Brancheninfo Bau

Fluktuationsquote im Bau(haupt-)gewerbe 2024 im Vergleich zum Vorjahr gesunken

Kraus / 04.08.2025

 

Im Juni 2024 waren im deutschen Baugewerbe (ohne Bauträger) 1,95 Millionen Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt, im darin enthaltenen Bauhauptgewerbe waren es 860.000. Das waren zwar 26 % bzw. 21 % mehr als 2008 (diese Daten liegen in dieser Abgrenzung erst ab 2008 vor), im Vorjahresvergleich ist die Zahl der Beschäftigten - aufgrund der Abkühlung der Baukonjunktur - allerdings gesunken: Im Baugewerbe wurde ein Rückgang von 1,4 %, im Bauhauptgewerbe von 1,6 % gemeldet. Auch die Zahl der offenen Stellen ist 2024 (Jahresdurchschnitt) gesunken und die der Arbeitslosen gestiegen. 

Es wundert somit nicht, dass die Fluktuationsquote im Bau(haupt)gewerbe 2024 – nach einer Stagnation im Vorjahr – gesunken ist. Damit hat der Nachholeffekt nach dem Corona-Einbruch 2020 ein Ende gefunden. Für Arbeitnehmer und Jobsuchende war die gute (Bau-)Konjunktur eine komfortable Situation – das Entlassungsrisiko war gering und das Arbeitsplatzangebot vergleichsweise groß. Für die (Bau-)Unternehmen jedoch wurde es immer schwieriger, offene Stellen adäquat zu besetzen, weil das Angebot an Bewerbern - auch Demografie bedingt - immer kleiner wurde. Erschwerend kam die hohe Fluktuation hinzu: Im Jahresdurchschnitt 2023 mussten im Wirtschaftszweig Baugewerbe (ohne Bauträger) rein rechnerisch 35,2 % aller sozialversicherungspflichtigen Stellen in Deutschland neu besetzt werden, im Bauhauptgewerbe 37 %. In 2024 hat sich nun aber die Abschwächung der Baukonjunktur, insbesondere im Hochbau, bemerkbar gemacht: Die Fluktuationsquote sank auf 34,2 % bzw. 36,5 %. Das ist zwar der zweitniedrigste Wert seit Anspringen des Bauarbeitsmarktes, die Quote lag damit aber immer noch deutlich über dem gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt von 31,4 % (2023: 32,3 %).

Im Gegensatz zur Gesamtwirtschaft lag die Fluktuationsquote in der Bauwirtschaft 2024 immer noch deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt von 2008 bis 2024 mit 36,8 % im Baugewerbe und 38,8 % im Bauhauptgewerbe. Im gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt lag die Quote in dem Zeitraum nur bei 31,9 %. 

Genau genommen wäre die Fluktuationsquote der Anteil jener Stellen, auf denen innerhalb eines Jahres ein Mitarbeiterwechsel stattfindet. Allerdings wird dieser Sachverhalt statistisch nicht erhoben, deshalb muss die Fluktuation näherungsweise berechnet werden: Sie ergibt sich aus dem Durchschnitt aus neu geschlossenen und beendeten Arbeitsverhältnissen, der in Relation zum Bestand an Beschäftigungsverhältnissen gesetzt wird.

Die Fluktuationsquote:

(begonnene + beendete Beschäftigungsverhältnisse innerhalb eines Jahres) / 2

 

x 100%

 

(Personalbestand zum Jahresende + Personalbestand zum Ende des Vorjahres) / 2

zeigt somit, in welchen Branchen und bei welchen Arbeitnehmern Jobwechsel besonders häufig sind.

 

Innerhalb der (Bau-)Berufe fällt die Fluktuation sehr unterschiedlich aus. In Hoch- und Tiefbauberufen ist der Jobwechsel 2024 binnen Jahresfrist - aufgrund der sich abschwächenden Baukonjunktur insbesondere im Hochbau - zwar deutlich zurückgegangen, aber auf einem höheren Niveau: Die Quote sank von 43,8 % auf 42,5 %. Sie lag damit immer noch deutlich über dem Branchendurchschnitt. Auch die Innen- und Ausbauberufe weisen mit einer Quote von 41,7 % (2023: 42,2 %) eine hohe Fluktuation auf. Die Berufe in der Bauplanung, Architektur und Vermessung weisen hingegen eine niedrigere Beschäftigungsdynamik auf: Die Quote lag mit 21,0 % (2023: 21,3 %) deutlich unter dem Bauhauptgewerbe. 

Siehe auch:

Berechnungstabelle (Excel) Fluktuationsquote (abzurufen über ELVIRA)

Brancheinfo Bau: „Fachkräftesituation im Bauhauptgewerbe

Präsentation „Frauen am Bau“ (abzurufen über ELVIRA)

Präsentation „Bauarbeitsmarkt“ (abzurufen über ELVIRA)