Preisentwicklung im Bau(haupt-)gewerbe

Die Baupreise steigen: Aufgrund der gestiegenen Nachfrage nach Bauleistungen und der guten Auslastung in der Branche haben die Preise im deutschen Bauhauptgewerbe im vergangenen Jahr nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes durchschnittlich um 5,6 % zugelegt. Der Preisindex für den Neubau von Wohngebäuden ist um 4,4 %, der für Neubauleistungen im Straßenbau sogar um 6,1 % gestiegen. In den Jahren 2009 bis 2017 sind die Preise – trotz guter Baukonjunktur – nur um durchschnittlich 2,0 % per anno gestiegen (Wohngebäude: + 2,1 %, Straßenbau: + 2,0 %). 2018 sind die Preise im Bauhauptgewerbe erstmals seit 2011 deutlich stärker gestiegen als im Ausbaugewerbe (+ 3,8 %), wo sie im o. g. Zeitraum um durchschnittlich 2,4 % pro Jahr zunahmen.
 
Aber: Die aktuellen Preissteigerungen als Instrument der Rationierung sind - gemessen an der Hochkonjunktur - nach wie vor relativ gemäßigt. Sie spiegeln vor allem Veränderungen auf der Kostenseite, insbesondere im Bereich der Baustoffe und Bauprodukte sowie die deutliche Tariferhöhung in 2018, wider.
 
  • So liegt der Preis für Betonstahl in Stäben aktuell (Juni 2019) um 40 % über dem Niveau von Anfang 2016, der Preis für Bitumen hat sich im gleichen Zeitraum sogar verdoppelt.
 
  • 2018 gab es im Bauhauptgewerbe eine Anhebung der Tariflöhne um 5,7 % mit einer Laufzeit von 26 Monaten.
 
  • Auch die Entsorgung von Erdaushub wird – wegen eines Deponieengpasses – immer teurer: So ist der Preis für Erdarbeiten im vergangenen Jahr überdurchschnittlich stark gestiegen. Für die Bauleistungen wie „Baugrube ausheben, Boden laden und fördern bzw. weiterverwenden“ lag er Ende 2018 je nach Bauwerk um bis zu 8 % über dem Niveau ein Jahr zuvor.
 
Auch muss man berücksichtigen, dass die Preise im Bauhauptgewerbe während der Baukrise von 1995 bis 2005 sogar um 4 % zurückgegangen sind: Während die Verbraucherpreise 2018 um 38 % über dem Niveau von 1995 lagen, waren es im Bauhauptgewerbe lediglich 34 %
 
 

Für die deutsche Bauindustrie ist die Preissteigerung auch Ausdruck einer allmählichen Normalisierung auf dem deutschen Baumarkt. Sie spiegelt nicht nur Veränderungen auf der Kostenseite wider, sondern bildet auch die verbesserte Marktstellung der Bauunternehmen ab. Nach Jahren der Baukrise, in denen sich die Unternehmen weitgehend an der Preisuntergrenze bewegt haben, sind die Firmen nicht mehr gezwungen, erkennbar ertragsschwache Aufträge anzunehmen. Stattdessen sind die Unternehmen nun endlich wieder in der Lage, die Risiken des Baugeschäfts angemessen zu bepreisen. 

Mit steigenden Preisen geht auch eine verbesserte Ertragslage der Baufirmen einher. Damit werden diese in die Lage versetzt, ihre Eigenkapitalausstattung weiter aufzustocken. Dies zahlt sich am Ende auch für die Auftraggeber aus, die nicht mehr mit den enormen Insolvenzrisiken im Bauhauptgewerbe rechnen müssen, die gerade in der Baukrise zwischen 1995 und 2005 viele Projekte in Schieflage gebracht haben. Zwar ist die Branche von der hohen Insolvenzquote aus der Zeit der Baurezession mittlerweile weit entfernt, das Risiko einer Insolvenz ist im Bauhauptgewerbe mit 126 von je 10.000 Unternehmen aber immer noch deutlich höher als in der Gesamtwirtschaft (59). Offensichtlich stehen Preise und Risiken immer noch nicht in einem angemessenen Verhältnis.


Siehe auch:
….auf den Punkt gebracht: „Preisentwicklung im Wohnungsneubau“

 

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