Energetische Sanierungen sollen künftig schneller, planbarer, digitaler und bezahlbar umgesetzt werden können. Dafür haben Wohnungswirtschaft und Bauindustrie die europaweite Ausschreibung für die neue GdW-Rahmenvereinbarung „Serielles Sanieren 1.0“ gestartet. Die Bekanntmachung wurde auf TED, der zentralen EU-Plattform für öffentliche Ausschreibungen, veröffentlicht.
Die Rahmenvereinbarung soll Wohnungsunternehmen den Zugang zu verlässlichen, qualitativ hochwertigen und wirtschaftlich planbaren Sanierungslösungen aus einer Hand erleichtern. Der Spitzenverband der Wohnungswirtschaft GdW, der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) und die Deutsche Energie-Agentur (dena) entwickeln das Vorhaben gemeinsam und in Zusammenarbeit mit dem Bundeswirtschafts- und dem Bundesbauministerium.
Ingeborg Esser, Hauptgeschäftsführerin GdW: „Mit der Rahmenvereinbarung wollen wir das serielle Sanieren vom Einzelprojekt in die breite Anwendung bringen. Standardisierte Prozesse und industrielle Vorfertigung ermöglichen schnellere Abläufe, besser planbare Kosten und einen effizienteren Einsatz knapper Kapazitäten. Damit schaffen wir einen wichtigen Hebel, um den Gebäudebestand bezahlbar, klimafreundlich und in großem Maßstab zu modernisieren.“
Tim-Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer HDB: „Millionen Bestandgebäude mit einem eher unzureichenden energetischen Zustand sind die Herausforderungen vieler Städte und Gemeinden. Um die Klimaziele bis 2045 im Bestand zu erreichen, benötigen wir bautechnische Lösungen, die Geschwindigkeit, Qualität und Wirtschaftlichkeit vereinen. Das schafft das serielle Sanieren: Neben individueller Einzellösungen rücken skalierbare Sanierungskonzepte für ganze Quartiere und Wohnungsportfolios zusätzlich in den Fokus. Damit entstehen neue Investitionsperspektiven für Bauunternehmen, Hersteller und Planer sowie neue Wertschöpfungs- und Beschäftigungspotenziale entlang der gesamten Bau- und Zulieferkette.”
Nico Gorsler, Teamleiter dena-Kompetenzzentrum Serielles Sanieren: „Serielles Sanieren zahlt nicht nur in den Klimaschutz ein, sondern hat sich vom Nischensegment zum Wachstumsmotor für die deutsche Wirtschaft entwickelt. Bislang wurden durch Serielles Sanieren rund 2 Mrd. Euro umgesetzt – bis 2045 könnte sich das Marktvolumen auf 500 Mrd. Euro erhöhen. Als wachstumsstarker Wirtschaftszweig hat Serielles Sanieren positive Effekte auf den Arbeitsmarkt: neue Qualifikationen sind gefragt, neue Jobs entstehen, der Mittelstand und ganze Regionen können davon profitieren.“
Für Wohnungsunternehmen soll die Rahmenvereinbarung:
den Zugang zu erprobten und skalierbaren Sanierungslösungen vereinfachen,
Vergabe- und Planungsprozesse strukturieren und beschleunigen sowie
Qualität, Kosten und Umsetzung verlässlicher planbar machen.
So läuft das Ausschreibungsverfahren
Im ersten Schritt reichen interessierte Unternehmen ihre Unterlagen für den Teilnahmewettbewerb ein. Erfolgreiche Bewerber werden anschließend zur Abgabe eines oder mehrerer Angebote aufgefordert.
Die Ausschreibung umfasst vier Angebotsregionen und vier Fachlose: die energetische Sanierung der Außenwand sowie Sanierungen auf den Effizienzhaus-Niveaus EH85, EH70 und EH55. Die Angebote können anhand von fünf Stellvertretergebäuden kalkuliert und konkretisiert werden.
Unternehmen können sich gezielt für einzelne Gebäudetypen, Fachlose oder Regionen bewerben. Eine Teilnahme an sämtlichen Bereichen ist nicht erforderlich.
Grundlage der Ausschreibung ist eine funktionale Leistungsbeschreibung. Gesucht werden integrierte Gesamtlösungen aus einer Hand.
