sich innerhalb von zwei Jahrzehnten von 20 auf 30 % erhöht. Zudem sind mittlerweile 28 % der in Bauunternehmen beschäftigten Bauingenieure weiblich. Im Durchschnitt der Branche (Bauhauptgewerbe) liegt der Frauenanteil allerdings nur bei nahezu konstanten 10 %. Gewerbliche Bauberufe sind für Frauen anscheinend weniger interessant.

 

Studierende

Die Studienfachrichtung Bauingenieurwesen erfreut sich seit Beginn des Bauaufschwungs 2006 zunehmender Attraktivität. Die Anzahl der Studierenden ist von ehemals 32.000 im Wintersemester (WS) 2007/08 um 87 % auf knapp 60.000 im WS 2019/20 gestiegen. Während die Zahl der männlichen Studierenden im gleichen Zeitraum um 71 % gestiegen ist, hat die der weiblichen um 138 % zugelegt.

Da auch der vorherige Rückgang in den (Krisen-)Jahren bei den weiblichen Studierenden niedriger ausfiel als bei den männlichen, ist die Frauenquote im Betrachtungszeitraum 1998/99 bis WS 2019/20 von 20 auf 30 % gestiegen. Damit ist das Interesse der weiblichen Schulabgänger an einem Bauingenieurstudium deutlich stärker ausgeprägt als z. B. an einem Maschinenbaustudium, hier waren im WS 2019/20 nur 12 % der Studierenden weiblich.

Das Interesse der Frauen scheint aber langsam nachzulassen: Zwar ist sowohl die Zahl der bestandenen Prüfungen von weiblichen Bauingenieurstudierenden von 1.240 im Jahr 1999 auf 3.340 im Jahr 2019 als auch deren Anteil an den gesamten bestandenen Prüfungen von 18 auf 31 % kontinuierlich gestiegen. Demgegenüber ist die Zahl der weiblichen Studienanfänger im ersten Fachsemester des Bauingenieurstudiums - nach einer Verdoppelung von 1998/99 bis 2015/16 auf 3.145 - in den vergangenen Jahren wieder gesunken und lag im WS 2019/20 bei 2.770. Der Anstieg der Frauenquote bei sozialversicherungspflichtigen Bauingenieuren (s.u.) könnte damit bald zum Erliegen kommen.

Bauingenieure

Der Beruf des Bauingenieurs ist bei Frauen deutlich beliebter als die gewerblichen Bauberufe und hat sogar noch an Attraktivität gewonnen. Dabei fällt der Anteil allerdings je nach Schwerpunkt unterschiedlich hoch aus: Beim Rohrleitungsbau waren im Juni 2020 nur 12 % der beschäftigten Bauingenieure weiblich. Im Straßen- und Asphaltbau war es hingegen schon jeder vierte, im Hochbau ohne Schwerpunkt lag der Anteil sogar bei 30 %. Im Durchschnitt lag die Frauenquote bei Bauingenieuren bei 30 %, sieben Jahre zuvor lag der Anteil noch bei 26 %. Bei den Bauingenieuren, die überwiegend in Unternehmen tätig sind, lag der Anteil bei 28 % (2013: 24 %). Insgesamt waren von den 85.000 sozialversicherungspflichtig beschäftigten Bauingenieuren 25.000 weiblich, 47 % mehr als 2013.

Demgegenüber waren im Juni 2020 „nur“ 4.930 Bauingenieurinnen in der öffentlichen Verwaltung tätig. Dies waren zwar deutlich weniger als in der Privatwirtschaft, im Vergleich zu 2013 ist die Zahl aber um 70 % gestiegen. Demgegenüber hat die Zahl der männlichen Kollegen nur um 37 % zugelegt. Die Frauenquote liegt mittlerweile bei 45 % (2013: 40 %) und damit deutlich über der Quote in der Privatwirtschaft. Der Abstand könnte sogar noch größer werden, da zu erwarten ist, dass eine nicht unerhebliche Zahl weiblicher Bauingenieure im Laufe des Berufslebens in die öffentliche Verwaltung wechselt, da die Arbeitsbedingungen familienfreundlicher sind.
 

Siehe auch:

…auf den Punkt gebracht: Fachkräftesituation im Bauhauptgewerbe


Präsentation „Frauen am Bau“ (abzurufen über ELVIRA)

Präsentation „Bauarbeitsmarkt“ (abzurufen über ELVIRA)