Brancheninfo Bau

Die Preisberuhigung bei einzelnen Produkten setzt sich fort. Die Preise liegen aber teilweise immer noch auf einem hohen Niveau.

Kraus / 20.11.2025

 

Die Preissteigerungen bei Baumaterialien hatten durch den Krieg in der Ukraine einen deutlichen Schub erhalten. Monatelang kannten die Preise nur eine Richtung: nach oben. Seit Juli 2022 konnte bei einigen Materialien allerdings eine Preisberuhigung beobachtet werden, welche die vorherige Steigerung aber nicht vollständig ausgleichen konnte. Das Preisniveau lag im Oktober 2025 bei den meisten Baumaterialien noch deutlich über dem Niveau vom Jahresbeginn 2021, dem Beginn der starken Preissteigerungen (siehe Grafik unten). 

Ein besonders hohes Preisniveau wird für Zement ausgewiesen: Der Preis lag im Oktober 2025 um 59 % über dem Niveau von Januar 2021. Die zwischenzeitig stark gestiegenen Energiekosten haben vor allem die in ihrer Produktion besonders energieintensiven Produkte belastet. Trotz Beruhigung der Energiepreise ist der Preis für Zement nicht wieder gesunken, sondern befindet sich seit Anfang 2023 auf einer kontinuierlichen Seitwärtsbewegung. Das gleiche trifft auf den Preis für Transportbeton zu – allerdings mit leicht abschwächender Tendenz: Dieser lag im Oktober 2025 um 35 % über dem Niveau von Januar 2021.

Der Preis für Asphalt kennt hingegen - im Trend - nur noch eine Richtung: Nach oben. Für Asphalt müssen die Unternehmen aktuell 48 % mehr bezahlen als zu Jahresbeginn 2021. Hier hatte sich die volatile Preisentwicklung bei Bitumen nicht partiell preisberuhigend ausgewirkt. Anscheinend erwarten die Produzenten keinen nachhaltigen Preisrückgang beim Vorprodukt Bitumen. Insgesamt lag der Preis für Bitumen im Oktober immer noch um 41 % über dem Niveau zu Beginn der Preissteigerungen 2021. Die Preissteigerungen zu Jahresbeginn hatten sich von März bis Mai zwischenzeitig umgekehrt. Somit hatte sich die Preisberuhigung bei Dieselkraftstoff positiv ausgewirkt. Nach einem kurzen Anstieg im Juli haben sich die Preise aktuell aber wieder beruhigt: Der Preis für Dieselkraftstoff lag im Oktober um 0,4 % unter dem Vormonat. Für Bitumen wurde sogar ein Rückgang von 2,0 % gemeldet. Insgesamt liegt der Preis aber immer noch um 28 % bzw. 41 % über dem Niveau von Januar 2021. Dies belastet die Kostenseite der Bauunternehmen, da 41 % des Energieverbrauchs im Baugewerbe auf Diesel entfällt, welcher für Baumaschinen benötigt wird. 

Die Materialengpässe und Energiepreissteigerungen hatten sich zwischenzeitig auch auf die Stahlpreise ausgewirkt: Der Preis für Betonstahl legte im Zeitraum von Januar 2021 bis Mai 2022 um 114 % zu. Von Sommer 2022 bis September 2023 war eine kontinuierliche Beruhigung und seitdem eine Seitwärtsbewegung mit leichten Ausschlägen nach oben und unten zu beobachten. Im Oktober 2025 lag der Preis um 1,9 % unter dem Niveau des Vormonats und 2,0 % unter dem des Vorjahres, allerdings immer noch um 7,5 % über dem zu Jahresbeginn 2021. 

Die im Rahmen der DIHK-Umfrage im Herbst befragten Bauunternehmen schätzen das Risiko hoher Energie- und Rohstoffpreise für die wirtschaftliche Entwicklung des eigenen Unternehmens nur unwesentlich niedriger ein als noch zu Jahresbeginn: Während dies Anfang Januar 57 % der Befragten angaben, waren es im September 54 %. Angesichts des mittlerweile erreichten hohen Preisniveaus liegt der Anteil somit immer noch deutlich über dem zu Jahresbeginn 2021 (35 %). 

Bei der Interpretation der o. g. Preissteigerungen muss berücksichtigt werden, dass es sich bei den Werten um Durchschnittswerte handelt, die Preissteigerungen - bzw. Preisrückgänge - können somit auch vereinzelt deutlich höher oder niedriger ausfallen. So fließen in die Erzeugerpreise neben Preisen aus Neuverträgen auch Preise aus langlaufenden Verträgen ein. Auch muss man berücksichtigen, dass es sich nur um Preise, der in Deutschland erzeugten und im Inland verkauften Produkte handelt. Im- und Exporte werden in dieser Statistik nicht berücksichtigt. [Anmerkung: Die Indizes werden ohne MwSt. ausgewiesen.]

Gründe für die zwischenzeitig deutlichen Preisanstiege waren begrenzte Lieferkapazitäten der Hersteller, steigende Produktionskosten durch die Energiepreissteigerungen, aber auch fehlende Transportkapazitäten. Gleichzeitig wurden bei den Erzeugern - auch aufgrund der zwischenzeitig stark gestiegenen Energiekosten - Kapazitäten abgebaut oder Produktionen ganz eingestellt. Des Weiteren waren Lieferketten unterbrochen, zusätzlich herrschte Container- und Hafenpersonalmangel sowie ein Stau von Frachtschiffen und überfüllte Depots in einzelnen Häfen. Auch wurde vermehrt über „Hamsterkäufe“ zur Vorbeugung gegen weitere Preissteigerungen und Materialknappheiten berichtet, welche die Nachfrage und somit die Preise erhöhten.

Von den Knappheiten war zwischenzeitig eine noch nie dagewesene Anzahl an Unternehmen betroffen: Im Durchschnitt der Jahre 1991 bis 2020 gaben nicht einmal 1 % der im Rahmen des ifo Konjunkturtests befragten Bauunternehmen an, in ihrer Bautätigkeit durch Materialknappheit betroffen zu sein, im Mai 2022 - aufgrund der Verwerfungen durch den Krieg in der Ukraine - war es jedes zweite. Seit Juni 2022 konnte aber wieder eine anhaltende Beruhigung festgestellt werden: Der Anteil lag im Oktober 2025 nur noch bei 1,0 %. Von den Straßenbauern waren allerdings 2,7 % betroffen, mit steigender Tendenz.

Für Bauunternehmen liegt das Problem von unerwartet starken Preissteigerungen darin, dass diese bei langlaufenden Projekten - deren Preis schon vorher vereinbart wurde - nicht oder nur in Ausnahmefällen an die Auftraggeber weitergegeben werden können - sofern keine Preisgleitung vereinbart wurde. Das Risiko stark steigender Preise kann entweder nur durch langfristige Lieferverträge, Preisgleitklauseln oder entsprechende Kostenpuffer im Angebot abgesichert werden. Letzteres ist bei der ausgesprochen volatilen Preisentwicklung der vergangenen Jahre, bei steigendem Konkurrenzdruck und der Neigung öffentlicher Auftraggeber, regelmäßig das billigste Angebot anzunehmen, aber nicht immer möglich. Es besteht somit die Gefahr, dass die - in den vergangenen Jahren mühsam aufgebaute - Eigenkapitalausstattung bei sinkenden Margen wieder abschmilzt und das Insolvenzrisiko im Baugewerbe wieder steigt: Für das Gesamtjahr 2023 hatte das Statistische Bundesamt auch schon einen Anstieg der Insolvenzen im Bauhauptgewerbe von 25,7 % auf 1.409 gemeldet. Für das Gesamtjahr 2024 und für die ersten acht Monate 2025 meldete das Bundesamt einen weiteren Anstieg, und zwar um 14,3 % bzw. 7,9 %.  

Nach einem moderaten Preisanstieg für Leistungen des Bauhauptgewerbes im Jahr 2020 haben die Baupreise nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes 2021 und insbesondere 2022 deutlich angezogen: Sie lagen im Jahresdurchschnitt 2021 um 8,7 % und 2022 um 16,4 % über dem Vorjahresniveau (Quelle: VGR, Bauinvestitionen). Aufgrund der Preisberuhigung bei einzelnen Baumaterialien und des mittlerweile erreichten hohen Niveaus der Baupreise lag die Preissteigerung im Jahresdurchschnitt 2023 bei 6,5 % und 2024 bei 2,1 %. Für 2025 erwarten die Wirtschaftsforschungsinstitute im Durchschnitt (für die gesamten Bauinvestitionen) einen Anstieg der Baupreise von 3,3 %, für 2026 von 3,4 % und für 2027 sogar 3,7 %.

Ob es sich bei der Entwicklung von Januar 2021 bis Sommer 2022 um einen sogenannten Superzyklus handelt, der sich bald fortsetzen wird, oder nur um eine kurzfristige Rallye - aufgrund der verringerten Produktionskapazitäten, der zwischenzeitig stark gestiegenen Nachfrage und der gestörten Lieferketten -, lässt sich jetzt noch nicht absehen. In Zukunft (aufgrund des Zurückruderns einiger Länder allerdings nicht mehr in naher Zukunft) wird aber die Energiewende ein großer Treiber der Rohstoffnachfrage und somit der Preise sein. Für die Energiewende werden u.a. Stahl und seltene Erden für Windräder und Elektromotoren sowie Kupfer und Aluminium für den Ausbau der Stromnetze und der IT-Infrastruktur benötigt. Dies sind alles Produkte, die auch in der Bauwirtschaft gebraucht werden. Das Problem: Die steigende Nachfrage trifft in vielen Teilen des Marktes auf ein knappes Angebot. Neben den Knappheiten, die zu Preissteigerungen führen, verteuern auch hohe und zunehmend volatile Energiepreise die Produktion. Insgesamt gehen die meisten Experten davon aus, dass ein merklicher Rückgang der Preise nicht zu erwarten ist, vielmehr werden sie wohl auf hohem Niveau verbleiben

Siehe auch:

Brancheninfo Bau: „Inflationsgewinner

Brancheninfo Bau: „Preisentwicklung im Wohnungsneubau

Brancheninfo Bau: „Preisentwicklung im Bau(haupt-)gewerbe

Brancheninfo Bau: „Energieverbrauch und Klimaschutz im Baugewerbe – Eine Datensammlung.