Kraus / 08.10.2026
Die 2021 bis 2023 stark gestiegenen Baumaterial- und Energiepreise sowie Zinskosten hatten zu einem deutlichen Anstieg der Baupreise in diesen Jahren geführt. Wie auch andere Branchen sah sich die Bauwirtschaft mit dem Vorwurf konfrontiert, die Situation ausgenutzt und die Preise über das notwendige Maß hinaus erhöht zu haben, um die Gewinne überdurchschnittlich zu steigern. Dies können wir nicht bestätigen.
Umsatzrendite und Eigenkapitalquote im Bauhauptgewerbe lagen 2024 deutlich unter dem Wert von 2020. Für 2025 und 2026 wird auch keine Verbesserung erwartet.
Die Umsatzrendite im Bauhauptgewerbe ist von 2020 mit 10,2 % auf 7,0 % im Jahr 2024 gesunken. Bei Unternehmen mit 50 und mehr Mio. Euro Umsatz ist die Rendite sogar von 6,1 % auf 4,4 % zurückgegangen. Gleichzeitig sank die Eigenkapitalquote von 23,6 % auf 21,6 % im Jahr 2024, bei den großen Bauunternehmen von 17,5 % auf 15,8 %. Im Gegensatz zur Umsatzrendite, welche kontinuierlich zurückgegangen ist, konnte sich die Eigenkapitalquote von 2022 mit 19,9 % auf 21,6 % im Jahr 2024 wieder leicht erholen, der Wert von 2020 liegt aber noch in weiter Ferne. Dies ergab die Auswertung von knapp 10.000 Bilanzen (2024 vorläufig 5.000 Bilanzen) durch den Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV) vom März dieses Jahres. Werte für 2025 liegen für das Bauhauptgewerbe noch nicht vor, diese werden erst im März 2027 veröffentlicht.
Für 2025 erwarten wir allerdings keine Besserung. Darauf deutet die Frühjahrsumfrage 2026 der Creditreform bei mittelständischen Unternehmen hin: Lediglich 10 % der befragten Unternehmen des Baugewerbes (eine Differenzierung nach Ausbau- und Bauhauptgewerbe wird nicht vorgenommen) gaben an, dass ihre Ertragslage 2025 gestiegen sei, 52 % berichteten von einer stabilen und 38 % von einer gesunkenen Ertragslage. Die Ergebnisse der Hauptverbands-Umfrage von Dezember 2025 sind nicht wesentlich besser ausgefallen: Demnach gaben deutlich mehr (39 %) der Befragten an, dass sich die Ertragslage ihres Unternehmens eher verschlechtert habe, als verbessert (28 %). Nur jeder Dritte berichtete über eine im Vergleich zum Vorjahr unveränderte Ertragslage.
Die weitere Ertragsentwicklung (2026) schätzten die Bauunternehmen auch nicht besser ein: Im Rahmen der HDB-Umfrage vom Sommer dieses Jahres erwarteten nur 13 % eine Verbesserung, 43 % eine Verschlechterung und 44 % eine Stabilität. Die mittelständischen Bauunternehmen waren in der Frühjahrsumfrage der Creditreform hingegen optimistischer: Jeder Vierte erwartete eine steigende Ertragslage, 22 % eine sinkende und 53 % eine stabile. In der aktuellen Herbstumfrage hat sich das Bild für 2026 aber gewandelt: Nur noch 18 % berichteten von einer aktuell gestiegenen Ertragslage, 49 % von einer stabilen und 33 % von einer gesunkenen. Für die Zukunft ist man auch skeptisch: Es erwarten nur 18 % steigende Erträge, 53 % stabile und 26 % sinkende.
Auch die Eigenkapitalquoten werden sich in der gesamten Baubranche nicht weiter verbessern: Laut aktueller Creditreform-Umfrage gaben 22 % der befragten mittelständischen Bauunternehmen an, dass ihre Eigenkapitalquote im Herbst 2026 über 30 % liege, im Herbst 2025 hatten dies noch 35 % angegeben.
Insolvenzen im Bau(haupt)gewerbe stark gestiegen
Die gestiegene Zahl an Insolvenzen im Branchendurchschnitt bestätigt die Verschlechterung der Ertragslage: Diese ist 2023 im Bauhauptgewerbe um 25,7 % gestiegen, 2024 um weitere 14,3 % und auch 2025 um 7,4 %. Für das 1. Hj. 2026 wurde zwar nur noch ein Anstieg von 1,3 % gemeldet, aber mit einem deutlichen Plus (+ 15,7 %) im Juni. Im gesamten Baugewerbe legte die Zahl der Insolvenzen 2023 um 12,5 %, 2024 um 19,0 %, 2025 um 10,1 % und im 1. Hj. 2026 um 2,6 % zu (Juni 2026: + 21,6 %). Aufgrund der verbesserten Ertragslage bis 2020 lag die Zahl der Insolvenzen zwar auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau (2025: 1.730 bzw. 3.770 im Vergleich zum Höchststand 2001 mit 4.900 bzw. 2002 mit 9.160), aber der starke Anstieg seit 2022 bereitet Sorgen.
Gestiegene Material-, Energie- und Zinskosten konnten 2021 nur zum Teil, 2022 und 2023 überwiegend weitergegeben werden. Aktuelle Kostensteigerungen in 2026 bleiben derzeit überwiegend beim Bauunternehmen hängen.
Das Bauhauptgewerbe ist eine sehr materialintensive Branche: Der Anteil der (direkten) Materialkosten am Bruttoproduktionswert liegt im Durchschnitt des Bauhauptgewerbes bei 23 %. Der (direkte) Anteil fällt aber je nach Sparte unterschiedlich aus, er liegt zwischen 5 % (Gerüstbau) und 35 % (Dachdeckerei/Bauspenglerei). Allerdings muss man berücksichtigen, dass ein Großteil der eigenen Bautätigkeit an Nachunternehmer vergeben wird, die selbst Material einsetzen, welches sie in Rechnung stellen. Somit kann davon ausgegangen werden, dass der Materialkostenanteil doppelt so hoch ausfällt (im Branchendurchschnitt ca. 40 %).
Die gestiegenen Material- und Energiekosten, die (trotz leichter Beruhigung bei einzelnen Produkten seit Mitte 2022) überwiegend auf einem immer noch vergleichsweise hohen Niveau liegen, schlagen bei den Bauunternehmen somit deutlich zu Buche. Die geopolitischen Verwerfungen im Nahen Osten und deren Auswirkungen haben zu einer weiteren starken Kostensteigerung geführt, insbesondere bei Diesel und Bitumen. Aufgrund der zunehmenden Knappheiten (siehe Brancheninfo Bau: „Preissteigerungen bei Baumaterialien“) könnte die derzeitige Volatilität der Preise wieder zu einem nachhaltigeren Anstieg umschlagen. Hinzu käme der zu erwartende Zweitrundeneffekt bei anderen Baumaterialien aufgrund der (voraussichtlich) wieder steigenden Energiekosten.
So lag der Erzeugerpreis für Zement zu Jahresbeginn 2026 um 61 % über dem Niveau von Januar 2021, dem Beginn der letzten starken Preissteigerungen. Der Preis für Dieselkraftstoff legte sogar um 80 %, der Preis für Asphaltmischgut um 59 % zu. Der Preis für Betonstahl hat sich hingegen wieder beruhigt und lag nur um 18 % über dem Niveau zu Jahresbeginn 2021. Bei letzterem hat sich der Zweitrundeneffekt - auch aufgrund langlaufender Verträge – bisher noch nicht ausgewirkt.
Der (nominal) gestiegene Umsatz wurde damals und wird auch aktuell durch die gestiegene Material-, aber auch Energie- und Zinskosten „aufgefressen“. Dies war insbesondere im Jahr 2021 der Fall. Aufgrund (zum Teil) langlaufender Verträge konnten die gestiegenen Kosten nicht vollständig weitergegeben werden, der Preisindex für Bauleistungen im Bauhauptgewerbe stieg 2021 – trotz der enormen Kostensteigerungen – „nur“ um 8,7 % (inkl. MwSt.). Dies führte zu dem beschriebenen Rückgang der Umsatzrendite und Eigenkapitalausstattung im Bauhauptgewerbe.
Mit Baupreissteigerungen von 16,3 % bzw. 6,6 % in den Jahren 2022 und 2023 scheinen die gestiegenen Kosten dann aber deutlicher eingepreist worden zu sein. Darauf deutet auch der Vergleich der Entwicklung des Kosten- und des Preisindex für den Neubau von Wohngebäuden hin [Anmerkung: der Kostenindex wird nur für den Neubau von Wohngebäuden berechnet]. Der Kostenindex ist im Jahresdurchschnitt 2022 um 12,9 %, der Preisindex (der auch den kalkulatorischen Unternehmensgewinn enthält) hingegen um 16,3 % gestiegen. 2023 stieg der Kostenindex nur noch um 3,5 %, der Preisindex legte hingegen um 8,4 % zu. Die Differenz war aber nicht ausreichend, um die Umsatzrendite wesentlich zu erhöhen, im Gegenteil: Diese stieg nur von 7,5 % im Jahr 2021 auf 7,8 % im Jahr 2023. Für Mai dieses Jahres (aktuellere Daten liegen noch nicht vor) stieg der Kostenindex um 4,5 %, der Baupreisindex um 5,0 %. Die Differenz ist nicht ausreichend, um die Umsatzrendite in der Branche wieder zu erhöhen. Die Wirtschaftsforschungsinstitute haben (im Durchschnitt) ihre Prognose der Baupreise für das laufende Jahr von ehemals 3,3 % (März) auch „nur“ auf 4,9 % (September) angehoben. Eine wesentliche Ertragsverbesserung ist somit nicht in Sicht.
Insofern konnte weder damals noch aktuell davon gesprochen werden, die Bauwirtschaft sei ein Inflationsgewinner. „Ungerechtfertigte Preisaufschläge“ sind auch nur möglich, wenn Kunden bzw. Auftraggeber mangels Wettbewerbs nicht auf andere Anbieter ausweichen können. Dies ist in der Bauwirtschaft, angesichts von knapp 82.000 Betrieben allein im Bauhauptgewebe, nicht der Fall.
Siehe auch:
Brancheninfo Bau: „Preissteigerungen bei Baumaterialien“
Brancheninfo Bau: „Preisentwicklung im Bau(haupt-)gewerbe“
Brancheninfo Bau: „Preisentwicklung im Wohnungsneubau“
Brancheninfo Bau: „Löhne und Entgelte im Baugewerbe deutlich erhöht“