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Stellungnahme der BAUINDUSTRIE zur Westbalkanregelung

Fachkräfte

Weniger Zuwanderung – weniger Fachkräfte! Die Halbierung des Westbalkan-Kontingents verschärft Personalengpässe und gefährdet Baukapazitäten.

Westbalkanregelung erhalten: Bauwirtschaft braucht verlässliche Arbeitskräftezugänge

Die geplante Halbierung des jährlichen Kontingents der Westbalkanregelung von 50.000 auf 25.000 Personen würde die Fachkräftesicherung der Bauwirtschaft empfindlich treffen. Für unsere Branche ist die Regelung kein migrationspolitisches Randthema, sondern ein bewährter, vergleichsweise unbürokratischer und passgenauer Zugang zu dringend benötigten Arbeits- und Fachkräften. Die BAUINDUSTRIE lehnt deshalb die vorgesehene Änderung des § 26 Abs. 2 Satz 3 der Beschäftigungsverordnung ab.

Ein erfolgreiches Instrument

Die Westbalkanregelung zählt zu den erfolgreichsten Wegen, Beschäftigte aus Drittstaaten für den deutschen Arbeitsmarkt zu gewinnen. Das Kontingent ist regelmäßig vor Jahresende ausgeschöpft. Voraussetzung für die Einreise ist ein konkreter Arbeitsvertrag. Die Bundesagentur für Arbeit prüft zudem, ob Beschäftigungsbedingungen und Entlohnung denen vergleichbarer Arbeitnehmer in Deutschland entsprechen.

Knapp 9.000 Arbeitskräfte im Bau gefährdet

Das Baugewerbe nutzt die Westbalkanregelung stärker als jede andere Branche. Rund 30 Prozent der auf diesem Weg erteilten Visa entfallen auf Tätigkeiten in Bauunternehmen. Eine Halbierung des Kontingents würde deshalb bereits kurzfristig zum Verlust von knapp 9.000 Arbeitskräften führen und das verfügbare Angebot dauerhaft verringern.

Eine zeitnahe Kompensation durch inländische Arbeitsmarktreserven ist nicht realistisch. Zahlreiche Bau- und baunahe Berufe weisen deutliche Engpässe auf. Besonders betroffen sind Tätigkeiten im Gleisbau, Straßen- und Asphaltbau sowie Rohrleitungs-, Kanal- und Tunnelbau. Gerade diese Berufe sind für die Modernisierung der Verkehrs- und Versorgungsinfrastruktur unverzichtbar.

Demografie verschärft den Personalbedarf

Die Branche investiert intensiv in Ausbildung und Nachwuchsgewinnung. Ende 2025 bestanden mehr als 40.000 Ausbildungsverhältnisse. Dennoch reichen die Neueintritte nicht aus, um Rentenabgänge auszugleichen: 2025 gingen rund 17.000 Bauarbeiter in den Ruhestand, während 12.700 neue Ausbildungsverträge geschlossen wurden.

Der Beschäftigungsaufbau der vergangenen Jahre war daher nur durch Zuwanderung und den Abbau von Arbeitslosigkeit möglich. Seit 2009 stieg die Beschäftigtenzahl im Bauhauptgewerbe um rund 214.000 auf 923.000 Personen im Jahr 2025. Dieser Zuwachs wurde allein durch ausländische Beschäftigte getragen. Ihr Anteil lag im Juni 2025 bei 24,9 Prozent. Rund 50.000 Beschäftigte besitzen die Staatsangehörigkeit eines Westbalkanstaates.

Berufserfahrung zählt auch ohne formalen Abschluss

Der Verweis auf andere, anerkannte Qualifikationen voraussetzende Zugangswege greift zu kurz. Bauunternehmen benötigen neben anerkannten Fachkräften auch angelernte Beschäftigte und berufserfahrene Personen, deren praktische Kenntnisse nicht durch einen in Deutschland anerkannten Abschluss dokumentiert sind. Die Westbalkanregelung eröffnet ihnen einen legalen und kontrollierten Arbeitsmarktzugang.

Folgen für Bauabläufe, Preise und Investitionen

Beschäftigte aus den Westbalkanstaaten bringen in zentralen Tätigkeitsfeldern Kompetenzen mit, die auf dem inländischen Arbeitsmarkt kaum noch verfügbar sind. Dazu zählen Betonstahlarbeiten wie das Biegen und Flechten von Bewehrungsstahl. Fehlen erfahrene Kräfte, geraten nicht nur einzelne Arbeitsschritte, sondern ganze Bauabläufe ins Stocken.

Die Kontingentkürzung gefährdet damit die personellen Voraussetzungen für Wohnungsbau, Infrastrukturmodernisierung und weitere Zukunftsinvestitionen. Sie kann Kapazitäten verknappen, Projekte verzögern und Kosten erhöhen. Das betrifft auch Vorhaben, die aus dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität finanziert werden sollen. Eine auf Wachstum und Modernisierung gerichtete Politik darf den notwendigen Arbeitskräftezugang nicht gleichzeitig beschneiden.

Was jetzt erforderlich ist

Die BAUINDUSTRIE fordert, das Kontingent der Westbalkanregelung nicht zu halbieren. Eine nachhaltige Fachkräftepolitik sollte bewährte Zugänge sichern und perspektivisch ausbauen. Dazu gehören längerfristige Visa statt der bislang auf maximal sechs Monate begrenzten Erteilung. Außerdem sollte geprüft werden, ob vergleichbare Regelungen auf weitere Herkunftsregionen mit hohem Arbeitskräftepotenzial übertragen werden können.

Die Westbalkanregelung verdrängt keine inländischen Beschäftigten. Sie ergänzt den nationalen Arbeits- und Fachkräftepool dort, wo Unternehmen trotz Ausbildung, Qualifizierung und Rekrutierung keine ausreichenden Bewerber finden. Wer mehr Wohnungen, leistungsfähige Verkehrswege und eine moderne Infrastruktur will, muss auch die personellen Voraussetzungen schaffen. Die vollständige Stellungnahme erläutert die arbeitsmarktlichen, wirtschaftlichen und fiskalischen Gründe gegen die geplante Kontingentkürzung.