Preisentwicklung im Bau(haupt-)gewerbe

Die Baupreise steigen moderater: Aufgrund der sich (Corona-bedingt) abschwächenden Nachfrage – vor allem im Straßen- und Wirtschaftshochbau – und der MwSt.-Senkung im zweiten Halbjahr 2020 haben die Preise für Bauleistungen im vergangenen Jahr nach vorläufigen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes nur noch um moderate 1,7 % zugelegt, nach Preissteigerungen 2018 und 2019 von 4,7 % bzw. 4,4 %. Der Preisindex für den Neubau von Wohngebäuden ist im Vorjahr um 1,6 % (2019: + 4,3 %), der für Neubauleistungen im Straßenbau nur um 0,8 % (2019: + 6,1 %) gestiegen. Ohne die MwSt.-Senkung wären die Preise für den Neubau von Wohngebäuden 2020 um 2,9 % und die Preise für Neubauleistungen im Straßenbau um 2,1 % gestiegen.

Im Gegensatz zu den Jahren 2017 bis 2019 lag die Preissteigerung für Leistungen des Bauhauptgewerbes 2020 mit + 1,3 % wieder deutlich unter der Preissteigerung für Leistungen des Ausbaugewerbes von + 2,1 %. Das Bauhauptgewerbe war stärker von der Corona-bedingten Nachfrageschwäche und dem zunehmendem (Preis-)Wettbewerb betroffen als das Ausbaugewerbe. Allerdings liegen beide Bereiche deutlich über dem Anstieg der Verbraucherpreise von 0,5 %. Obwohl die Steigerung der Preise für Bauleistungen seit 15 Jahren - mit Anziehen der Baukonjunktur 2006 – über der Steigerung der Verbraucherpreise liegt, ist es dem Bauhauptgewerbe erst im vergangenen Jahr gelungen, die starken Preisrückgänge in der Zeit der Baukrise von 1995 bis 2005 auszugleichen: Die Verbraucherpreise lagen 2020 um 41 % über dem Niveau von 1995, die Preise für Leistungen des Bauhauptgewerbes um 43 % und die des Ausbaugewerbes um 61 %.

Aber: Die überdurchschnittlichen Preissteigerungen 2018 und 2019 als Instrument der Rationierung waren - gemessen an der Hochkonjunktur - relativ gemäßigt. Sie spiegelten vor allem Veränderungen auf der Kostenseite, insbesondere im Bereich der Baustoffe und Bauprodukte sowie die deutliche Tariferhöhung 2018 wider.

  • So lag der Preis für Betonstahl in Stäben im Jahresdurchschnitt 2018 um 30 %, der Preis für Bitumen um 67 % über dem Niveau von 2016. 2019 und 2020 haben sich die Preise – auch coronabedingt - aber wieder etwas beruhigt: Der Preis für Betonstahl sank 2019 um 6,8 % bzw. 2020 um 7,5 %, der Preis für Bitumen um 2,9 % bzw. 19,2 %. Dies konnte die starken Preissteigerungen der Vorjahre aber bei weitem nicht ausgleichen: Im Dezember 2020 lag der Preis für Betonstahl noch um 37 % und der Preis für Bitumen um 56 % über dem Niveau zu Jahresbeginn 2016.
  • 2018 gab es im Bauhauptgewerbe eine Anhebung der Tariflöhne um 5,7 % mit einer Laufzeit von 26 Monaten. 2019 und 2020 ist der Mindestlohn 1 um zusammen 6,8 % und der Mindestlohn 2 um 3,0 % gestiegen. Mittlerweile liegt der Bruttomonatsverdienst im Hoch- und Tiefbau im Durchschnitt der Leistungsgruppen um 40 % über dem Niveau von 2007, in der höchsten Leistungsgruppe für Arbeitnehmer in leitender Stellung sogar um 47 %.
  • Auch die Entsorgung von Erdaushub wurde – wegen eines Deponieengpasses – zwischenzeitig teurer: So ist der Preis für Erdarbeiten 2019 überdurchschnittlich stark gestiegen. Für die Bauleistungen wie „Baugrube ausheben, Boden laden und fördern bzw. weiterverwenden“ lag er 2019 je nach Bauwerk um bis zu 7 % über dem Niveau von 2018 (+ 8 %).

Für die deutsche Bauindustrie war die Preissteigerung auch Ausdruck einer allmählichen Normalisierung auf dem deutschen Baumarkt. Sie spiegelte nicht nur Veränderungen auf der Kostenseite wider, sondern bildet auch die verbesserte Marktstellung der Bauunternehmen ab. Nach Jahren der Baukrise, in denen sich die Unternehmen weitgehend an der Preisuntergrenze bewegt haben, waren die Firmen zwischenzeitlich nicht mehr gezwungen, erkennbar ertragsschwache Aufträge anzunehmen. Stattdessen waren die Unternehmen wieder in der Lage, die Risiken des Baugeschäfts angemessen zu bepreisen. Dies gilt nun nicht mehr für alle Bausparten und Regionen. Die Corona-Krise hat zu einem Nachfragerückgang im Wirtschaftshochbau geführt und die schon 2019 einsetzende Orderschwäche im Straßenbau verstärkt. Die Berichte über sinkende und nicht mehr Selbstkosten deckende Preise haben seitdem zugenommen.

Dies sollte eigentlich nicht im Sinne der Auftraggeber sein. Mit steigenden Preisen geht auch eine verbesserte Ertragslage der Baufirmen einher. Damit werden diese in die Lage versetzt, ihre Eigenkapitalausstattung weiter aufzustocken. Dies zahlt sich am Ende auch für die Auftraggeber aus, die nicht mehr mit den enormen Insolvenzrisiken im Bauhauptgewerbe rechnen müssen, die gerade in der Baukrise zwischen 1995 und 2005 viele Projekte in Schieflage gebracht haben. Zwar ist die Branche von der hohen Insolvenzquote aus der Zeit der Baurezession mittlerweile weit entfernt, das Risiko einer Insolvenz ist im Bauhauptgewerbe mit 113 von je 10.000 Unternehmen aber immer noch deutlich höher als in der Gesamtwirtschaft (57). Offensichtlich stehen Preise und Risiken immer noch nicht in einem angemessenen Verhältnis.

Siehe auch:

….auf den Punkt gebracht: Preisentwicklung im Wohnungsneubau