... auf den Punkt gebracht

Preisentwicklung im Bau(haupt-)gewerbe

Die Baupreise steigen wieder stärker: Aufgrund der deutlich angezogenen Preise für Baumaterialien seit Jahresbeginn 2021 steigen auch die Preise für Bauleistungen des Bauhauptgewerbes wieder stärker: Im Januar 2021 meldete das Statistische Bundesamt noch einen Preisanstieg von 1,9%, im Juni 2021 waren es schon 6,1 % und im November 11,8 %. Im Durchschnitt der ersten elf Monate 2021 ergibt sich ein Plus von 6,4 % (Anmerkung: Hierbei muss man allerdings berücksichtigen, dass der unterjährige Preisindex ohne MwSt. ausgewiesen wird). Demgegenüber ist der Verbraucherpreisindex im gleichen Zeitraum um 2,9 % gestiegen.

Während der Preis für Bauleistungen des Bauhauptgewerbes 2020 – aufgrund der (Corona-bedingt) schwächeren Nachfrage und der MwSt.-Senkung im zweiten Halbjahr - nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes (im Rahmen der VGR) nur um moderate 1,5 % (inkl. MwSt.) zugelegt hat, wurde für 2021 im Jahresdurchschnitt ein Plus von 8,8 % gemeldet.  

Differenzierte Daten nach Bauwerken liegen für den Monat November 2021 vor: Demnach lag der Preis für Neubauleistungen im Rohbau im Durchschnitt um 14,6 % (ohne MwSt. um 11,7 %) über dem Niveau von November 2020, die Neubaupreise für Ausbauleistungen legten durchschnittlich um 11,5 % (bzw. + 8,6 %) zu. Die Preisspanne reicht von + 7,0 % (bzw. + 4,3 %) für den Neubau von Straßen bis + 14,8 % (bzw. + 11,9 %) für den Rohbau von Betriebsgebäuden. Der – trotz starker Preissteigerung bei Bitumen - vergleichsweise moderate Preisanstieg beim Neubau von Straßen ist auf die ausgesprochen schwache Nachfrageentwicklung in dieser Bausparte zurückzuführen. Der damit einhergehende stärkere Wettbewerb um Aufträge führt dazu, dass die Unternehmen darauf verzichten, die gestiegenen Preise bei Vorprodukten an die Auftraggeber weiterzureichen.

Der seit Februar 2021 wieder anziehende Preis für Bauleistungen ist überwiegend auf die Preissteigerungen bei Baumaterialien zurückzuführen:  So lag der Erzeugerpreisindex für Betonstahl in Stäben (ohne MwSt.) im Jahresdurchschnitt 2021 um 53,2 %, der Preis für Bitumen um 36,1 % über dem Niveau von 2020. Der Preis für Bauholz legte sogar um 61,4 % zu. Auch Dämmplatten aus Polystyrol haben sich verteuert: Der Erzeugerpreis lag um 20,7 % über dem Niveau von 2020. Diese Preissteigerungen sind überwiegend auf Lieferengpässe, und nicht auf einen – Corona-bedingten – Preisrückgang im Jahr 2020 zurückzuführen: Die Erzeugerpreise der o.g. Materialien lagen 2021 auch deutlich über dem Niveau von 2019.

Aber: Die aktuell überdurchschnittlichen Preissteigerungen für Leistungen des Bauhauptgewerbes haben erst 2021 dazu geführt, dass das Bauhauptgewerbe zur Entwicklung der Verbraucherpreise aufgeschlossen hat: 2021 lagen die Verbraucherpreise um 66,6 % über dem Niveau von 1991, die Preise für Leistungen des Bauhauptgewerbes um 74,9 %. Das Ausbaugewerbe lag mit einem Preisplus von 106,3 % sogar noch deutlicher über den Verbraucherpreisen.

Für die deutsche Bauindustrie ist die Preissteigerung von 2006 bis 2020 aber auch Ausdruck einer allmählichen Normalisierung auf dem deutschen Baumarkt. Sie spiegelt nicht nur Veränderungen auf der Kostenseite wider, sondern bildet auch die verbesserte Marktstellung der Bauunternehmen ab. Nach Jahren der Baukrise, in denen sich die Unternehmen weitgehend an der Preisuntergrenze bewegt haben, sind die Firmen nicht mehr gezwungen, erkennbar ertragsschwache Aufträge anzunehmen. Stattdessen sind die Unternehmen wieder in der Lage, die Risiken des Baugeschäfts angemessen zu bepreisen.

Dies sollte eigentlich auch im Sinne der Auftraggeber sein. Mit steigenden Preisen geht auch eine verbesserte Ertragslage der Baufirmen einher. Damit werden diese in die Lage versetzt, ihre Eigenkapitalausstattung weiter aufzustocken. Dies zahlt sich am Ende auch für die Auftraggeber aus, die nicht mehr mit den enormen Insolvenzrisiken im Bauhauptgewerbe rechnen müssen, die gerade in der Baukrise zwischen 1995 und 2005 viele Projekte in Schieflage gebracht haben. Zwar ist die Branche von der hohen Insolvenzquote aus der Zeit der Baurezession mittlerweile weit entfernt, das Risiko einer Insolvenz ist im Bauhauptgewerbe mit 93 von je 10.000 Unternehmen aber immer noch deutlich höher als in der Gesamtwirtschaft (48). Offensichtlich stehen Preise und Risiken immer noch nicht in einem angemessenen Verhältnis.

 

Siehe auch:

….auf den Punkt gebracht: „Deutliche Preissteigerungen bei Baumaterialien seit Jahresbeginn 2021

….auf den Punkt gebracht: „Preisentwicklung im Wohnungsneubau