Brancheninfo Bau

Maschinenauslastung im Bauhauptgewerbe

Kraus / 27.08.2026

Die Erholung der Maschinenauslastung im Bauhauptgewerbe kommt durch die Verunsicherung der Auftraggeber und deren Zurückstellen von Projekten nicht nachhaltig in Gang. Im August meldeten die Bauunternehmen im Rahmen des ifo Konjunkturtests eine (saisonbereinigte) Maschinenauslastung von 67,9 %, diese lag damit nur unwesentlich über der des vergleichbaren Vorjahresmonats mit 67,3 %. Dabei fiel die Auslastung im Hochbau mit 64,1 % deutlich niedriger aus als im Tiefbau mit 73,2 %. Dass die Auslastung trotz des Anstiegs des Auftragseingangs in 2025 und im 1. Hj. 2026 nicht höher ausfällt, ist auf die Zurückhaltung der Auftraggeber zurückzuführen. So klagten im Rahmen der HDB-Sommer-Umfrage 80 % der Befragten, dass sie von Problemen durch den Iran-Krieg betroffen seien, wie Preissteigerungen bei Diesel, Energie und Material (97 %) und Transport (83 %), aber auch von Unsicherheiten seitens der Auftraggeber. Von Letzterem berichteten 42 %, im Hochbau sogar 60 %. 28 % der Befragten gaben an, dass ihr Auftraggeber sein Projekt zurückgestellt habe, im Hochbau waren sogar 44 % betroffen.

Bis 2022 waren die Gerätekapazitäten der Bauunternehmen noch gut ausgelastet und das trotz des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine und der damit verbundenen Materialknappheiten sowie deren Folgen für die Wirtschaft. Die Firmen des Bauhauptgewerbes meldeten im Durchschnitt des Jahres 2022 eine (saisonbereinigte) Maschinenauslastung von 78,7 %, die nur unwesentlich unter dem höchsten Jahresdurchschnittswert 2018 mit 78,8 % lag. Somit war die Auslastung der Baumaschinen vergleichsweise hoch: Im langjährigen Durchschnitt von 1991 bis 2022 lag sie lediglich bei 68,7 % und im Durchschnitt der Jahre des Bauaufschwungs 2006 bis 2021 bei 73,2 %. 

Seitdem hat die Geräteauslastung - aufgrund der sich abschwächenden Baukonjunktur - aber sukzessive abgenommen: Von 81,7 % im Februar 2022 auf 65,6 % im Februar 2025. Danach war - im Trend - ein leichter Anstieg der (saisonbereinigten) Kapazitätsauslastung im Branchendurchschnitt des Bauhauptgewerbes auf 67,3 % im August 2025 zu beobachten, womit die Auslastung aber noch weit unter dem Höchststand von Anfang 2022 lag. Seitdem entwickelt sich die Auslastung eher seitwärts, mit Ausnahme eines witterungsbedingten Einbruchs im Januar und Februar. 

Die Auslastung fällt allerdings nicht nur nach Branche, sondern auch nach Region unterschiedlich aus. Das ifo Institut veröffentlicht die Kapazitätsauslastung aber nur für das Bauhauptgewerbe insgesamt und für den Hoch- und Tiefbau. Nach Regionen gibt es nur Daten für West- und Ostdeutschland insgesamt, sowie für Bayern, Sachsen und NRW. Demnach lag die Auslastung im August 2026 mit 62,7 % im Hochbau in Bayern und Ostdeutschland am niedrigsten und mit 73,5 % im Tiefbau in NRW am höchsten. 

Auch wenn die Auslastung der Maschinen im Bauhauptgewerbe in Zeiten des Bauaufschwungs vergleichsweise hoch ausfiel, gab es immer noch Luft nach oben. Die Auslastung im Bauhauptgewerbe lag zum einen noch deutlich unter der Vollauslastung der Branche und zum anderen fiel sie - und fällt sie immer noch - auch im Vergleich zum Verarbeitenden Gewerbe (VG) deutlich niedriger aus (siehe Grafik). Dies ist - trotz der prosperierenden Baukonjunktur bis 2021 - u.a. auch darauf zurückzuführen, dass die Baubetriebe ihre Kapazitäten deutlich erweitert haben: Die Unternehmen des Baugewerbes haben ihre Investitionen in neue Maschinen von 2,95 Mrd. Euro 2006 auf 9,78 Mrd. Euro im Jahr 2024 mehr als verdreifacht (+232 %). Die Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes haben ihre Investitionen im gleichen Zeitraum lediglich um 38 % erhöht. Preisbereinigt ist dies immer noch ein Plus von 153 % im Vergleich zu 4,4 %. 

Der HDB erwartet, dass sich die Kapazitätserweiterung im Baugewerbe - aufgrund der derzeitigen Unsicherheiten und im Hinblick auf die schleppende Investitionsmittelvergabe des Bundes - erst einmal nicht fortsetzen wird: Im Rahmen der DIHK-Konjunkturumfrage zum Frühsommer 2026 gaben mit 34 % immer noch mehr der befragten Bauunternehmen an, in den kommenden 12 Monaten ihre Investitionen eher reduzieren als erhöhen (15 %) zu wollen, im Vergleich zum Jahresbeginn 2026 (29 % zu 14 %) hat sich das Ergebnis damit weiter verschlechtert.

Demgegenüber kommt aber der Umstand hinzu, dass bei der Investitionstätigkeit die Bedeutung der Kapazitätserweiterung wieder an Gewicht gewonnen hat: 21 % der befragten Bauunternehmen gaben dies im Rahmen der aktuellen DIHK-Umfrage als Motiv für ihre Investitionen an. Deutlich mehr als noch zu Jahresbeginn (17 %) und fast genauso viele wie im Herbst 2021 - also vor dem Krieg in der Ukraine - mit 22 %. Auch das Motiv der Produktinnovation hat an Bedeutung gewonnen - wenn auch nur leicht: So gaben dies 17 % der Befragten als Motiv an, im Januar lag der Anteil noch bei 16 %, im Herbst 2021 allerdings noch bei 23 %. Am deutlichsten ausgeprägt ist nach wie vor der Ersatzbedarf: Dies gaben 79 % der befragten Bauunternehmen als Investitionsmotiv an. Auch das Motiv der Rationalisierung hat an Bedeutung gewonnen: Fast jedes vierte Bauunternehmen gab dies an. Das Motiv des Umweltschutzes stagniert hingegen: Lediglich 16 % gaben dies als Motiv für Investitionen an. Dies ist immer noch sehr weit vom Höchststand im Frühsommer 2022 mit 25 % entfernt.