Brancheninfo Bau

Die aufgrund des Iran-Kriegs gestiegenen Ölpreise haben zu starken Preissteigerungen bei Dieselkraftstoff und Bitumen geführt.

Kraus / 22.04.2026

 

Die bei einzelnen Baumaterialien bis zum Berichtsmonat Februar 2026 zu beobachtende Preisberuhigung hatte im März ein Ende. Die gestiegenen Ölpreise haben zu starken Preissteigerungen bei Dieselkraftsoff und Bitumen geführt. 

Die Preise für Öl und Gas sind aufgrund des anhaltenden Irankriegs gestiegen, und das kräftig: Terminkontrakte für Erdgas an der Amsterdamer Energiebörse lagen zwischenzeitig um bis zu 35 % höher. Für ein Fass Rohöl der Sorte Brent wurde bis zu 120 Dollar aufgerufen. Grund sind die Sperrung der Meerenge von Hormus sowie die Angriffe auf Gasfelder, Förder- und Industrieanlagen sowohl im Iran als auch in den benachbarten Golfstaaten. Anders als die Sperrung der Meerenge sind Schäden an der Energieinfrastruktur keine vorübergehende Erscheinung. So wird etwa die Reparatur der beschädigten LNG-Anlagen in Katar nach Angaben von Qatar Energy drei bis fünf Jahre dauern. Analysten rechnen daher nicht mit einer baldigen Entspannung.

Der Preis für Dieselkraftstoff hatte sich von Herbst 2024 bis Februar 2026 im Trend eher seitwärts entwickelt, mit leichten Ausschlägen nach oben und unten. Im März legte der Preis binnen Monatsfrist um 25,3 % zu. Der Preis für Bitumen stieg sogar um 36,4 %. In diesen Steigerungsraten sind die starken Preissprünge bei Öl Ende März noch gar nicht abgebildet, da der Erzeugerpreisindex kein Monatsdurchschnittswert, sondern ein Stichtagswert zum 15. des Monats ist. Weitere Preissteigerungen sind somit vorprogrammiert.

Die Steigerungsraten fallen damit ähnlich hoch bzw. sogar deutlich höher aus als im März 2022. Der Preis für Dieselkraftstoff lag damals um 31,2 % über dem Niveau des Vormonats, der Preis für Bitumen hingegen „nur“ um 8,2 %, im April 2022 aber schon bei 18,9 %. Die Auswirkung auf den Asphaltpreis erfolgte hingegen mit Zeitverzögerung: Im März 2022 lag der Anstieg binnen Monatsfrist bei 4,5 %, im April 2022 dann schon bei 8,0 %.

Der aktuelle Anstieg im März 2026 von 3,6 % wird somit nur ein Auftakt sein, schließlich ist Bitumen der teuerste Bestandteil von Asphalt. Rund die Hälfte des Asphaltpreises entfällt auf dieses Ölprodukt. Eine Verteuerung von Bitumen um 20 % bedeutet folglich einen Anstieg der Asphaltkosten um etwa 10 %. Hinzu kommt, dass sich in den kommenden Monaten ein Verfügbarkeitsrisiko bei Bitumen einstellen kann. Erste Raffinerien im Süden Deutschlands werden bereits jetzt mit zu wenig bitumenfähigem Rohöl versorgt. Ohne dies sind Ausfälle in der Asphaltproduktion die Folge. Materialknappheit könnte die Preise weiter befeuern. Die Materialkosten machen im Straßenbau aber rund ein Viertel des Bruttoproduktionswerts aus.

Insgesamt liegt der Preis für Dieselkraftstoff mittlerweile um 74 % über dem Niveau von Januar 2021, dem Beginn der letzten starken Preissteigerungen, im Februar lag das Plus noch bei 39 %. Dies belastet die Kostenseite der Bauunternehmen enorm, da 41 % des Energieverbrauchs im Baugewerbe auf Diesel entfällt, der für Baumaschinen benötigt wird. Hinzu kommt, dass noch weitere 36 % des Energieverbrauchs auf sonstige Mineralölprodukte (u.a. Bitumen) entfallen und 6 % auf Gase. Der Preis für Bitumen liegt aktuell um 64 % über dem Niveau von Januar 2021 (im Februar lag das Plus noch bei 21 %), der für Asphalt um 53 %. Dabei kannte der Preis für Asphalt bisher - im Trend - ohnehin nur noch eine Richtung: Nach oben. Die bis Februar 2026 volatile Preisentwicklung bei Bitumen hatte sich nicht partiell preisberuhigend ausgewirkt. 

Neben den direkten Auswirkungen auf die Baukosten durch die gestiegenen Diesel- und Bitumenpreise werden die Bauunternehmen auch von einem Zweitrundeneffekt betroffen sein. Schließlich werden sich auch die in der Produktion besonders energieintensiven Baumaterialien verteuern. Diese haben sich von der letzten Preissteigerung noch nicht erholt und befinden sich nach wie vor auf einem sehr hohen Preisniveau. So wird schon jetzt ein sehr hohes Niveau für Zement ausgewiesen: Der Preis lag im März 2026 um 58 % über dem Niveau von Januar 2021. Trotz zwischenzeitiger Beruhigung der Energiepreise ist der Preis für Zement nicht wieder gesunken, sondern befindet sich seit Anfang 2023 in einer kontinuierlichen Seitwärtsbewegung. Das gleiche trifft auf den Preis für Transportbeton zu – allerdings mit leicht abgeschwächter Tendenz: Er lag im März 2026 um 38 % über dem Niveau von Januar 2021.

Die Materialengpässe und Energiepreissteigerungen hatten sich zwischenzeitig auch auf die Stahlpreise ausgewirkt: Der Preis für Betonstahl legte im Zeitraum von Januar 2021 bis Mai 2022 um 114 % zu. Von Sommer 2022 bis September 2023 war eine kontinuierliche Beruhigung und seitdem eine Seitwärtsbewegung mit leichten Ausschlägen nach oben und unten zu beobachten. Im März 2026 lag der Preis um 3,2 % über dem Niveau des Vormonats und um 0,5 % über dem des Vorjahres. Das Niveau zu Jahresbeginn 2021 wird nur noch um 12,6 % überschritten. 

Die im Rahmen der DIHK-Umfrage zu Jahresbeginn 2026 befragten Bauunternehmen schätzten das Risiko hoher Energie- und Rohstoffpreise für die wirtschaftliche Entwicklung des eigenen Unternehmens nur unwesentlich niedriger ein als noch zu Herbst vergangenen Jahres: Während dies im September 54 % der Befragten angaben, waren es im Januar 52 %. Angesichts des mittlerweile erreichten hohen Preisniveaus liegt der Anteil somit immer noch deutlich über dem zu Jahresbeginn 2021 (35 %). Die Umfrageergebnisse dürften sich aufgrund der aktuellen Ereignisse aber zur nächsten Umfrage im Frühsommer verschlechtern.

Exkurs:

Bei der Interpretation der o. g. Preisentwicklungen muss berücksichtigt werden, dass es sich bei den Werten um Durchschnittswerte handelt, die Preissteigerungen - bzw. Preisrückgänge - können somit auch vereinzelt deutlich höher oder niedriger ausfallen. So fließen in die Erzeugerpreise neben Preisen aus Neuverträgen auch Preise aus langlaufenden Verträgen ein. Auch muss man berücksichtigen, dass es sich nur um Preise, der in Deutschland erzeugten und im Inland verkauften Produkte handelt. Im- und Exporte werden in dieser Statistik nicht berücksichtigt. Hinzu kommt, dass es sich nicht um Monatsdurchschnittswerte, sondern um Stichtagswerte (der 15. des Monats) handelt. [Anmerkung: Die Indizes werden ohne MwSt. ausgewiesen.]

Gründe für die zwischenzeitig (2021/2022) deutlichen Preisanstiege waren begrenzte Lieferkapazitäten der Hersteller, steigende Produktionskosten durch die Energiepreissteigerungen, aber auch fehlende Transportkapazitäten. Gleichzeitig wurden bei den Erzeugern - auch aufgrund der zwischenzeitig stark gestiegenen Energiekosten - Kapazitäten abgebaut oder Produktionen ganz eingestellt. Des Weiteren waren Lieferketten unterbrochen, zusätzlich herrschte Container- und Hafenpersonalmangel sowie ein Stau von Frachtschiffen und überfüllte Depots in einzelnen Häfen. Auch wurde vermehrt über „Hamsterkäufe“ zur Vorbeugung gegen weitere Preissteigerungen und Materialknappheiten berichtet, welche die Nachfrage und somit die Preise erhöhten. Diese „alten“ Gründe könnten bald wieder aktuelle sein.

Von den Knappheiten war zwischenzeitig eine noch nie dagewesene Anzahl an Unternehmen betroffen: Im Durchschnitt der Jahre 1991 bis 2020 gaben nicht einmal 1 % der im Rahmen des ifo Konjunkturtests befragten Bauunternehmen an, in ihrer Bautätigkeit durch Materialknappheit betroffen zu sein, im Mai 2022 - aufgrund der Verwerfungen durch den Krieg in der Ukraine - war es jedes zweite. Von Juni 2022 bis aktuell konnte aber wieder eine anhaltende Beruhigung festgestellt werden: Der Anteil lag im März nur noch bei 1,8 %.

Für Bauunternehmen liegt das Problem von unerwartet starken Preissteigerungen darin, dass diese bei langlaufenden Projekten - deren Preis schon vorher vereinbart wurde - nicht oder nur in Ausnahmefällen an die Auftraggeber weitergegeben werden können - sofern keine Preisgleitung vereinbart wurde. Das Risiko stark steigender Preise kann entweder nur durch langfristige Lieferverträge, Preisgleitklauseln oder entsprechende Kostenpuffer im Angebot abgesichert werden. Letzteres ist bei der ausgesprochen volatilen Preisentwicklung der vergangenen Jahre, bei steigendem Konkurrenzdruck und der Neigung öffentlicher Auftraggeber, regelmäßig das billigste Angebot anzunehmen, aber nicht immer möglich. Es besteht somit die Gefahr, dass die - in den vergangenen Jahren mühsam aufgebaute - Eigenkapitalausstattung bei sinkenden Margen wieder abschmilzt und das Insolvenzrisiko im Baugewerbe wieder steigt: Für das Gesamtjahr 2023 hatte das Statistische Bundesamt auch schon einen Anstieg der Insolvenzen im Bauhauptgewerbe von 25,7 % auf 1.409 gemeldet. Für das Gesamtjahr 2024 sowie 2025 meldete das Bundesamt weitere Anstiege, und zwar um 14,3 % bzw. 7,4 %.  

Nach einem moderaten Preisanstieg für Leistungen des Bauhauptgewerbes im Jahr 2020 hatten die Baupreise nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes 2021 und insbesondere 2022 deutlich angezogen: Sie lagen im Jahresdurchschnitt 2021 um 8,7 % und 2022 um 16,4 % über dem Vorjahresniveau (Quelle: VGR, Bauinvestitionen). Aufgrund der Preisberuhigung bei einzelnen Baumaterialien und des mittlerweile erreichten hohen Niveaus der Baupreise lag die Preissteigerung im Jahresdurchschnitt 2023 bei 6,5 %, 2024 bei 2,1 % und 2025 bei 2,8 %. Für 2026 erwarten die Wirtschaftsforschungsinstitute im Durchschnitt (für die gesamten Bauinvestitionen) einen Anstieg der Baupreise von 3,3 % und für 2027 sogar 3,6 %. Diese Prognosen beziehen sich auf den Stand Mitte März.

 

Siehe auch:

Brancheninfo Bau: „Inflationsgewinner

Brancheninfo Bau: „Preisentwicklung im Wohnungsneubau

Brancheninfo Bau: „Preisentwicklung im Bau(haupt-)gewerbe

Brancheninfo Bau: „Energieverbrauch und Klimaschutz im Baugewerbe – Eine Datensammlung.