... auf den Punkt gebracht

Preisentwicklung im Bau(haupt-)gewerbe

Die Baupreise steigen wieder stärker: Aufgrund der deutlich angezogenen Preise für Baumaterialien seit Jahresbeginn steigen auch die Preise für Bauleistungen des Bauhauptgewerbes wieder stärker: Im Januar meldete das Statistische Bundesamt noch einen Preisanstieg von 1,9%, im Juni waren es schon 6,1 %. Im Durchschnitt des ersten Halbjahres ergibt sich ein Plus von 3,7 %. Demgegenüber ist der Verbraucherpreisindex im gleichen Zeitraum um 1,8 % gestiegen.

Während der Preis für Bauleistungen 2020 – aufgrund der (Corona-bedingt) schwächeren Nachfrage und der MwSt.-Senkung im zweiten Halbjahr - nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes nur um moderate 1,8 % (inkl. MwSt.) zugelegt hat, im Bauhauptgewebe sogar nur um 1,5 %, gehen die Wirtschaftsforschungsinstitute für 2021 im Durchschnitt von einem Plus von 3,9 % aus. Dabei reicht die Spanne von 2,2 % (Institut für Wirtschaftsforschung Halle) bis 4,5 % (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung Berlin).

Differenzierte Daten nach Bauwerken liegen bisher nur bis zum Monat Mai 2021 vor: Demnach lag der Preis für Neubauleistungen im Rohbau im Durchschnitt um 7,2 % über dem Niveau von Mai 2020, die Neubaupreise für Ausbauleistungen legten durchschnittlich um 5,6 % zu. Die Preisspanne reicht von + 2,4 % für den Neubau von Straßen bis + 7,3 % für den Rohbau von Wohn- und Betriebsgebäuden. Der – trotz starker Preissteigerung bei Bitumen - vergleichsweise moderate Preisanstieg beim Neubau von Straßen ist auf die ausgesprochen schwache Nachfrageentwicklung in dieser Bausparte zurückzuführen. Der damit einhergehende stärkere Wettbewerb um Aufträge führt dazu, dass die Unternehmen darauf verzichten, die gestiegenen Preise bei Vorprodukten an die Auftraggeber weiterzureichen.

Der seit Februar 2021 wieder anziehende Preis für Bauleistungen ist überwiegend auf die Preissteigerungen bei Baumaterialien zurückzuführen:  So lag der Erzeugerpreisindex für Betonstahl in Stäben (ohne MwSt.) im Juni 2021 um 47,2 %, der Preis für Bitumen um 28,3 % über dem Niveau von Dezember 2020. Der durchschnittliche Preis für Bauhölzer legte um 48,3 %, für Dachlatten sogar um 63,5 % zu. Auch Dämmplatten aus Polystyrol haben sich verteuert: Der Erzeugerpreis lag im Juni um 27,3 % über dem Niveau von Ende 2020.

Aber: Die aktuell überdurchschnittlichen Preissteigerungen für Leistungen des Bauhauptgewerbes werden erst in diesem Jahr dazu führen, dass das Bauhauptgewerbe zur Entwicklung der Verbraucherpreise aufschließen wird: 2020 lagen die Verbraucherpreise um 61,5 % über dem Niveau von 1991, die Preise für Leistungen des Bauhauptgewerbes um 60,7 %. Lediglich das Ausbaugewerbe lag mit einem Preisplus von 91,5 % deutlich über den Verbraucherpreisen.

Für die deutsche Bauindustrie ist die Preissteigerung seit 2006 auch Ausdruck einer allmählichen Normalisierung auf dem deutschen Baumarkt. Sie spiegelt nicht nur Veränderungen auf der Kostenseite wider, sondern bildet auch die verbesserte Marktstellung der Bauunternehmen ab. Nach Jahren der Baukrise, in denen sich die Unternehmen weitgehend an der Preisuntergrenze bewegt haben, sind die Firmen nicht mehr gezwungen, erkennbar ertragsschwache Aufträge anzunehmen. Stattdessen sind die Unternehmen wieder in der Lage, die Risiken des Baugeschäfts angemessen zu bepreisen.

Dies sollte eigentlich auch im Sinne der Auftraggeber sein. Mit steigenden Preisen geht auch eine verbesserte Ertragslage der Baufirmen einher. Damit werden diese in die Lage versetzt, ihre Eigenkapitalausstattung weiter aufzustocken. Dies zahlt sich am Ende auch für die Auftraggeber aus, die nicht mehr mit den enormen Insolvenzrisiken im Bauhauptgewerbe rechnen müssen, die gerade in der Baukrise zwischen 1995 und 2005 viele Projekte in Schieflage gebracht haben. Zwar ist die Branche von der hohen Insolvenzquote aus der Zeit der Baurezession mittlerweile weit entfernt, das Risiko einer Insolvenz ist im Bauhauptgewerbe mit 93 von je 10.000 Unternehmen aber immer noch deutlich höher als in der Gesamtwirtschaft (48). Offensichtlich stehen Preise und Risiken immer noch nicht in einem angemessenen Verhältnis.

Siehe auch:
….auf den Punkt gebracht: „Deutliche Preissteigerungen bei Baumaterialien seit Jahresbeginn 2021

….auf den Punkt gebracht: „Preisentwicklung im Wohnungsneubau