Kraus / 26.02.2026
Die Gerätekapazitäten der Bauunternehmen waren bis 2022 gut ausgelastet: Die Firmen des Bauhauptgewerbes meldeten im Rahmen des ifo Konjunkturtests im Durchschnitt des Jahres 2022 eine (saisonbereinigte) Maschinenauslastung von 78,7 %. Diese lag nur unwesentlich unter dem höchsten Jahresdurchschnittswert 2018 mit 78,8 % und sogar noch über dem Vorjahresdurchschnittswert von 77,9 %. Somit war die Auslastung der Baumaschinen - trotz des Krieges in der Ukraine und der damit verbundenen Materialknappheiten - vergleichsweise hoch: Im langjährigen Durchschnitt von 1991 bis 2022 lag sie lediglich bei 68,7 % und im Durchschnitt der Jahre des Bauaufschwungs 2006 bis 2021 bei 73,2 %.
Seit Frühjahr 2022 hat die Geräteauslastung - aufgrund der sich abschwächenden Baukonjunktur - aber sukzessive abgenommen: Von 81,8 % im Februar 2022 auf 65,5 % im Februar 2025. Danach war - im Trend - ein leichter Anstieg der (saisonbereinigten) Kapazitätsauslastung im Branchendurchschnitt des Bauhauptgewerbes auf 67,3 % im August zu beobachten, womit die Auslastung aber noch weit unter dem Höchststand von Anfang 2022 liegt. Seitdem hatte die Verbesserung aber ein (hoffentlich nur vorläufiges) Ende gefunden: Die Auslastung sank - auch witterungsbedingt - auf 58,1 % im Februar 2026. Dies ist nicht nur auf einen deutlichen Rückgang im Hochbau (von 62,9 auf 58 %) zurückzuführen, sondern auch (ab Januar witterungsbedingt) im Tiefbau (von 73,2 auf 58,4 %).
Die Auslastung kann allerdings nicht nur nach Branche, sondern auch nach Region unterschiedlich ausfallen. Das ifo Institut veröffentlicht die Kapazitätsauslastung aber nur für das Bauhauptgewerbe insgesamt und für den Hoch- und Tiefbau. Nach Regionen gibt es nur Daten für West- und Ostdeutschland insgesamt sowie für Bayern, Sachsen und NRW. Demnach lag die Auslastung im Jahresdurchschnitt 2025 mit 60,8 % im Hochbau in Sachsen am niedrigsten und mit 74,6 % im Tiefbau in NRW am höchsten. Im gesamtdeutschen Branchendurchschnitt lag die Auslastung im Jahresdurchschnitt 2025 bei 66,6 %.
Auch wenn die Auslastung der Maschinen im Bauhauptgewerbe in Zeiten des Bauaufschwungs vergleichsweise hoch ausfiel, gab es immer noch Luft nach oben. Die Auslastung im Bauhauptgewerbe lag zum einen noch deutlich unter der Vollauslastung der Branche und zum anderen fiel sie - und fällt sie immer noch - auch im Vergleich zum Verarbeitenden Gewerbe (VG) deutlich niedriger aus (siehe Grafik). Dies ist - trotz der prosperierenden Baukonjunktur bis 2021 - u.a. auch darauf zurückzuführen, dass die Baubetriebe ihre Kapazitäten deutlich erweitert haben: Die Unternehmen des Baugewerbes haben ihre Investitionen in neue Maschinen von 2,95 Mrd. Euro 2006 auf 9,78 Mrd. Euro 2024 mehr als verdreifacht (+232 %). Die Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes haben ihre Investitionen im gleichen Zeitraum lediglich um 38 % erhöht. Preisbereinigt ist dies immer noch ein Plus von 153 % im Vergleich zu 4,4 %.
Der HDB erwartet, dass sich die Kapazitätserweiterung im Baugewerbe - aufgrund der wieder anziehenden Baunachfrage seit 2025 und im Hinblick auf die zusätzlichen Investitionsmittel des Bundes - weiter fortsetzen wird: Im Rahmen der DIHK-Konjunkturumfrage zu Jahresbeginn 2026 gaben zwar mit 29 % immer noch mehr der befragten Bauunternehmen an, in den kommenden 12 Monaten ihre Investitionen eher reduzieren als erhöhen (14 %) zu wollen, im Vergleich zu Jahresbeginn 2025 (37 % zu 13 %) und auch zum Herbst 2025 (33 % zu 14 %) hat sich das Ergebnis aber leicht verbessert.
Demgegenüber kommt aber der Umstand, dass bei der Investitionstätigkeit die Bedeutung der Kapazitätserweiterung weiter an Gewicht verloren hat: 17 % der befragten Bauunternehmen gaben dies im Rahmen der aktuellen Umfrage als Motiv für ihre Investitionen an. Deutlich weniger als im Herbst 2021 - also vor dem Krieg in der Ukraine - mit 22 % und auch etwas weniger als in der Vorumfrage im Herbst 2025 mit 18 %. Auch das Motiv der Produktinnovation hat an Bedeutung verloren - wenn auch nur leicht: So gaben dies 16 % der Befragten als Motiv an, im Herbst lag der Anteil noch bei 17 %, im Herbst 2021 sogar noch bei 23 %. Am deutlichsten ausgeprägt ist nach wie vor der Ersatzbedarf: Dies gaben 80 % der befragten Bauunternehmen als Investitionsmotiv an. Auch das Motiv der Rationalisierung hat an Bedeutung gewonnen: Fast jedes vierte Bauunternehmen gab dies an. Auch das Motiv des Umweltschutzes hat wieder etwas gewonnen: 16 % gaben ihn als Motiv für Investitionen an, im Herbst 2025 waren es 14 %. Dies ist aber immer noch sehr weit vom Höchststand im Frühsommer 2022 mit 25 % entfernt.
Siehe auch:
Brancheninfo Bau: „Fachkräftesituation im Bauhauptgewerbe“