Steffen / 11.09.2025
Zur Beurteilung der wirtschaftlichen Lage in den diversen Wirtschaftszweigen werden in der Regel vorrangig zwei Kennzahlen zu Rate gezogen: Zum einen die Ausstattung mit Eigenkapital, zum anderen die Umsatzrendite. Insbesondere in der längerfristigen Entwicklung zeigt sich darin, wie es um die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit in einer Branche bestellt ist. Dies gilt auch für das Bauhauptgewerbe. Zur Analyse wird auf Berechnungen des deutschen Sparkassen- und Giroverbandes zurückgegriffen, für die jeweils mehr als 10.000 Bilanzen ausgewertet werden.
Im Jahr 2002, mitten in der zehnjährigen Baukrise, lagen beide Werte auf einem historisch niedrigen Niveau. Die Umsatzrendite (das Betriebsergebnis in Relation zur Gesamtleistung) betrug lediglich 3,3 Prozent, die Eigenkapitalquote (das wirtschaftliche Eigenkapital in Relation zur Bilanzsumme) 3,5 Prozent. Beides sind Medianwerte, bei denen jeweils die Hälfte der erfassten Werte über bzw. auf oder aber unter bzw. auf dem Medianwert liegt.
Nicht zuletzt auf Druck der Banken wurde danach vor allem die Eigenkapitalausstattung erheblich verbessert. Auch die Umsatzrendite legte, allerdings bei weitem nicht so deutlich, zu. Im Zuge der baukonjunkturell sehr positiven Entwicklung ab 2010 verbesserte sich die wirtschaftliche Lage im Bauhauptgewerbe deutlich, bis 2020 legte die Rendite von 6,3 auf 10,2 Prozent zu. Die Eigenkapitalquote wurde sogar von 11,3 auf 23,6 Prozent verdoppelt.
Die schwache baukonjunkturelle Entwicklung bis 2023 (die 2024 noch anhielt) änderte dies. Die Umsatzrendite sank auf 7,3 Prozent, die Eigenkapitalquote auf 21 Prozent. Berichte, die Bauwirtschaft habe 2022 und 2023 „Inflationsgewinne“ verbucht, indem die Baupreise stärker angehoben wurden, werden damit widerlegt. Ansonsten wäre die Rendite nicht so deutlich zurückgegangen.
Die positive wirtschaftliche Entwicklung ab 2010 beeinflusste auch die Insolvenzen. Diese hatten im Bauhauptgewerbe ihren traurigen Höhepunkt 2001 mit 4.909 Unternehmenspleiten. Von 2010 bis 2020 war dann allerdings eine Halbierung von 2.057 auf 1.040 Insolvenzen zu verzeichnen. Aber auch hier geht es seitdem in die andere Richtung. Bis 2024 legte die Zahl um 55 Prozent auf 1.610 zu.
Eine ähnliche Entwicklung zeigt sich in der Einschätzung der Unternehmen bezüglich ihrer wirtschaftlichen Lage. Der Anteil der Firmen, die in den Umfragen des DIHK die Finanzierung als Risiko für ihr Unternehmen bezeichneten, stieg von 2020 bis 2024 von 7 auf 25 Prozent (Durchschnittswert der drei Umfragen pro Jahr). Zwar ist die Branche damit sowohl bei der Anzahl der Insolvenzen als auch bei der Risikobewertung noch weit von früheren Höchstwerten entfernt, die guten Jahre scheinen aber erst einmal vorbei.