... auf den Punkt gebracht

Preisentwicklung im Bau(haupt-)gewerbe

Die Baupreise steigen weiter: Aufgrund der - durch den Krieg in der Ukraine und der dadurch verstärkten Lieferengpässe – noch einmal deutlich angezogenen Preise für Baumaterialien in den ersten Monaten 2022 haben auch die Preise für Bauleistungen des Bauhauptgewerbes wieder stärker zugelegt: Für April 2022 meldete das Statistische Bundesamt einen Preisanstieg von 13,8 %. Demgegenüber ist der Verbraucherpreisindex im gleichen Zeitraum um 7,4 % gestiegen.

Im Jahresdurchschnitt 2021 hatte der Preis für Bauleistungen des Bauhauptgewerbes - nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes (ohne MwSt.) – noch um 7,5 % zugelegt, nach einem moderaten Plus von 2,4 % im Jahr 2020.

Differenzierte Daten nach Bauwerken liegen für den Monat Mai 2022 vor: Demnach lag der Preis für Neubauleistungen im Rohbau im Durchschnitt um 20 % über dem Niveau von Mai 2021, die Neubaupreise für Ausbauleistungen legten durchschnittlich um 17,7 % zu. Die Preisspanne reicht von + 16,3 % für den Neubau von Ortskanälen bis + 21,5 % für den Neubau von Straßenbrücken. Aber auch der Preisindex für den Neubau von Straßen hat deutlich zugelegt (+ 17,4 %).

Solche Preissteigerungen gab es letztmalig 1970. Die aktuelle Entwicklung ist auf die starken Preissteigerungen bei Baumaterialien und Energie zurückzuführen:  So lag der Erzeugerpreisindex für Energie im Mai 2022 um 87,1 % über dem Niveau von Mai 2021. Der Preisindex für Betonstahl in Stäben legte um 72,1 %, der Preis für Bitumen um 61,4 %, der für Asphalt um 26,7 % zu. Der Preis für Bauholz stieg um 34,2 %. Auch Dämmplatten aus Polystyrol haben sich verteuert: Der Erzeugerpreis lag um 22,3 % über dem Niveau von 2021. Besonders betroffen sind die Bauunternehmen aber auch durch den Preisanstieg bei Dieselkraftstoff (+53,2 %), hierauf entfällt im Baugewerbe die Hälfte des Energieverbrauchs. Der Gasanteil liegt hingegen nur bei 7 %.  

Aber: Die überdurchschnittlichen Preissteigerungen für Leistungen des Bauhauptgewerbes haben erst 2021 dazu geführt, dass das Bauhauptgewerbe zur Entwicklung der Verbraucherpreise aufgeschlossen hat: 2021 lagen die Verbraucherpreise um 66,6 % über dem Niveau von 1991, die Preise für Leistungen des Bauhauptgewerbes um 74,7 %. Das Ausbaugewerbe lag mit einem Preisplus von 106,4 % sogar noch deutlicher über den Verbraucherpreisen.

Rückblickend betrachtet war die 2006 einsetzende Preissteigerung für die deutsche Bauindustrie Ausdruck einer allmählichen Normalisierung auf dem deutschen Baumarkt. Sie spiegelte nicht nur Veränderungen auf der Kostenseite wider, sondern bildet auch die verbesserte Marktstellung der Bauunternehmen ab. Nach Jahren der Baukrise, in denen sich die Unternehmen weitgehend an der Preisuntergrenze bewegt haben, sind die Firmen nicht mehr gezwungen, erkennbar ertragsschwache Aufträge anzunehmen. Stattdessen sind die Unternehmen wieder in der Lage, die Risiken des Baugeschäfts angemessen zu bepreisen.

Dies sollte eigentlich auch im Sinne der Auftraggeber sein. Mit steigenden Preisen geht auch eine verbesserte Ertragslage der Baufirmen einher. Damit werden diese in die Lage versetzt, ihre Eigenkapitalausstattung weiter aufzustocken. Dies zahlt sich am Ende auch für die Auftraggeber aus, die nicht mehr mit den enormen Insolvenzrisiken im Bauhauptgewerbe rechnen müssen, die gerade in der Baukrise zwischen 1995 und 2005 viele Projekte in Schieflage gebracht haben. Zwar ist die Branche von der hohen Insolvenzquote aus der Zeit der Baurezession mittlerweile weit entfernt, das Risiko einer Insolvenz ist im Bauhauptgewerbe mit 94 von je 10.000 Unternehmen aber immer noch deutlich höher als in der Gesamtwirtschaft (46). Offensichtlich stehen Preise und Risiken immer noch nicht in einem angemessenen Verhältnis.