Brancheninfo Bau

Investitionsrückstand der Kommunen

Steffen / 22.08.2025

Die Städte und Gemeinden sind in Deutschland ein wichtiger Auftraggeber für die Bauwirtschaft. Auf sie entfielen 2024 mit 35,4 Mrd. Euro rund die Hälfte der staatlichen Bauinvestitionen. Im Bauhauptgewerbe entfällt auf öffentliche Auftraggeber ein Viertel des Umsatzes. Nach langen Jahren der Investitionszurückhaltung stiegen die kommunalen Bauinvestitionen zwischen 2016 und 2024 um 85 Prozent. Dazu trugen neben steigenden Steuereinnahmen (plus 57 Prozent) auch Sonderprogramme von Bund und Ländern bei. 2022 und 2023 machten sich dann auch die stark steigenden Baupreise bemerkbar. 

Trotz dieses Anstiegs steht es allerdings weiterhin nicht gut um die Qualität der kommunalen Infrastruktur. Im Auftrag der Kreditanstalt für Wiederaufbau führt das Deutsche Institut für Urbanistik (Difu) jährlich eine Umfrage unter Städten, Gemeinden und Landkreisen durch. Dabei geht es um die Finanzsituation, die Unterhaltung der Infrastruktur und die Einschätzung des Investitionsrückstands sowie dessen Entwicklung. In der aktuellen Umfrage, die zum Jahresende 2024 durchgeführt und im Frühsommer 2025 veröffentlicht wurde, zeigten sich die seit vielen Jahren bekannten Probleme.

Gesamtfinanzsituation

60 % der Kommunen bezeichneten ihre Gesamtfinanzsituation im Jahr 2024 als „mangelhaft“ oder „ausreichend“, lediglich 17 % als „gut“ bzw. „sehr gut“. Der resultierende Saldo von minus 43 Punkten hat sich gegenüber 2018 (plus 4 Punkte) drastisch verschlechtert. Zudem erwarteten 90 % der Kommunen in den kommenden fünf Jahren eine nachteilige Entwicklung ihrer Gesamtfinanzsituation.

Unterhaltung der Infrastruktur

Im Durchschnitt aller 14 Aufgabenbereiche konnte die Unterhaltung in 33 % der Kommunen „vollständig“ bzw. „weitgehend“ gewährleistet werden, in 19 % „nur in geringem Umfang“ bzw. „gar nicht“. Dabei gibt es allerdings deutliche Unterschiede. Sehr gut sieht es bei der Abfallwirtschaft aus. Bei dem Brand- und Katastrophenschutz und der Kinderbetreuung konnte die Unterhaltung weitgehend gewährleistet werden. Probleme bereiten vor allem die Bereiche Sportstätten und Bäder, Straßen und Verkehr sowie die kommunale Wohnungswirtschaft. Insbesondere der Bereich Straßen und Verkehr ist bereits seit vielen Jahren das Sorgenkind der kommunalen Investitionstätigkeit. Im Jahr 2024 sah sich fast ein Drittel der Städte und Gemeinden lediglich in der Lage, die Unterhaltung nur in geringem Umfang bzw. gar nicht leisten zu können.

Investitionsrückstand

Über alle Bereiche ermittelte das Difu für 2024 einen Investitionsrückstand von fast 216 Mrd. Euro. Wie in all den Jahren zuvor führen die Schulen (67,8 Mrd. Euro) sowie Straßen und Verkehr (53,4 Mrd. Euro) mit einem addierten Anteil von 56 % die Negativliste an.

Verschärft wird die Situation dadurch, dass 39 % der Kommunen für die kommenden fünf Jahre ein Anwachsen des Rückstandes erwarten, aber nur 24 % davon ausgehen, diesen zumindest teilweise abbauen zu können. Die Erwartungen an die kommunale Investitionstätigkeit sind sehr gedämpft. Auch hier sind Straßen und Verkehr besonders betroffen. Der Saldo aus „abbauen“ bzw. „anwachsen“ des Investitionsrückstands ist mit minus 38 % der schlechteste aller Aufgabenbereiche. Die ohnehin schon schlechte Qualität der Verkehrsinfrastruktur wird also weiter abnehmen. Dies ist ein besonderes Problem für die Straßenbaufirmen, die nahezu ausschließlich auf öffentliche Aufträge angewiesen sind. 

Zukunftsaussichten

Angesichts der steigenden Zinsen und damit verbundenen höheren Ausgaben, der Belastung durch die Unterbringung von Geflüchteten und nur moderat steigender Steuereinnahmen (Prognose) ist mittelfristig nicht mit einem Abbau des Rückstandes zu rechnen. Zwar sieht der vom Bundeskabinett beschlossene Gesetzentwurf zur Errichtung des Sondervermögens für Länder und Kommunen finanzielle Mittel in Höhe von 100 Mrd. Euro über einen Zeitraum von zwölf Jahren für Investitionen vor. Doch sollen die Länder individuell festlegen, welchen Anteil sie bedarfsorientiert an ihre Kommunen weiterleiten. So ist davon auszugehen, dass die Kommunen nur einen Bruchteil der finanziellen Mittel aus dem Fonds erhalten werden, obwohl sie die Hauptverantwortungslast vor Ort schultern. Zudem besteht die Gefahr, dass Haushaltsmittel lediglich durch den Fonds ersetzt werden und der Investitionsrückstand somit nicht angegangen wird.

 

Siehe auch:


Brancheninfo Bau: „Zustand der Verkehrswege“

Brancheninfo Bau: „Öffentliche Bauinvestitionen“