Steffen / 16.12.2025
Die Investitionstätigkeit der Unternehmen des Baugewerbes ist regelmäßig ein Spiegel der baukonjunkturellen Entwicklung. Zu Zeiten einer stark wachsenden Baunachfrage in den ersten Jahren nach der Wiedervereinigung lag das nominale Investitionsniveau im Baugewerbe bei gut 8 bis 9 Mrd. Euro. Zum Ende der zehnjährigen Baukrise im Jahr 2005 waren es mit 3,2 Mrd. Euro etwa zwei Drittel weniger. 2023 wurde mit 13,0 Mrd. Euro nominal ein neuer Rekordwert erreicht, 2024 waren es 12,7 Mrd. Euro. Real (zu Preisen von 2020) waren es 2023 mit 10,9 Mrd. Euro genauso viel wie im damaligen Spitzenjahr 1992, als vor allem das Baugewerbe in den neuen Bundesländern viel investierte.
Für die Investitionsbereitschaft der Baufirmen, und damit auch ihre maschinellen Kapazitäten, ist Vertrauen in die Zukunft des Marktes von hoher Bedeutung. Erst ab dem Jahr 2010 legten die realen Investitionen wieder stetig und deutlich zu. Selbst in den Corona-Jahren gab es leichte Zuwächse, obwohl viele Bauunternehmer unsicher darüber waren, wie sich der Markt während und nach der Krise entwickeln würde.
Besonders wichtig für die Kapazitätsausstattung der Baufirmen sind die Investitionen in Maschinen und Ausrüstungen. Hierauf entfielen im Jahr 2024 anteilig 77 % aller Investitionen. 18 % flossen in Bauten und 5 % in Sonstige Investitionen (geistiges Eigentum wie Software, Patente, etc.).
In den Jahren der Baukrise von 1995 bis 2005 ging die Produktion in der Branche preisbereinigt um ein Drittel zurück. Gleichzeitig verdoppelte sich die Zahl der Insolvenzen im Baugewerbe. Im Zuge der Insolvenzverfahren konnten Bauunternehmer auf Versteigerungen günstig Baumaschinen aus der Konkursmasse erwerben. Dies wirkte sich negativ auf die eigene Investitionsbereitschaft aus.
Für das Jahr 2026 ist mit rückläufigen Investitionen zu rechnen. In der Herbstumfrage 2025 des Deutschen Industrie- und Handelskammertages gaben nur 13 % der befragten Baufirmen an, ihre Investitionen in den kommenden 12 Monaten erhöhen zu wollen, dagegen planen 34 %, ihre Investitionen zu kürzen. Dennoch ist im Vergleich zur Vorjahresumfrage (Saldo minus 28 Punkte) eine leichte Verbesserung zu erkennen. Bei den Investitionsabsichten überwiegen einmal mehr (Mehrfachantworten möglich) die Ersatzinvestitionen mit einem Anteil von 85 %, gefolgt von Rationalisierungsinvestitionen mit 24 %. Lediglich 17 % der Befragten wollen ihre Kapazitäten 2026 ausweiten.
Leasing
Einem erheblichen Wandel unterliegt auch die Finanzierung der Investitionen. In den ersten Jahren nach der Wiedervereinigung spielte das Leasing von Baugeräten und Maschinen in der Branche keine große Rolle. Der Anteil des Leasings an den Gesamtinvestitionen lag nach Berechnungen, die früher vom Bundesverband Deutscher Leasingunternehmen regelmäßig veröffentlicht wurden, von 1991 bis 1995 im Durchschnitt bei lediglich 18 %.
Danach wollten Bauunternehmer die Kapitalbindung durch Investitionen reduzieren und griffen verstärkt auf das Leasing zurück. Bis zum Ende der Baukrise im Jahr 2005 stieg die Leasingquote rasant auf 75 %. Mit dem Wiederanspringen der Baukonjunktur schwang das Pendel etwas zurück, da wegen der starken Nachfrage die Leasinggeber nicht immer alle Wünsche erfüllen konnten und Baufirmen wieder stärker selbst Maschinen und Geräte erwarben. Seit dem Jahr 2010 pendelte die Leasingquote um die 50-Prozent-Marke.
